Krimilesung mit Klaus-Peter Wolf Bestsellerautor plaudert im Bad Essener Schafstall

Von Christa Bechtel


Bad Essen. Seinen zehnten Ostfriesenkrimi, den „Ostfriesenschwur“ stellte Auto Klaus-Peter Wolf im Rahmen der 4. Literatur- und Musiktage im Schafstall Bad Essen vor.

Schon als Kind wollte Klaus-Peter Wolf nie etwas anderes werden als Schriftsteller. Ende der 1970er Jahre hatte der 1954 in Gelsenkirchen geborene freie Schriftsteller und Drehbuchautor bereits zehn Bücher veröffentlicht. Er schrieb für die Serien „Tatort“ oder „Polizeiruf 110“, und seine Ostfriesenkrimis entwickelten sich rasch zu einer Kultkrimireihe.

„Wir wohnen da, wo die Bücher spielen; wir fahren oft Fahrrad, schauen uns die Orte an und suchen schöne Plätze, wo man eine Leiche hinlegen kann. Und wir kennen immer sehr genau das Milieu“, antwortet Klaus-Peter Wolf auf die Frage, woher er seine Buchideen nimmt. Der elfte Krimi sei derzeit in Arbeit „und spielt auf Langeoog“, verrät er im Gespräch mit unserer Redaktion. Mit „wir“ meint er seine Frau Bettina Göschl, Kinderliedermacherin und Autorin. Sie hat mit ihrem Mann zahlreiche Kinderbücher veröffentlicht und schrieb speziell für seine Romane Lieder. Einige davon trug die Gitarristin im ausverkauften Schafstall später vor.

Preisgekrönter Autor

Dort kündigte Wolfgang Bielefeld, Vorsitzender des Kur- und Verkehrsvereins, zur Begrüßung an: „Heute Abend werden Köpfe rollen! Wenn dunkle Gestalten ihr Unwesen treiben.“ Aber: „Wir sind sehr stolz, dass wir den preisgekrönten Schriftsteller und Autor zahlreicher Drehbücher, Klaus-Peter Wolf, für Bad Essen gewinnen konnten.“

„Ich wünsche Ihnen einen mörderisch-schönen Abend“, sagte Wolf zur Begrüßung, der kurze Zeit später gestand, dass es die Figuren seiner Bücher wirklich gibt. „Meine Lehrer, meine Meister, die mich anerkannt und gefördert haben, waren im Ruhrgebiet die alten Arbeiter-Schriftsteller.“ Doch in den letzten 20 Jahren habe sich in der Literatur einiges verändert. „Wenn ich Romane gelesen habe, kamen da keine Handwerker mehr vor“, erwähnte er. So habe er für seine Kommissarin einen Nachbarn erfunden, „der ein ehrlicher Handwerker sein musste. Der stolz ist, ehrliche Arbeit zu leisten…, der sogar Steuern zahlt.“ Das ist Peter Grendel, der einen gelben Bulli mit der von seiner Frau getexteten Werbung „Eine Kelle für alle Fälle“ fährt und in den Ostfriesenkrimis mit diesem Gefährt unterwegs ist.

Träumen erlaubt

Als seine ersten Ostfriesenkrimis erschienen habe sein Verleger zu ihm gesagt: „Klaus-Peter, lass uns mal träumen. Vielleicht gelingt es uns, mit einem der Bücher die Schallmauer zu durchbrechen und 10.000 Exemplare zu verkaufen. Man kann ja mal träumen…. Inzwischen sind wir durch die Vier-Millionen-Grenze gegangen“, schilderte Wolf und etwas Stolz schwang in seiner Stimme mit. Alle Romane werden nun auch verfilmt. Dafür werden Original-Schauplätze, wie Tankstellen, gesucht und fotografiert. Die Fotos sorgten dafür, dass Tankstellen-Besitzer bei der Polizei anriefen, sodass das Team zu Einbrechern und ihr Wagen sogar zur Fahndung ausgeschrieben wurde. Munter plauderte Wolf weiter aus dem Nähkästchen. Seine Bücher schreibe er immer erst mit Füller in eine Kladde. Da sage er schon mal zu seinem Füller: „Mach schneller, es ist gerade so spannend.“

Appetit ändert sich

Dass Klaus-Peter Wolf ein exzellenter Rezitator seines eigenen Werkes ist, machte er mit seinem Ostfrieslandkrimi, dem „Ostfriesenschwur“ deutlich. Leidenschaftlich, mit hintergründigem Humor – oftmals lacht er sogar herzlich darüber, was er da geschrieben hat – las er Passagen, mit denen er seine verschiedenen Figuren vorstellte, die seine Fans in- und auswendig kennen. Wenn er sonst beispielsweise Ubbo Heide, Chef der Kripo Aurich ist, trinkt er gern schwarzen Tee, aber nicht mit Kluntje und Sahne, sondern mit einem Pfefferminzblatt. „Und ich bekomme Hunger auf Marzipan“, bemerkte er lächelnd. Wenn er aber Rupert ist, bekommt er Hunger auf eine Currywurst mit Pommes frites, Mayonnaise und ein Bier. „Als Kommissar Weller halte ich das für ungenießbar“, meinte er grinsend und erklärt: „Wenn ich Hauptkommissarin Ann Kathrin Klaasen bin, behauptet meine Frau, dass sich mein Gang verändert.“

Ostfriesenblues

Atmosphärisch hat Bettina Göschl mit ihren Songs denn auch das eingefangen, was in den Ostfriesenkrimis geschieht. Oder sie erzählt, wie sie es erlebt, wenn ihr Mann einen neuen Krimi schreibt. So gab sie die Songs „Ostfriesenblues“, auch der Titel der neuen CD oder später „Ostfriesenmoor“ zum Besten, wo sie beschreibt, wie es war, als Klaus-Peter sein handschriftliches Manuskript verloren hatte.

Die Besucher erlebten im Schafstall einen kurzweiligen Abend, der leider viel zu schnell verflog…


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN