Kunstprojekt Bad Essener Gymnasiasten gestalten Friedensmahnmal

Meine Nachrichten

Um das Thema Bad Essen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Bad Essen. Massives Eichenholz aus dem Elsass, das während des Ersten Weltkrieges erbittert umkämpft war: Das ist das Material für die Friedenszeichen, die der Osnabrücker Künstler Volker-Johannes Trieb setzt. Das Holz trägt heute noch die Narben der zahlreichen Geschosse, die damals in die Bäume einschlugen. Dieses Holz hat etwas zu erzählen, sagt Volker-Johannes Trieb.

Für sein Projekt „Damals nicht – jetzt nicht – niemals“ hat er aus diesem Holz 32 Stelen gestaltet, die er an verschiedenen Orten in Osnabrück aufgestellt hat. Sieben weitere Stelen – jede etwa 2,60 Meter hoch – hat er unter dem Motto „Schüler gestalten (für) den Frieden“ von verschiedenen Osnabrücker Schulen bearbeiten lassen. Auch das Gymnasium Bad Essen hat sich an dieser Kunstaktion beteiligt. Die fertige Stele wurde jetzt verladen und zum Museum und Park Kalkriese gebracht.

Eine lange Vorbereitungszeit habe die Schule zwar nicht gehabt, erzählt Lehrerin Anke Vogt, die mit ihren Kolleginnen Katrin Schulze und Thekla Seiters das Projekt betreut hat. Umso größer sei aber die Motivation bei allen Beteiligten gewesen. Insgesamt 13 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 10 beschäftigten sich in ihrer Freizeit intensiv mit dem Thema Erster Weltkrieg und dessen künstlerischer Umsetzung.

„Geschichte und Kunst: Das interessiert mich beides sehr“, beschreibt Zwanette Ellermann den Grund für ihr Engagement. Elisabeth Appelhans, Phyllis Eimke, Kristina Remezov, Marie Klostermann, Jennifer Olschewski, Büsra Kocabas, Till Oevermann, Julien Thebing, Fabienne Garbe, Lenja Sommerfeld, Amelie Kroll und Desiree Chow geht es ähnlich. In Kleingruppen gestalteten sie insgesamt sieben Schaukästen aus Eichenholz, die an der Stele angebracht wurden und in denen unterschiedliche Aspekte des Krieges aufgegriffen wurden: Das Ende des Friedens – symbolisiert durch eine blutverschmierte, erhängte Friedenstaube. Das Leben an der Front und an der Heimatfront – veranschaulicht durch Fotos und ein Stück Stacheldraht. Die Trennung der Soldaten von ihren Familien – Fragmente von Feldpostbriefen.

Einer der sieben Schaukästen blieb leer, bis auf ein Blatt Papier mit der blutroten Aufschrift „Und heute?“. Die Schüler und Schülerinnen forderten damit ausdrücklich dazu auf, es nicht beim bloßen Erinnern an Vergangenes bewenden zu lassen. „Man denkt, das ist alles so weit weg. Aber dann hört man in den Medien vom Krieg, und plötzlich ist alles wieder ganz nah“, sagt Marie Klostermann.

Volker-Johannes Trieb, der Initiator der Kunstaktion, hatte den Schülern bei der Gestaltung der Stele völlig freie Hand gelassen. Umso neugieriger war er nun auf das Ergebnis. Bevor er bei der Verladung selbst mit Hand anlegte, ließ er sich von den Jugendlichen noch einmal genau erklären, was ihnen besonders wichtig war und was sie mit ihrem Schaukasten ausdrücken wollten.

Dann ging das neue Friedenszeichen auf Reisen – zuerst nach Kalkriese, wo im Frühjahr alle sieben Stelen im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung präsentiert werden sollen. 2018 werden sie dann auf dem Gelände der Landesgartenschau in Bad Iburg einen „Raum der Stille“ markieren und kehren danach wieder an ihren Gestaltungsort zurück.


„Damals nicht – jetzt nicht – niemals“: Dieses Zitat der holländischen Bildhauerin und Widerstandskämpferin Truus Menger hat Volker-Johannes Trieb ganz bewusst als Überschrift über sein Mahnmal zum Gedenken an den Ausbruch des Ersten Weltkriegs gestellt.

Denn es geht ihm nicht allein um die Vergangenheit: „Es geht auch um die Gegenwart und die Zukunft. Der Krieg stellt sich heute anders dar als damals. Er spielt sich an den europäischen Grenzen, in Syrien und überall dort ab, wo Adler, KiK und andere systematische Ausbeutung betreiben. Solange wir unseren Luxus auf dem Leid anderer bauen, herrscht Krieg. Und wir wundern uns, dass es Flüchtlinge gibt und regen uns über Wirtschaftsflüchtlinge auf!“

Lässt sich denn mit Kunst überhaupt etwas bewirken? Trieb macht diese Frage zornig: „Was ist die Alternative – nichts zu tun? Natürlich ist es ein Kampf gegen Windmühlen. Aber steter Tropfen höhlt den Stein. Kunst muss nachdenklich machen. Kunst, die nur schön sein will, ist nichts anderes als Design.“

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN