Viel Arbeit für Fabian Müller Ein Schaupieler auf der Bad Essener Puppenbühne

Fabian Müller vor dem Theaterwaggon an der Kunstschule. Foto: Helge HolzFabian Müller vor dem Theaterwaggon an der Kunstschule. Foto: Helge Holz

Bad Essen . Über mangelnde Arbeit und ein zu viel an Freizeit wird sich Fabian Müller in den kommenden Wochen sicher nicht beklagen müssen. Der 27-jährige hat sich eine Aufgabe gestellt, die faszinierend ist und doch ein wenig für Gänsehaut bei seiner Umwelt sorgen wird.

Denn so schön und reizvoll sein selbst gestecktes Projekt auch sein mag, nicht jeder würde mit tauschen wollen und sich gleichfalls auf die Bretter stellen, die für Theaterfreunde die Welt bedeuten. So heißt es in den kommenden Wochen und Monaten üben, üben, üben bis der Text sitzt, die Betonung auf den Punkt kommt, die Gestik die Handlung perfekt unterstützt, bis er seine Figur mit Leben füllen wird. Und das ist „nur“ die Arbeit, die sein Publikum am Ende zu sehen bekommen wird.

Eine Herausforderung

Neben dieser „Fleißarbeit“ wartet noch eine weitere Herausforderung auf Fabian Müller: In Personalunion übernimmt er zusätzlich Amt und Bürde des Regisseur, was den Aufwand garantiert nicht leichter machen wird. Gut, als Regisseur und Protagonist zugleich weiß er natürlich, wie er sein Bühnen-Ich optimal in Szene setzen muss, so gesehen hat er es dann doch etwas leichter als andere Darsteller, die sich anhand der Regie-Anweisungen Dritter orientieren müssen. Eine spannende Herausforderung bleibt es allemal.

Das Alter-Ego

„Herr Mettisch“ heißt sein Alter-Ego, das er im Herbst seinem Publikum präsentieren will. Die Geschichte um diesen „Messie mit Ordnungswahn“ ist bereits für sein Bühnenstück vorbereitet. So kann er nun in die heiße Phase der Vorbereitungen starten. In diesem Schauspiel geht es eben um einen Messie, der konsequent alles sammelt, systematisch katalogisiert und für die Nachwelt aufheben will. Aus seiner Perspektive ist es eine kleine heile Welt. Sein Leben könnte so weiter laufen, wenn da nicht sein Vermieter wäre, der für diesen Ordnungsfanatismus nur wenig Verständnis aufbringt und gar mit einer Räumungsklage droht...

Kleines Idyll

Und genau an diesem Punkt will Fabian Müller mit seiner Inszenierung ansetzen. Für einen Abend wird er die Kunstschule Bad Essen in das kleine Idyll eines Herrn Mettisch verwandeln und das Publikum daran teilhaben lassen. Bei dieser Gelegenheit wird er auch Amtshilfe von den Puppenspielern bekommen, die ihre Pupppenbühne dann ebenfalls zur Verfügung stellen werden. Die Intimität des Güterwagens wird sogar Bestandteil der Aufführung werden. Inmitten der Theaterfreunde wird Herr Mettisch im Waggon das Publikum an seinen Ängste und Befürchtungen partizipieren lassen. Immerhin glaubt die Bühnenfigur, dass sich in seiner Zuhörerschaft eben jene Möbelpacker befinden, die ihn aus seinem selbstgeschaffenem Paradies vertreiben wollen. Missverständnisse und Verwicklungen sind also vorprogrammiert.

Erlesene Schar

Das Bühnenprojekt wird auf alle Fälle eine spannende Premiere werden, schließlich wird im Herbst hier zum ersten Mal ein Schauspieler auf der Bühne stehen, der keine Puppe ist und von Hand gesteuert wird. Eine Gemeinsamkeit zwischen Theater und Puppenspiel gibt es dennoch: jede Aufführung bleibt einer erlesenen Schar von gut zwei Dutzend Theaterfreunden vorbehalten. Und doch, die Exklusivität ist nur der Umgebung geschuldet – der Güterwagen ist halt nicht so groß.