Bäcker müssen Hitze ertragen Wenn der Arbeitsplatz zur Sauna wird

Von Nadine Grunewald

<em>Heiße Luft: Wenn sie die Brötchen aus dem Ofen holt,</em> kommt Jasmin Werth (Bäckerei Titgemeyer) ins Schwitzen – erst recht bei diesen Temperaturen. Foto: Nadine GrunewaldHeiße Luft: Wenn sie die Brötchen aus dem Ofen holt, kommt Jasmin Werth (Bäckerei Titgemeyer) ins Schwitzen – erst recht bei diesen Temperaturen. Foto: Nadine Grunewald

Bad Essen. Jasmin Werth steht in der Bäckerei Titgemeyer hinter der Theke und schmiert Brötchen. Die Uhr am Ofen piept. Sie zieht sich Kochhandschuhe über, öffnet die Ofentür – und ein Hitzeschwall strömt ihr entgegen: bei den hohen Temperaturen eine unangenehme Aufgabe. Während sich manch einer in einem Büro mit Klimaanlage zurücklehnen kann, geraten zahlreiche Arbeitnehmer zunehmend ins Schwitzen. Jasmin Werth ist eine von ihnen.

„Es ist sehr heiß hier drin bei dem Wetter“, sagt sie. Mit dem Ofen im Nacken sehne man sich nach einem Lüftchen. Doch sogar „wenn es draußen regnet, spürt man hier drin gar nichts“, erzählt sie. Auch hinten in der Backstube ist es schön warm, wie ihr Chef, Geschäftsinhaber Manfred Titgemeyer, sagt. „Eine Klimaanlage geht bei uns nicht. Die Teige brauchen auf dem Tisch ihre Ruhezeit.“ Durch einen Luftzug würde sich auf ihnen eine Haut bilden, das Endprodukt weniger gut werden. Manfred Titgemeyer nimmt es gelassen: „Als Bäcker ist es einfach warm. Das weiß man, wenn man den Beruf wählt.“ Im Winter sei es in der Backstube dafür schön mollig.

Extreme Zustände herrschen auch in der Küche des Gasthauses Auf dem Kampe. Dort hat Koch Claus Bührmann neulich die Temperatur gemessen. 53 Grad Celsius zeigte das Thermometer an. Normalerweise sei es in der Küche zwischen 25 und 30 Grad warm. Doch wenn die Außentemperatur entsprechend hoch ist, wird es auch drinnen heißer. „Die Belüftungsanlage holt sich auch nur warme Luft von draußen, und dann sind da noch die Öfen“, erklärt Bührmann, der nach Dienstschluss „platt“ ist. Gerade abends seien die Temperaturen extrem. Da hilft nur eins: „Augen zu und durch“, sagt er. „Es ist ja nur phasenweise so.“

Abkühlen

Wolfgang Neuhaus bekommt die Hitze direkt zu spüren. Ihm gehört der Garten- und Landschaftsbaubetrieb Neuhaus. Gerade in dieser Zeit gebe es viel zu tun. Um nicht in der prallen Hitze zu arbeiten, fangen er und seine Mitarbeiter eine Stunde eher, um sechs statt um sieben, an. „Wir gehen hin und wieder in den Schatten und kühlen uns ab, damit wir überhaupt weitermachen können“, sagt Neuhaus. Sollte es gar nicht mehr gehen, müsse man notfalls eher aufhören. „Es ist ja zum Glück nicht ständig so“, sagt er. Ein paar Tage halte man das aus.

Nicht angenehm ist es auch für die Angestellten vom Kleinen Haus am Kirchplatz. Sie müssen ständig von drinnen nach draußen eilen, um Bestellungen aufzunehmen und an die Tische zu bringen. „An besonders heißen Tagen ist es sehr anstrengend“, erklärt Inhaberin Alexandra Tautfest. Dazu kommt die Arbeitskleidung. „Mit Dirndl und Schürzen kommt man ins Schwitzen.“ Um durchzuhalten, trinken die Angestellten viel Wasser und Fruchtsäfte. „Das ist eben der Sommer, das gehört dazu. Wir sind hart im Nehmen“, sagt Tautfest. Und wenn es zu heiß werde, kämen sowieso kaum Gäste.

Direkt an der Quelle zu einer beliebten Abkühlung liegt der Arbeitsplatz von Ralf Balshüsemann. Er ist Bademeister im Sole-Freibad. Ist es nicht gemein, wenn man selbst nicht ins kühle Wasser springen darf, während alle anderen es genießen? „Nein. Das ist nicht so schlimm“, findet er. Schließlich könne er nach Feierabend eine Runde schwimmen. „Dann wird es aber auch Zeit. “ Um bei der Hitze den ganzen Tag konzentriert zu bleiben, sucht sich der Bademeister einen weitestgehend schattigen Platz und stellt einen Schirm auf, der ihn vor der Sonne schützen soll. „Den ganzen Tag in der Sonne hält man es nicht aus. Und man muss einen hohen Lichtschutzfaktor nehmen“, sagt er in Bezug auf die Sonnencreme. Der Vorteil bei dem Superwetter: Das Freibad ist gut besucht, es ist sehr viel los. „Da geht die Zeit ganz schnell rum.“

Einen Arbeitsplatz, um den sie zurzeit viele beneiden, hat Nicole Kähne. Sie ist Fleischereifachverkäuferin bei der Fleischerei Schlacke – und verkauft bei kühlen 17 Grad Wurstwaren und Grillfleisch. „Das ist schön angenehm“, sagt Kähne. Allerdings habe sie dadurch ein verändertes Wahrnehmungsgefühl. Ist es draußen nur minimal wärmer, empfinde sie es als kalt. Und auch wenn viele Arbeitnehmer grade gerne an ihrer Stelle wären: „Im Winter will keiner mit mir tauschen.“


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