Ahmed Al-Kenani stellt aus Inspiration aus dem Irak in Bad Essen


Bad Essen. „Mein Traum – Malerei in Ölfarben“ lautet der Titel der Ausstellung, die noch bis zum 13. Oktober im Bad Essener Schafstall an der Bergstraße zu sehen ist. Der Künstler ist Ahmed Al-Kenani, der auf Einladung des Kunst- und Museumskreises (KMK) und in Zusammenarbeit mit der Bürgerstiftung in Bad Essen ausstellt. Al-Kenani wurde in Bagdad geboren, lebt seit 1998 in Osnabrück.

„Ich male seit 1983“, sagt Ahmed Al-Kenani, der als Bester in seinem Fachbereich sein Kunststudium an der Babylon Universität of Fine Arts Irak mit Auszeichnung abschloss. Die Vernissage seiner Ausstellung fand während eines besonderen irakischen Wochenendes statt, zu dem der KMK und die Bürgerstiftung im Zuge des Projekts „IntAkt“ (Interkulturell Aktiv) unter dem Motto „Irak im Augen-Blick“ eingeladen hatten.

„Wir als KMK haben diese Ausstellung beziehungsweise das Wochenende zusammen mit Claudia Pingel organisiert, die letztes Jahr an uns herangetreten ist und gefragt hat, ob Interesse an einem interkulturellen Austausch besteht und wir das Projekt ‚IntAkt‘ unterstützen würden. Das tun wir natürlich sehr gern“, sagte Jutta Kroll, stellvertretende Vorsitzende des KMK, in ihrer Begrüßung.

Passendes Programm

In der Vergangenheit habe man bereits einige interessante Ausstellungen mit ausländischen Künstlern organisiert und diese ebenfalls mit einem ganzen Wochenende verbunden. So sei auch diese Ausstellung in ein Programm eingebettet, zu dem auch das Konzert mit dem Duo Sidare gehörte. Fingerfood und andere Köstlichkeiten aus der Morgenland-Küche nach der Ausstellungseröffnung waren ebenfalls auf das Thema abgestimmt.

„Im Projekt ‚IntAkt‘ arbeite ich seit über anderthalb Jahren mit und für Migranten und Migrantinnen in der Gemeinde Bad Essen“, stellte Claudia Pingel dar. „Von Menschen, die sich bei uns integrieren sollen, wird einiges erwartet und noch mehr beklagt. Wir übersehen dabei häufig, welche Bereicherung das interkulturelle Zusammenleben auch bedeuten kann.“ Darum würde ‚IntAkt‘ dazu anregen, das interkulturelle Zusammenleben in Bad Essen aktiv mitzugestalten, sich füreinander zu interessieren und sich aufeinander einzulassen, wie Pingel sagte. Sie zählte verschiedene Möglichkeiten, sich einer anderen Kultur zu nähern, auf. „Wie heute hier – über die Kunst“, betonte sie. Eine kleine Einführung in die Ausstellung und über die Biografie des Künstlers gab anschließend Tina Klaß.

Seine Inspirationen hat Al-Kenani aus seiner Heimat mitgebracht, hat sie vor Augen, trägt sie im Herzen. „Das könnte meine Frau, meine Schwester, meine Nachbarin sein“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung und weist auf seine 25 ausgestellten Werke, in denen er fast immer Frauen darstellt. Seine Lieblingsfarben sind warme Töne wie Orange, Gelb und Rot. Darum ist es auch ein warmes Leuchten, kontrastiert durch kühle Akzente in Grün und Blau, die der erste Eindruck beim Betrachten der Werke Al-Kenanis hinterlässt.

Vage Bilder aus der Erinnerung sind das wesentliche Motiv in den Ölgemälden des in Bagdad geborenen Künstlers. Aber auch deutsche Motive inspirieren ihn.

Keine Individuen

Da es sich nicht um reale Situationen handelt, sind auch die Frauengestalten, die oft von Kindern begleitet sind, nicht als Individuen zu verstehen. Sie scheinen aus dem Boden zu wachsen oder sind zumindest tief in diesem verwurzelt. So werden sie in den Bildern zum Synonym für die Kindheit, in die der Künstler aus einer anderen Welt zurückblickt. Letztlich sind diese Personifikationen der Heimat wohl das Motiv, nicht aber das eigentliche Thema der Gemälde, in denen Schatten nicht immer nach logischen Gesichtspunkten fallen, sondern einer inneren Notwendigkeit des Bildes folgen. Farben dienen nicht als optischer Reiz – Al-Kenani verbindet sie mit der visuellen Wahrnehmung von Temperatur, einem Hauptinteresse seiner Malerei. Seine Farbtöne entstammen übrigens der Wüstenhitze seiner irakischen Heimat.

Die Ausstellung ist bis zum 13. Oktober täglich dienstags bis sonntags von 15 bis 18 Uhr geöffnet.


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