Ostercappeln und Bohmte folgen Freies WLAN in Bad Essen funkt seit drei Wochen

Freuen sich über den Start des Pilotprojektes „BOB-Wlan“: (v.l.) Carolin Bruns (BOB), Saskia Scholz (Jugendpflegerin), Marco Beckmann (BOB), Bürgermeister Timo Natemeyer, Michael Reschke (EDV-Beauftragter Bad Essen), Jugendarbeiter Nils Bollhorn und Julian Theel. Foto: Christian StröhlFreuen sich über den Start des Pilotprojektes „BOB-Wlan“: (v.l.) Carolin Bruns (BOB), Saskia Scholz (Jugendpflegerin), Marco Beckmann (BOB), Bürgermeister Timo Natemeyer, Michael Reschke (EDV-Beauftragter Bad Essen), Jugendarbeiter Nils Bollhorn und Julian Theel. Foto: Christian Ströhl

Bad Essen. Freier Internetzugang für alle: Was gerade im ländlichen Raum wie ein verwegener Wunsch klingen mag, ist in Bad Essen seit drei Wochen Realität. Vom Rathaus und vom Jugendzentrum Trio funken zwei frei zugängliche WLAN-Netze. Noch in diesem Jahr sollen Ostercappeln und Bohmte folgen.

„Auf verbinden klicken und rein ins Internet“: So einfach soll es sein, findet IT-Techniker Julian Theel aus Hunteburg. Auf seiner Internetseite free-hunteburg.de erklärt er: „Jeder kennt es: Gerade auf einem geilen Festival, schon ist das Handynetz weg. Schon blöd, wenn man gerade seinem besten Kumpel oder Freundin mitteilen möchte, wie geil es dort denn ist.“ Seit 2014 baut er deshalb feste sowie mobile Netze in seinem Wohnort auf, „um kreative Freiheit für jedermann zu ermöglichen.“

Die Bad Essener Jugendpfleger wurden aufmerksam auf Theels Aktion. Gemeinsam mit den Mitarbeitern von BOB, (Abkürzung aus Bad Essen, Ostercappeln und Bohmte), einem Modellvorhaben, bei dem sich Jugendliche aus der Region interkommunal zusammengeschlossen und kreative Ideen entwickelt haben, übertrugen sie Theels Konzept mit dessen Hilfe auf Bad Essen. Das Ziel: vor allem den Jugendlichen in der Stadt einen kostenlosen Internetzugang zu ermöglichen.

Gesprächsthema bei Jugendlichen

Der ehemalige Jugendpfleger Nils Bollhorn freut sich: „Das Netz funkt schon seit drei Wochen.“ Seine Nachfolgerin Saskia Scholz ergänzt: „Das kostenlose WLAN ist schon Gesprächsthema im Jugendtreff – die Kids finden es super.“ Einzig die Skater seien traurig, denn bei ihnen käme das Netz nicht an. Einige würden sich auch an der mäßigen Geschwindigkeit stören.

„Vom Rathaus senden wir mit 55 Mbit pro Sekunde“, sagt der EDV-Beauftragte der Gemeinde Bad Essen, Michael Reschke. Vom Jugendzentrum Trio seien es immerhin noch 16 Mbit. Die Jugendlichen könnten im Radius von 300 Metern um die Antennen zumindest problemlos WhatsApp nutzen, Surfen und Youtube-Videos schauen, sagt Reschke. Befänden sich allerdings viele Nutzer in den WLAN-Netzen, leide auch die Geschwindigkeit darunter, gesteht er ein.

Schulwege „voll abgedeckt“

Trotz alledem würden die kostenlosen Internetzugänge rege genutzt. So sei etwa der Schulweg der Oberschüler „voll abgedeckt“, sagt Reschke. Auch an der Bushaltestelle Niedersachsenstraße, der Grundschule und am Schulhof des Gymnasiums könne das „BOB-WLAN“ empfangen werden.

Finanziert wird die Aktion zum einen über Projektmittel des Bundesinstituts für Bau-, Raum und Stadtforschung und zum anderen von der Gemeinde Bad Essen. Letztere übernahm die Kosten für die Hardware und den Einbau. Auch den Internetzugang zahlt die Kommune selbst. Bürgermeister Timo Natemeyer unterstützt das Projekt „aus Überzeugung“. Er erhofft sich aus der Aktion zudem „Mitnahmeeffekte für Ziele im Bereich des Tourismus“. Denn für viele Menschen gehöre es mittlerweile zur „Lebensqualität, mit der Welt vernetzt zu sein“. Diese Qualität wolle man auch den Tagestouristen und Gästen bieten.

In Ostercappeln und Bohmte sollen kostenlose Internetzugänge nach dem Bad Essener Vorbild noch in diesem Jahr verwirklicht werden, sagt Bollhorn.


Rechtliche Grauzone

Der Internetzugang „BOB-WLAN“ ist kostenlos, erfolgt ohne Anmeldung und Registrierung. Es ist für jeden, der eine entsprechende Hardware (Smartphone, Tablet, Laptop) besitzt, im Funkbereich frei zugänglich. Im rechtlichen Bereich bewegt es sich derzeit noch in einer „Grauzone“, sagt der ehemalige Jugendpfleger Nils Bollhorn. Wichtig ist: Der Täter – also etwa jemand, der über das Netz illegale Downloads tätigt – ist strafbar. Laut Bollhorn seien etwa Unterlassungsklagen möglich. „Im allergrößten Zweifel würden wir dann den Stecker ziehen“, sagt er. Die Erfahrung im Bereich Freifunk zeige aber: solche Klagen seien fast ausgeschlossen. Zumal die Bundesregierung auch das freie WLAN ausbauen und vor allem die Anbieter per Gesetz stärken will. Ein entsprechender Gesetzesentwurf wurde bereits im März dieses Jahres vorgelegt.

Wer sich selbst an der Freifunk-Initiative für seinen Ort beteiligen möchte, findet auf der Seite der Medienanstalt Berlin-Brandenburg eine ausführliche Broschüre.

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