NOZ analysiert Preisdaten Günstig Tanken im Wittlager Land: Wir verraten wann und wo


cst/orf Altkreis Wittlage. Tanken ist teuer. Nicht nur für Pendler, Taxifahrer und Spediteure bedeutet die Fahrt zur Tankstelle einen Angriff auf das Portemonnaie. Trotzdem gibt es Tageszeiten, zu denen die Tankstellenpreise günstiger sind. Wir verraten in unserer Preisanalyse, wann und vor allem wo.

In Zusammenarbeit mit dem Software-Hersteller „bottledsoftware“ hat die Neue Osnabrücker Zeitung an 104 Tagen die Spritpreisänderungen im gesamten Verbreitungsgebiet analysiert. Vom Emsland über die Grafschaft und Bersenbrück ins Osnabrücker Land und bis nach Delmenhorst wurden 368367 Preisänderungen verzeichnet. Insgesamt 263 Tankstellen flossen in die Untersuchung, die sich auf die gängigsten Kraftstoffarten Super, E10 und Diesel bezieht, ein.

Lewin gewinnt Preisvergleich

Im Wittlager Land schont vor allem die Tankstelle Lewin an der Lindenstraße 117 in Bad Essen-Eielstädt den Geldbeutel. Beim Vergleich der Mittelwerte der Tagestiefstpreis für Superbenzin fällt auf: Lewin ist mit 1,378 Euro im Schnitt mindestens einen Cent günstiger als die anderen sechs Tankstellen in der Region. Die Tankstelle von Inhaber Stefan Lewin ist mit konzernunabhängiges Mineralölunternehmen Q1 in Osnabrück verbunden, wird aber als freie Tankstelle geführt. Q1 selbst ist an 180 Standorten in Nord- und Mitteldeutschland vertreten.

Die Calpam Tankstelle an der Hauptstraße in Schwagstorf folgt mit 1,383 Euro auf dem zweiten und die freie Tankstelle LBD-Venne am Venner Esch mit 1,384 Euro auf dem dritten Rang. Die Raiffeisen Tankstelle in Bad Essen-Wehrendorf (Im Felde 1) bleibt mit 1,389 Euro ebenfalls unter der 1,390 Marke. Die Esso Tankstelle in Bohmte (1,390 Euro) knackt die Marke jedoch schon. Die Schlusslichter des Preisvergleichs sind die Aral (1,407 Euro) und die Shell in Bad Essen (1,412 Euro).

Marken-Tankstellen am teuersten

Grundsätzlich bestätigt die NOZ-Preisanalyse den Eindruck, dass der Sprit an den Markentankstellen teurer ist, als etwa an Freien Tankstellen. Den vergleichsweise höchsten Preis im Verbreitungsgebiet der Neuen Osnabrücker Zeitung mussten Autofahrer demnach in Westerkappeln zahlen: Die Westfalen Tankstellen an der Brockbachstraße und an der Danebrocker Straße stellten mit 1,465 Euro den höchsten Durchschnittspreis aller 263 erfassten Tankstellen.

Empfehlenswert scheint daher eine Fahrt nach Hilter, wo mit der Teuto Tankstelle an der Bielefelder Straße der Testsieger steht. Hier kostete Benzin im Schnitt 1,359 Euro und damit elf Cent weniger als etwa bei den Schlusslichtern in Westerkappeln. Im Untersuchungsgebiet war die bft-Kette insgesamt die teuerste, gefolgt von den anderen Marken-Tankstellen AVIA, Shell, Aral, Esso und Westfalen. Bei JET und Star war der Sprit am günstigsten. Das Mittelfeld bilden Q1 und Raiffeisen.

Gibt es beim Benzin Qualitätsunterschiede? „Nein“, betont Stefan Lewin. Egal, ob freie Tankstelle oder Markentankstelle. „Die Tankwagen fahren alle in Lingen oder Gelsenkirchen vor und holen dort ihr Benzin“.

Beste Zeit zum Zapfen

Aber auch der Tankzeitpunkt ist entscheidend. Von den insgesamt 368367 Preisänderungen wurde knapp ein Drittel zwischen 8 und 12 Uhr vorgenommen. „Ruhige Phasen“ sind zwischen 0 und 4 sowie zwischen 16 und 20 Uhr. Die meisten Preisänderungen für alle drei Kraftstoffarten (3254 im Untersuchungszeitraum, also 31 pro Tag bzw. 10 pro Kraftstoffart und Tag) hat die Esso Tankstelle an der Klöcknerstraße in Georgsmarienhütte vorgenommen. Im Wittlager Land war die Shell Tankstelle mit 2581 Preisänderungen am aktivsten, die LBD-Tankstelle mit 1575 vergleichsweise inaktiv.

Generell sollten Autofahrer die Zeit zwischen 20 Uhr und 6 Uhr morgens meiden. In diesem Zeitraum ziehen die Tankstellen die Preise deutlich an. Am günstigsten ist die Uhrzeit von 14 bis 18 Uhr. Hier ist der Sprit um etwa fünf Cent günstiger als im Tagesmittel und sogar bis zu acht Cent günstiger als in den teuren Abendstunden. Für die beiden Kraftstoffarten Super (E10) und Diesel sind ähnliche Tendenzen erkennbar. Einen günstigen Wochentag zum Tanken gibt es nicht mehr. Zwar sind die Preise am Montag und Samstag durchschnittlich am günstigsten; sie unterscheiden sich allerdings nur um knapp zwei Cent zu den teuersten Tagen Mittwoch und Donnerstag. Im Wittlager Land weist der Samstag den günstigsten Mittelwert auf. Die Zeit zwischen 19 und 20 Uhr ist hierzulande mit Abstand die günstigste.

Transparenzstelle

Dem Verbraucher helfen sollte wie berichtet die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe. Dieser müssen Tankstellenbetreiber seit knapp zwei Jahren Preisänderungen beim Sprit sofort melden. Über Verbraucherinformationsdienste – also zum Beispiel eine App auf dem Smartphone – können Bürger abrufen, wie sich der Benzinpreis verändert hat. Hat sich damit etwas geändert? Die Skepsis bei den Wittlager Tankstellenbetreibern im Jahr 2013 war groß. Und dieser Eindruck hat sich bestätigt. Über das Projekt rede niemand mehr, merkt Stefan Lewin an. Kunden können die aktuellen Preise abrufen, mehr aber auch nicht. Das Tankverhalten hat sich seit dem Spätsommer 2013 zumindest nicht verändert.


Woher stammen die Daten?

Die NOZ-Preisanalyse basiert im Grunde auf den Daten der neuen Markttransparenzstelle für Kraftstoffe. Diese ermöglicht den Verbrauchern, sich über die aktuellen Kraftstoffpreise in Deutschland zu informieren. App-Anbieter für Smartphones und Tablets oder Spritpreis-Vergleichsportale machen sich dies zunutze. Mit den Programmen lassen sich die Preise einfach vergleichen. Zudem erfährt der Nutzer, wo der Sprit aktuell am günstigsten ist. Florian Reinhart arbeitet bei bottledsoftware, einem Software-Hersteller, der unter anderem eine solche Spritpreis-Vergleichs-App programmierte. Er stellte der NOZ die Daten zur Verfügung. Marktforscher Tobias Zitzke übernahm die Auswertung. In der Auswertung wurden nur solche Tankstellen berücksichtigt, für die an mindestens 99 der insgesamt 104 Tage des Erhebungszeitraumes vom 1. Oktober 2014 bis 12. Januar 2015 Preisangaben für den Kraftstoff Super(E5) vorliegen, um Verzerrungen durch unterschiedliche Öffnungszeiten, insbesondere an Sonn- und Feiertagen, zu vermeiden. Dies gilt für 75% (198) der insgesamt 263 Tankstellen.