Hilfe auch für Angehörige Suchtberatung von Diakonie und Caritas in Bad Essen

Von David Hausfeld

Hilfe für Suchtkranke und Angehörige bieten die Suchtberaterinnen Irina Rörig (links) und Daniela Rauen in der Ökumenischen Beratungsstelle Bad Essen von Diakonie und Caritasverband. Foto: David HausfeldHilfe für Suchtkranke und Angehörige bieten die Suchtberaterinnen Irina Rörig (links) und Daniela Rauen in der Ökumenischen Beratungsstelle Bad Essen von Diakonie und Caritasverband. Foto: David Hausfeld

Osnabrück. Irina Rörig und Daniela Rauen arbeiten in der Suchtberatung der Ökumenischen Beratungsstelle Bad Essen. Sie beraten nicht nur Betroffene von Alkohol-, Drogen oder Spielsucht, sondern auch Angehörige in der gemeinsamen Einrichtung von Caritas und Diakonie in der Lindenstraße.

„Er trinkt, warum soll ich zur Suchtberatung?“, sagt Rörig vom Diakonischen Werk. Diese Frage würden sich Angehörige von Suchtkranken oft stellen, wenn sie den Gang zur Beratungsstelle nahegelegt bekommen. Dabei ist die Arbeit mit den Bezugspersonen der Kranken ein Schwerpunkt der Beratung – und genauso wichtig, wie die Begleitung der Abhängigen selbst. Dies betrifft den Partner, aber auch Verwandte, Kinder, Kollegen oder gar den Chef. Die Gründe dafür sind vielseitig, schildert ihre Kollegin Daniela Rauen vom Caritasverband.

„In manchen Fällen ist die Welt für den Suchtkranken selbst in Ordnung“, sagt Rauen. Die Wäsche werde gewaschen, das Essen stehe auf dem Tisch. Dahinter leiden jedoch die Angehörigen im Stillen, während sie Arbeit für Zwei oder Drei verrichten. Die Belastung äußert sich bis hin zu körperlichen Symptomen: Kopf- oder Nackenschmerzen, Kreislaufschwäche, Bluthochdruck oder sogar Burn-out. Die Scham, sich mit den Sorgen an Freunde oder Bekannte zu wenden, sei oft groß. Doch dies ist nicht der einzige Grund für Angehörigenberatung:

Angehörige merken: „Ich bin nicht allein“

Angehörige seien auch ein wichtiger Zugang zum Betroffenen, wenn dieser selbst nicht bereit ist, an seiner Situation etwas zu ändern. So könne die Motivation zur Teilnahme an Beratungs- und Therapieprozessen durch eine Verhaltensänderung der Bezugsperson gesteigert werden, so Rauen. Aus Fremdmotivation wird Eigenmotivation. Außerdem sei der Therapieerfolg nicht selten von den Angehörigen abhängig. Wenn gewünscht, sind Bezugspersonengespräche immer auch Teil der Therapie, sagt die Beraterin.

Neben Einzelgesprächen bieten Rauen und Rörig Gruppengespräche an. Eine solche Gruppe leiten beide Beraterinnen jeweils in Melle. In Selbsthilfegruppen können Angehörige Erfahrungen austauschen und die Entwicklung der aktuellen Lebenssituation vergleichen. Vor allem merken sie so: „Ich bin nicht allein“, sagt Rauen. Selbsthilfegruppen gibt es aber auch für die Suchtkranken selbst. Sie dienen insbesondere dafür, das erklärte Ziel des Betroffenen aufrecht zu erhalten und durchzustehen, denn:

Alternativen zur Sucht erarbeiten

„Abhängigkeit ist eine chronische Erkrankung“, sagt Rörig. „Die Krankheit wird nicht geheilt, sondern nur gestoppt“. In der Selbsthilfegruppe knüpfen die Erkrankten Kontakte und tauschen sich aus. Dies sei wichtig, denn gerade die Gruppenmitglieder würden Auffälligkeiten als erstes bemerken und keine Scheu zeigen, diese auch sofort anzusprechen.

Beispiel Alkohol: Mit dem Ansatz „Ich trinke nicht mehr, dann ist alles gut“, sei es nicht getan, sagt die Beraterin. Stattdessen müssten im Laufe der Therapie Alternativen erarbeitet werden, etwa die Mitgliedschaft in einem Verein oder der regelmäßige Gang in Fitnessstudio. „Im Laufe des Konsums vergessen die Betroffenen, was sie gerne gemacht haben und wo ihre Interessen liegen“, ergänzt Rauen. „Die Sucht steht im Mittelpunkt“.

Menschen wollen wissen, wo sie mit ihrem Konsum stehen

Am Anfang stehe aber immer die Beratung mit Einzel- und Gruppengesprächen. Bei Bedarf wird in ambulante und stationäre Therapie- sowie Rehaangebote weitervermittelt, sagt Rörig. Während manche Klienten aus Fremdmotivation wie gerichtlichen Auflagen oder eines Führerscheinentzugs in die Beratung begeben, kommen andere aus freien Stücken. Dabei muss nicht immer gleich eine Abhängigkeit vorliegen.

Manche Menschen wollen einfach wissen, wo sie mit ihrem Konsum stehen, ob Missbrauch oder schon eine Abhängigkeit vorliegt, so Rauen. Dann werde geschaut: Was sind die Ziele und wie können sie erreicht werden – etwa durch Abstinenz oder kontrolliertes Trinken? Wichtig ist dabei die Mitarbeit des Betroffenen: „Der Klient steht im Vordergrund. Er trifft seine eigenen Entscheidungen“, sagt Irina Röring. „Wir begleiten nur“.

Auffälliger Medienkonsum hat zugenommen

Zusätzlich zum Beratungsangebot leisten Rauen und Rörig auch Präventionsarbeit. Unter anderen klären die Beraterinnen in der Oberschule Bad Essen oder der Astrid-Lindgren-Schule Bohmte Schüler zum Thema Sucht auf. Ein Schwerpunkt ist dabei die Medienprävention. Auffälliger Medienkonsum über Computer, Handy oder Spielkonsole hätte in den letzten Jahren zugenommen, sagt Rauen. Vor allem Eltern seien besorgt.

Wenn Sie Kontakt zur Suchtberatung oder weiteren Beratungsangeboten der Ökumenischen Beratungsstelle Bad Essen aufnehmen möchten, wählen Sie Telefon 05472/979707 oder besuchen die Webseite www.caritas-os.de/os/oekumenische-beratungsstelle-bad-essen/ im Internet.

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Serie:

In loser Folge stellen wir die Beratungsangebote von Caritas und Diakonie im Wittlager Land vor. Heute geht es um die ökumenische Suchtberatung.

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