Regelmäßige Treffen Austausch in der MS-Kontaktgruppe Bad Essen

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Treffen sich regelmäßig zum Gedanken- und Erfahrungsaustausch im Aktivita-Gesundheitszentrum: die Mitglieder der MS-Kontaktgruppe Foto: Kerstin BalksTreffen sich regelmäßig zum Gedanken- und Erfahrungsaustausch im Aktivita-Gesundheitszentrum: die Mitglieder der MS-Kontaktgruppe Foto: Kerstin Balks

Bad Essen. .Multiple Sklerose, kurz: MS, ist eine Krankheit, die mit vielfältigsten Symptomen einhergeht. Im Aktivita-Gesundheitszentrum kommen einmal monatlich Betroffene in der MS-Kontaktgruppe zusammen.

Die einen suchen sehr bald nach der Diagnosestellung Verbindung zu einer Selbsthilfegruppe, andere benötigen etwas länger. Gleich zwei Betroffene in der Bad Essener MS-Kontaktgruppe haben ganze 17 Jahre gewartet, mit dem Kontakt zur Kontaktgruppe. „Das hat auch ein bisschen damit zu tun, inwieweit man sich der Krankheit stellt“, sagt eine von ihnen. „Zudem wurde früher von vielen Ärzten der Befund auch nicht klar kommuniziert“, weiß Rainer Leis. Er hat die Bad Essener Gruppe 2006 ins Leben gerufen und erklärt: „Früher war man sehr vorsichtig, die Diagnose mitzuteilen, denn die Aufregung darüber kann beim Patienten durchaus einen Schub verursachen. Nicht selten kam es auch zu Selbstmordversuchen.“ „Wenn man MS hört, denkt man ja auch sofort an Rollstuhl“, bestätigt Karin Beeke, die bereits viele Jahre mit der Erkrankung lebt und inzwischen sehr gut weiß, was ihr guttut und was sie als MS-Patientin überhaupt nicht verträgt. So können die meisten der Betroffenen Hitze nicht gut vertragen, „die Sitzheizung im Auto ist ganz schlimm“, heißt es unisono. Erstaunlich für Nicht-Betroffene, da doch gerade Wärme allgemein als wohltuend empfunden wird. Aber das macht ja gerade eine Selbsthilfegruppe aus: Man weiß ziemlich genau, was die anderen Betroffenen meinen.

Für die meisten der Anwesenden ist es wichtig, in Bewegung zu bleiben. „Bewegung ist ja sowieso gesund, und für uns umso mehr“, sagt Rainer Leis und drei der Damen aus der Kontaktgruppe lassen dem guten Vorsatz auch regelmäßig Taten folgen: Sie sind begeisterte Hundebesitzerinnen und treffen sich zu gemeinsamen Spaziergängen. „Durch die Hunde müssen wir raus – bei Wind und Wetter“, sagt Margarete Blum.

Erschöpfungssyndrom

Allerdings, die Betroffenen wissen es nur zu gut, ist die Kondition eines MS-Kranken im Allgemeinen nicht mit der eines gesunden Menschen zu vergleichen. „Viele von uns leiden unter einer Fatigue, einem massiven Erschöpfungssyndrom, weshalb nur kleinere Spaziergänge möglich sind“, erklärt Rainer Leis und ergänzt: „Wir sehen nicht krank aus. Was einerseits natürlich erfreulich ist, führt allerdings auch häufig dazu, dass uns unsere Beschwerden nicht geglaubt werden.“ Das ist spätestens dann ein Thema, wenn es um Barrierefreiheit geht. In diesem Zusammenhang bemängelt die Selbsthilfegruppe besonders die Parkplatzsituation in Bad Essen. „Gerade an der Lindenstraße fehlt es an Parkmöglichkeiten, die für Gehbehinderte gut zugänglich sind – selbst an den dortigen Apotheken und Praxen“, lautet der Tenor. Das Büro des Bürgermeisters und das Sozialamt im Rathaus seien nur über Treppen zu erreichen.

Innerhalb der Gruppe informiert Monika Hellmann über die sozialen Aspekte der Erkrankung und welche Rechte die Betroffenen haben. Sie ist als Sozialarbeiterin an der Beratungsstelle der MS-Kontaktgruppe Stadt und Landkreis Osnabrück an der Magdalenenstraße 33 in Osnabrück tätig.

Aus dieser Kontaktgruppe heraus hat sich auch vor mehr als acht Jahren die Gruppe in Bad Essen gegründet, zu deren Treffen regelmäßig zehn bis 15 Teilnehmer kommen – aus dem Altkreis Wittlage, aber auch aus angrenzenden Gemeinden und aus dem Kreis Minden-Lübbecke.

Erfahrungen austauschen

Bei den Treffen geht es, wie gesagt, um soziale Themen, aber auch um Erfahrungsaustausch – auch was die Therapie angeht. „Früher“, so Rainer Leis, „gab es vielleicht vier Medikationen, heute ist es mehr als ein Dutzend.“ Medizinische Aspekte stehen regelmäßig im Mittelpunkt eines Symposiums, das die MS-Kontaktgruppe Stadt und Landkreis Osnabrück einmal jährlich in Zusammenarbeit mit dem Klinikum Osnabrück durchführt. In diesem Jahr findet die Veranstaltung übrigens am Mittwoch, 6. Mai, im ehemaligen Telekom-Gebäude an der Hannoverschen Straße statt.


Multiple Sklerose

Die Deutsche Multiple-Sklerose-Gesellschaft beschreibt die Erkrankung als „eine entzündliche Erkrankung des Nervensystems, die ganz unterschiedlich verlaufen kann und meist im frühen Erwachsenenalter beginnt.

Das Gehirn stellt eine Art Schaltzentrale dar, in der Signale über das Rückenmark zum Körper gesendet oder von dort empfangen werden; diese werden von verschiedenen Nervenfasern geleitet, die ähnlich wie elektrische Kabel von einer Schutz- bzw. Isolierschicht umgeben sind. Diese Schutzschicht besteht aus einem Stoff, der Myelin genannt wird. Entsteht ein Entzündungsherd im Bereich dieser Schutzschicht, können die Botschaften nicht so wirkungsvoll übertragen werden: MS-Erkrankte können dann zum Beispiel Kribbelmissempfindungen verspüren, vermehrt stolpern oder Schwierigkeiten beim Sehen bekommen. Die Ursache der MS ist noch nicht geklärt.

Man nimmt an, dass der MS ein ganzes Ursachenbündel zugrunde liegt. Das Abwehrsystem des Körpers, das Immunsystem, spielt dabei eine zentrale Rolle. Das Immunsystem schützt vor Krankheitserregern, indem es diese unschädlich macht, wenn sie in den Körper eindringen. Bei der MS ist ein Teilbereich dieses Abwehrmechanismus falsch programmiert, das heißt, er richtet sich gegen den eigenen gesunden Körper.“

Weitere Informationen auch auf der Seite der Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft .

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