Haus aus Ostwestfalen geholt Hüseder schicken ganzes Fachwerkhaus auf Reisen


Hüsede. Wenn ein ganzes Haus auf Reisen geht: Die Hüseder Jens Gerber und Steffen Durek haben ein altes Fachwerkhaus von Offelten in Ostwestfalen bis nach Hüsede transportiert. Hier bauen sie den Kotten wieder auf – ein Liebhaberprojekt.

Offelten ist eines der schönsten Fachwerkdörfer in Ostwestfalen. In großer Dichte stehen hier historische und bäuerliche Fachwerkgebäude, wie sie anderswo kaum zu finden sind. Es gab in Offelten aber auch ein altes Eichenfachwerkhaus aus dem Jahre 1777 für das ihre Besitzer keine Verwendung mehr hatten und somit den Launen der Natur ungeschützt ausgeliefert war.

Es wäre also nur noch eine Frage der Zeit gewesen, bis dieses bäuerliche Anwesen dem Erdboden gleichgemacht würde. Doch soweit sollte es nicht kommen.

Ein ursprüngliches Fachwerkhaus sollte her

Rückblende: Die gebürtigen Osnabrücker Jens Gerber und Steffen Durek, waren ein Leben in der Stadt satt und zogen ins beschauliche Hüsede im Wittlager Land. Durch Zufall waren die Freunde auf ein großes Grundstück (rund 7000 Quadratmeter) mit Haus und Wassermühle, mitten im Ort, aufmerksam geworden und fanden Gefallen an der ländlichen Idylle.

Das Haus haben die Mietparteien über 13 Jahre als Wohngemeinschaft genutzt, bevor die Osnabrücker das gesamte Areal inklusive der alten Wassermühle erwarben. In den beiden reifte ein Plan, der es in sich haben sollte. Sie hatten die Vorstellung vom Bau eines ursprünglichen Fachwerkhauses direkt neben der alten Mühle. Ein Umzug mit Haus sollte es also werden. Aber woher nehmen, wenn nicht stehlen?

Zusicherung gegenüber den ursprünglichen Eigentümern

In Offelten schien das Zweiständerhaus als ein geeignetes Objekt gefunden worden zu sein. Nach Zusicherung gegenüber den ursprünglichen Eigentümern, der Familie Hüffmeier und dem Denkmalschutz, dass dieses Gebäude in Hüsede wieder aufgebaut werde, wurde vonseiten der Behörden dem Abbau zugestimmt.

„Aber ohne finanzielle Mittel wäre das Vorhaben überhaupt nicht möglich gewesen“, so Gerber in einem Gespräch mit unserer Redaktion. Als die nicht so ganz einfache Finanzierung schließlich stand, konnten die Arbeiten beginnen.

Abbau gestaltete sich schwierig

Als die Finanzierung stand, konnten die Arbeiten beginnen. Der Abbau gestaltete sich allerdings als sehr schwierig. Jeder Eichenbalken musste nummeriert werden, bevor er mit dem eigens dafür angeschafften Traktor nach Hüsede gebracht wurde. Nach einem Jahr mühsamer Schufterei gehörte der Abbau nun der Vergangenheit an und es konnte mit dem Wiederaufbau begonnen werden.

Verwittertes wurde, wenn es noch irgendwie möglich war, restauriert. Über die Jahrhunderte tatsächlich Vergangenes wurde durch historisches Baumaterial diverser zusätzlicher Fachwerkabbauprojekte ersetzt. Selbst das Dach wurde mit alten Handformziegeln gedeckt, die zuvor einzeln von ihren Spenderhäusern abgedeckt werden mussten.

Unterstützung aus der Dorfgemeinschaft

Unterstützt wurden die Männer aus Hüsede mit Rat und Tat vom Kompetenzverbund Denkmalschutz: Wilker (Zimmerei), Hartmann (Dachdecker), Purps (Lehmbau), Hiese (Maler), Vielstädte (Tischler) und natürlich von Freunden und Nachbarn der hiesigen Hüseder Dorfgemeinschaft. Denn diese hatten immer ein offenes Ohr für den Bauherren, boten sofort ihre Unterstützung an und hatten oftmals Verständnis, wenn es abends etwas länger wurde und lauter blieb.

Haus nimmt Form an

Bis 2015 liefen die Aufbauarbeiten einigermaßen reibungslos. Dann drohte ein Sturmtief den Traum von Jens Gerber zu vernichten. Doch das schnelle Eingreifen der örtlichen Feuerwehr verhinderte Schlimmeres und der Aufbau konnte fortgeführt werden.

Inzwischen nimmt das neue alte Fachwerkhaus aus Offelten in Hüsede Gestalt an und dass die Arbeiten weiterhin gut vorangehen, dafür sorgt natürlich auch die Partnerin von Jens Gerber, denn die beiden möchten möglichst bald in ihr Traumhaus einziehen.

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