Musik, Literatur und Theater Schrulliger Don Quijote im Bad Essener Schafstall

Von Hartwig Ventker

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Die Windmühlenszene gehörte im Bad Essener Schafstall zum Repertoire der drei Künstler (von links): Gerd Koch-Darkow, Erich Radke und Ulf Goerges. Foto: Annette LudzayDie Windmühlenszene gehörte im Bad Essener Schafstall zum Repertoire der drei Künstler (von links): Gerd Koch-Darkow, Erich Radke und Ulf Goerges. Foto: Annette Ludzay

Bad Essen. Wenn unterschiedliche künstlerische Disziplinen wie Musik, Literatur und Theater aufeinandertreffen, entsteht eine musikalisch-theatralische Lesung. So geschehen im Bad Essener Schafstall an der Bergstraße. Im Mittelpunkt: Don Quijote.

Auf Einladung des Kunst- und Museumskreises und der Gitarrenschule Ventker waren das Gitarrenduo „Canciones Espanolas“ (Gerhard Koch-Darkow und Erich Radke) sowie der Schauspieler Ulf Goerges zu Gast, um dem Publikum einen Klassiker der Weltliteratur zu präsentieren: Die Rede ist von den denkwürdig-schrägen Abenteuern des Don Quijote von der Mancha des spanischen Nationaldichters Miguel de Cervantes , an dessen 400. Todestag im Jahr 2016 erinnert wird.

1200 Seiten „Schinken

Dieser lesetechnisch schier unüberwindbare „Schinken“ mit einem Volumen von über 1200 Seiten voller skurriler Abenteuer wurde von den drei Akteuren auf gute zwei Stunden Spielzeit bester Unterhaltung reduziert. Die Aufgabe der Gitarristen beschränkte sich nicht auf lieferbare Gitarrenklänge im spanischen Kolorit, sondern sie wurden vom Regisseur Björn Kruse direkt in das schauspielerische Geschehen integriert. So übernahm Erich Radke die Rolle des plumpen Nachbarn Sancho Pansa, und Gerhard Koch-Darkow überzeugte mit gekonntem Minenspiel in der Rolle des klapprigen Gauls Rosinante.

Ins Geschehen einbezogen

Ein permanentes musikantisch-schauspielerisches Ereignis prasselte auf die Zuhörer herab, die bemerkenswert aufmerksam die rasant wechselnde Szenerie der schrulligen Ereignisse auf der Schafstallbühne verfolgten. Dabei mussten es sich mehrere Besucher gefallen lassen, in das dramaturgische Geschehen einbezogen zu werden. Ein köstliches Vergnügen für die Besucher!

Was aber macht das sogenannte „Don-Quijote-Syndrom“ für Darsteller und Zuhörer so interessant und hat dem spanischen Dichter einen Platz in der Weltliteratur beschert?

Der Protagonist und wahrnehmungsgestörte Ritter stürzt sich mit seinem Gefährten von einem Abenteuer ins nächste, kämpft gegen Windmühlen, Weinschläuche oder Hammelherden, die ihm infolge seiner überbordenden Fantasie als verzauberte Riesen und Kriegsherren erscheinen. Solche Episoden verschaffen ihm schon bald den Beinamen des „Ritters von der traurigen Gestalt“ und treiben seinen Knappen Sancho Pansa an den Rand der Verzweiflung, bisweilen auch über diesen hinaus.

Amusement und Nachdenklichkeit

So gesehen bot der Abend für jeden Besucher einen individuellen Abgleich zwischen Wahn und Wirklichkeit – ein raumgreifendes Thema in der heutigen Zeit. Die zahlreich erschienenen Zuhörer verließen den Schafstall in einer Mischung aus Amusement und Nachdenklichkeit. Viel mehr kann eine musikalisch-szenísche Lesung nicht erreichen und man kann den absolut professionell agierenden Darstellern nicht dankbar genug sein für diesen engagiert dargebotenen künstlerischen Genuss.


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