Trio Kolorit zu Gast im Schafstall Literarische Hommage an Hermann Hesse in Bad Essen

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Bad Essen. „Heute steht der unvergessene deutsche Schriftsteller und Nobelpreisträger Hermann Hesse auf unserem Programm. Fast jeder kennt seine großen Werke „Der Steppenwolf“, „Siddartha“ oder „Das Glasperlenspiel“. Wir sind alle gespannt darauf, uns diesem großen Dichter noch einmal ganz anders zu nähern – nämlich mit dem Ensemble Kolorit“, erklärte Beatrice le Coutre-Bick, Leiterin des Literaturbüros Westniedersachsen Osnabrück, als sie die Besucher im gut gefüllten Schafstall zum zweiten Abend der Literatur- und Musiktage Bad Essen begrüßte.

Seit 1996 leitet die Sängerin und Theaterpädagogin Rotraud Denecke aus Zeitz in Sachsen-Anhalt das international bekannte Musiktheaterensemble „Kolorit“. Der Pianist Thomas Volk, der als Dirigent bei Musicals wie „Miss Saigon“, „Die Schöne und das Biest“ oder „Cats“ tätig war, ist Gründungsmitglied und musikalischer Leiter des Ensembles. Seit 2007 gehört auch Alexander Fabisch dazu, der als Schauspieler und Musiker bereits für verschiedene Ensembles gearbeitet hat. Unter dem Titel „Jahreszeiten – Zeitenjahre“ bot „Kolorit“ in Bad Essen eine literarisch-musikalische Hommage an Hermann Hesse .

Mit Hesses Gedicht „Flötenspiel“, das Alexander Fabisch rezitierte und zu dem Thomas Volk „The Little Shepherd“ von Claude Debussy auf dem Flügel interpretierte, wurde das Programm eröffnet. Anschließend folgten Frühlingsgedichte Hesses. Die Jahreszeit inspirierte Hermann Hesse zu einer Vielzahl an Gedichten und Betrachtungen, in denen er über den Zauber und die Aura des Frühlings sinnierte.

Hermann Hesse war ein Kind voller Fantasie und hatte ein ausdrucksstarkes Temperament. Schon früh machte sich sein Talent bemerkbar, denn ihm mangelte es nie an Gedicht-Ideen.

Abwechselnd trugen Rotraud Denecke und Alexander Fabisch gemäß dem Motto „Jahreszeiten – Zeitenjahre“ Hesses Gedanken zur Kindheit, das Gedicht „Traum“ und die Geschichte „Das erste Abenteuer“ vor. Eine Erzählung, in der der Schriftsteller als 18-Jähriger fast von einer feinen Dame verführt worden wäre. Exzellent passend, schloss sich „Einsamkeit ist Unabhängigkeit“ aus dem „Steppenwolf“ sowie „Glück“ an.

„Sehr anspruchsvoll“, „Tiefsinnig“ oder „Mal ein ganz anderer Abend“, schwärmten einige Besucher in der Pause. Mit Beginn des zweiten Teils waren das Ensemble und das Publikum mitten im Sommer angekommen: „Julikinder“ schrieb Hesse im Mai 1904. Dazu passte auch „Sieh diese Wolkenlandschaft mit diesen Himmelsstreifen…“ aus dem Roman „Glasperlenspiel“. Mit großer Intensität spürten Denecke und Fabisch auch der Jugend und dem Alter nach. Mit dem „Gang im Spätherbst“ und Weihnachten neigte sich das Jahr schließlich dem Ende entgegen.

Im Verlauf der „Jahreszeiten – Zeitenjahre“ und der dazu vortrefflich passenden musikalischen Überleitung des Pianisten Thomas Volk, mit Werken von Bartok, Barber, Satie oder Debussy bot das gut aufeinander eingestimmte Ensemble „Kolorit“ ein stimmungsvolles Geflecht von Texten und Klavierwerken, begeisterte mit großer Präsenz auf der Bühne und malte ein facettenreiches, vielschichtiges Bild Hermann Hesses.


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