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Sinnlich und temperamentvoll Duo Karasol bringt die Musik der großen, weiten Welt in den Bad Essener Schafstall

Von Imma Schmidt

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Bad Essen. „Folgen Sie uns auf eine Reise, es wird sinnlich, besinnlich und wieder wild und temperamentvoll. Ab und zu können Sie aber auch die Augen schließen und träumen...“, verspricht Silvio Schneider, der Gitarrist des Duos Karasol zu Beginn des Konzerts im Bad Essener Schafstall.

Das erste Stück, ein Wüstenlied, das von einem wilden Garten und von Sehnsucht spricht, hat die Zuhörer bereits gefangen genommen – Silvio auf der Bühne mit seiner Gitarre, Sängerin Karolina Trybala durch die Zuschauerreihen kommend. Sie spielt auf einem indischen Instrument, einer Shrutibox, die sich anhört wie ein kleines Akkordeon und aussieht wie ein aufgeklapptes Buch. Die Box wird eigentlich zum Meditieren genutzt, harmoniert aber gut mit der wandlungsfähigen Stimme Trybalas.

„Das dritte Wochenende Kultur, und immer noch gut besucht“, sagt Annette Ludzay und freut sich für den Veranstalter, den Bad Essener Verkehrsverein. Gitarrist Schneider sei für Bad Essen „kein Unbekannter“, so Ludzay. Er habe vor zwei Jahren den Preis der Kulturkanapees gewonnen und sei auch zwischendurch zu Gast gewesen. Nun steht er mit seinem neuen Projekt Karasol zusammen mit der Sängerin Karolina Trybala auf der Bühne.

Die grafische Strenge der Exponate der aktuellen Ausstellung im Schafstall ging – jedenfalls für manche Augen – einen spannungsreichen Dialog mit dem pulsierenden Klangmosaik der Musikstücke ein. Die Lieder stammten aus Ost-, Mittel- und Südeuropa, Afrika, den USA oder Persien.

Duke Ellingtons Stück Caravan brauchte dringend einen polnischen Text, erklärt die charmante Karolina. Und dann singt sie nicht nur, sondern haucht, zischt, schnalzt und klackert, und die Töne perlen mühelos, mal kraftvoll, mal sanft und lockend, aus ihr heraus. Das jazzige Stück wurde in den Dreißigern komponiert von Juan Tizol und Ellington, der Text stammt von Irving Mills. Es gilt als einer der größten Hits, die Ellington je hatte.

Ein ganz eigenes, leidenschaftliches Gepräge bekommt er nun jedoch durch Karasol. Die Zuschauer bedanken sich mit lebhaftem Beifall, Pfiffen und Rufen.

Sister Moon von Sting – beide verehren ihn, erzählt das Duo – erklingt. Mit portugiesischem Text. Trybala spricht nicht nur fließend Deutsch, Polnisch und Russisch, sondern auch Englisch und Französisch. Singen kann sie allerdings auch in Italienisch, Spanisch, Portugiesisch und Persisch. Die „Weltenbummlerin“, wie sie selbst nennt, studierte Gesang und Percussion in Leipzig, Zürich und Kattowitz. Und mit ihrer ersten Liebe, einem Gitarristen, erzählt sie lachend, fuhr sie mit 18 Jahren nach Andalusien. Flamenco-Tänzerin wollte sie damals werden.

Ein Stück von Chick Corea, einem der Gründerväter des Jazz-Rock folgt. Das Lied Spain, es „brauchte unbedingt einen spanischen Text“. Dass Rhythmus – auch spanische Flamencosentenzen – ihr Ding ist, stellt die Sängerin an diesem Abend beständig unter Beweis. Ihre Hände bewegen sich wie Schlangen oder kleine Flugzeuge. Und sprechen mit den Zuhörern und ihrem Bühnenpartner. Ein Paar sind die beiden nicht, sie spielen jedoch gekonnt und expressiv mit emotionalen Bildern und Klängen den Dialog eines Paares. Die Hüfte kreist, die Füße wippen oder werden selbst zum Schlagzeug.

Silvio Schneider, ein klein wenig zurückhaltender im Ausdruck, jedoch wie Trybala, musikalischer Geschichtenerzähler, brilliert auf seiner Gitarre. Ein besonderes, aber sechssaitiges Modell, mit einer Einbuchtung wie bei einer E-Gitarre. Seit dem Gitarren- und Kompositions-Studium in Dresden befasst er sich „intensiv mit lateinamerikanischer Musik“. Seit 20 Jahren gibt Schneider Konzerte auf der ganzen Welt und unterrichtet unter der Überschrift Groovy Latin Guitar.

Die lateinamerikanischen Einflüsse sind auch im Schafstall in den virtuosen Solostücken gut zu hören. Eines hat Schneider inspiriert: Es stammt aus einer Gegend voller Künstler an der Westküste der USA. Wer die Augen schließt, kann sich wegträumen auf die andere Seite der Welt. Die Hand legt sich über die Saiten – ein Moment der Stille. Zurück in Bad Essen. Beifall.

In einem polnisch-jüdischen Lied zeigt sich die volle Stimme der 33-jährigen Sängerin: reif, wissend und melancholisch. Bei dem letzten Lied aus Afrika kommt die schwer zu stimmende „Diva“, eine Rahmentrommel, zum Einsatz. Das temperamentvolle Duo holt die Wärme Afrikas in die winterliche Kleinstadt. Mit einem poetischen persischen Kinderlied, schon eine Zugabe, bei dem die Zuhörer im Schafstall nach Anleitung von Tryballa begeistert die Begleitung intonieren, verabschiedet sich Karasol. Noch eine Zugabe, nur von der Sängerin für Thomas Bochniak, die gute Seele des Schafstalls: ein polnisches Hochzeitslied.

Informationen über das Duo gibt es im Internet auf www.karasol.de


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