Innovatives Projekt Mobbing-Präventionstage am Gymnasium Bad Essen


Bad Essen. Ist es nur ein Streit unter Mitschülern oder wird da einer gemobbt? Und wenn es Mobbing ist: Wie verhalte ich mich als Opfer, als Zuschauer? Oder aber: Wie gelingt mir der Ausstieg aus meiner Rolle als Mitläufer oder gar Täter? Antworten auf diese Fragen entwickelten Schüler des Gymnasiums Bad Essen in einem innovativen Projekt.

Das Mädchen hockt gebeugt am Boden, einige Mitschüler bedrohen es mit Fäusten und Füßen oder zeigen verächtlich mit den Fingern auf die hilflose Person, andere verfolgen das Geschehen, wieder andere wenden sich ab – einige jedoch suchen Hilfe bei der Lehrerin. Die Szene ist gespielt, sie ist eine Übung innerhalb der Mobbing-Präventionstage, die das Gymnasium jetzt erstmals in den sechsten Klassen durchgeführt hat.

Dabei hat es am GBE keinerlei konkreten Bedarf gegeben, wie die beteiligten Lehrkräfte versichern. Wenn es jedoch in Schulen zu Mobbing-Fällen komme, dann zumeist in den Klassen sieben und acht, weshalb man sich am GBE dafür entschieden hat, das Präventionsprojekt in den sechsten Klassen durchzuführen, „und weil wir das soziale Lernen als wichtigen Teil unseres Bildungsauftrages verstehen“, erklärt GBE-Schulleiterin Sylvia Schlie.

Zur Umsetzung haben seit Ende 2013 vier Lehrer des Gymnasiums an einer umfangreichen Fortbildung der Landesschulbehörde als Multiplikatoren zur Bildung eines Mobbing-Interventionsteams teilgenommen. Dieses Team soll in Zukunft sowohl Schülern als auch Kollegen bei der Lösung akuter Problemsituationen Unterstützung bieten.

Damit es aber erst gar nicht so weit kommt, werden im Präventionsprojekt die Sechstklässler für die Besonderheiten von Mobbing-Situationen sensibilisiert. Grafisch haben sie positive und negative Einflüsse auf die Klassengemeinschaft dargestellt: Das Positive, wie Vertrauen und Hilfe, steht in einem großen Herz, das Negative, dazu gehört auch Mobbing, steht außerhalb dieses Herzens, das übrigens auch nach den Projekttagen im Klassenzimmer neben den Klassenregeln hängen wird. Außerdem haben die Schüler gelernt, beispielhafte Handlungsoptionen zu entwickeln. So etwa bei den Standbildern, bei denen eine Gruppe eine Mobbing-Situation nachstellt. Die anderen Schüler sollen erkennen, wer sich in welcher Rolle – Opfer, Täter, Mitläufer, Zuschauer – befindet, während die Darsteller beschreiben, wie sie sich in ihrer jeweiligen Rolle gefühlt haben.

Das Projekt setzt somit ganz entscheidend auf Selbsterfahrung. „Die Schüler erarbeiten sich die Problemlösung weniger kognitiv, sondern mehr über ihr Gefühl“, erläutert Lehrer Uwe Herms, der dem Projektteam angehört. Durch Spiele und Übungen würden abstrakte Begriffe erlebbar. Durch die Beschreibung ihrer Gefühle wiederum lernten die Schüler, diese, aber auch die gesamte Problemsituation differenzierter zu betrachten.

„Ich habe mich ganz klein und hilflos gefühlt“, beschreibt das Opfer. „Ich war unsicher: Sie könnten ja auch auf mich losgehen“, sagt der Mitläufer. „Ich mochte da nicht mit hineingezogen werden“, befürchtet der Zuschauer. Und: „Ich kam mir cool, aber auch ein bisschen blöd vor“, lautet die Erkenntnis des Täters.So schwer, wie es den Schülern doch noch fällt, ihre Gefühle auszudrücken, so schnell kommen ihnen Ideen, wie denn die Mobbing-Situation beendet werden kann. Eigentlich ganz einfach: „Die Zuschauer müssen dem Opfer beistehen und es trösten!“


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