Küsterin in Bad Essen Wächterin behält alles rund um St. Nikolai im Auge

Zum Küsterdienst gehört auch das Anzünden der Kerzen auf dem Adventskranz. Foto: Rainer WestendorfZum Küsterdienst gehört auch das Anzünden der Kerzen auf dem Adventskranz. Foto: Rainer Westendorf

Bad Essen. „Ich muss alles im Auge behalten“, so beschreibt Annedore Möhlmeyer ihre Aufgaben. Sie ist die Küsterin der Kirchengemeinde St. Nikolai Bad Essen. Der Küster beziehungsweise die Küsterin ist viel mehr als eine Art Hausmeister. Was sich übrigens schon aus dem Namen herleitet. Küster kommt vom lateinischen „custos“ – was so viel wie Wächter bedeutet.

Annedore Möhlmeyer hat die Aufgabe Anfang 2014 von Christine Welzel übernommen. Als Küsterin ist sie in Teilzeit bei der Kirchengemeinde beschäftigt. Beworben hat sie sich nicht um diesen Job. Ein Mitglied des Kirchenvorstands hat Annedore Möhlmeyer gefragt, ob sie nicht Lust hätte, diese Arbeit zu übernehmen. Natürlich ist sie schon seit Langem in der Kirchengemeinde aktiv und gehört zu den regelmäßigen Gottesdienstbesuchern. Eine völlig Unbekannte hat der Vorstand also nicht eingestellt.

Und eine ungefähre Vorstellung von der Arbeit, die sie erledigen muss, hatte das Gemeindemitglied vom Essener Berg schon. „Was genau auf mich zukommt, das hat sich aber erst im Lauf der Zeit herausgestellt.“

Rund um Weihnachten und Neujahr ist immer besonders viel zu tun. Zur Küstertätigkeit gehört unter anderem das Auf- und Zuschließen der Kirche vor und nach den Gottesdiensten. An den Festtagen werden natürlich mehr Gottesdienste als sonst üblich gefeiert. Aber auch kurz vor Weihnachten, wenn Schulen und Kindergärten aus Bad Essen in die Kirche kommen.

Die Küsterin sorgt für Licht in der Kirche, kümmert sich um den Weihnachtsbaum, die Krippe und steckt die Kerzen auf dem Adventskranz an. Echte Kerzen – keine Glühbirnen – sorgen für adventlichen Glanz in St. Nikolai.

Ein wichtiger Job, gerade im Winter: Die Küsterin kümmert sich darum, dass die Heizungsanlage arbeitet, wenn diese gebraucht wird. Gerade die Technik braucht einen „custos“. „Ich muss auch die Glocken programmieren…“ Küsteraufgabe ist es, die Glocken zu betätigen. Das geschieht heutzutage mittels Knopfdruck. In einem kleinen Nebenraum in St. Nikolai hängt ein Schaltkasten für diesen Zweck. Wann und wie lange die Glocken von St. Nikolai jeweils erklingen, das ist in der Läuteordnung der Kirchengemeinde genau geregelt. Das Glockengeläut lädt unter anderem zum Gottesdienst ein, zu Hochzeiten und Beerdigungen. Auch am Vortag einer Beerdigung läuten die Glocken ebenfalls. Annedore Möhlmeyer ist auch Ansprechpartnerin bei Hochzeiten und Ehejubiläen im Vorfeld der Gottesdienste. Diese werden in der Regel ja festlich gestaltet. Und da gibt es, was das Ausschmücken des Gotteshauses betrifft, meistens einiges abzustimmen. Rund 25 Trauungen im Jahr werden in der St.-Nikolai-Kirche vollzogen. Hinzu kommen Silber-, Gold, Diamanthochzeiten und andere Ehejubiläen. Bislang musste die Küsterin eine Aufgabe, die ebenfalls zu ihren Pflichten zählt, kaum erledigen: den Winterdienst. Der Winter 2014 ist ja mehr oder weniger ausgefallen, und da war es zum Glück nicht notwendig, auf dem Kirchplatz vor St. Nikolai Schnee zu räumen und Salz beziehungsweise Sand zu streuen.

Bei dieser Arbeit wie auch beim Rasenmähen kann Annedore Möhlmeyer zum Glück auf einen treuen Helfer zurückgreifen; Ehemann Jürgen packt mit an, wenn es nötig ist. Auch auf die Heizungsanlage hat er den „Küsterblick“….

„Küster ist kein Lehrberuf“, berichtet die Mutter zweier erwachsener Kinder. Die Landeskirche bietet aber Kurse für Interessierte an. Solch einen zehntägigen Lehrgang im Michaelis-Kloster in Hannover hat Annedore Möhlmeyer besucht. „Das war eine tolle Zeit“, berichtet sie. Die Teilnehmer lernen viel, können sich mit Berufskollegen aus anderen Kirchengemeinden austauschen – natürlich nicht nur über den Job des Küsters. Den Kurs geleitet hat Rüdiger Busch. Er ist gemeinsam mit Jens-Peter Kruse Herausgeber des „Handbuchs für den Küster- und Messnerdienst“. Messner, so werden die Küster im süddeutschen Raum bezeichnet.

Das Handbuch beschreibt umfassend, welche Aufgaben der Küster einer Kirchengemeinde hat. Und es vermittelt darüber hinaus Basiswissen über Liturgie und Abläufe in den Gemeinden. Wie ist das Kirchenjahr gegliedert? Welche verschiedenen Gottesdienstformen gibt es? Woher kommt eigentlich der Klingelbeutel? Diese und viele andere Fragen werden beantwortet. Gaben der Gemeindemitglieder wurden schon in frühester Zeit eingesammelt. Den Klingelbeutel „erfunden“ hat Johannes Bugenhagen, der Mitarbeiter und Gefolgsmann Martin Luthers war. Er hat durch die Braunschweiger Kirchenordnung im 16. Jahrhundert den Klingelbeutel als ständige Einrichtung in den Gottesdiensten eingeführt…


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