Abriss wohl unumgänglich Altes Pfarrhaus Pr. Oldendorf hat keine Zukunft

Das alte Pfarrhaus in Pr. Oldendorf an der B 65 wird wohl abgerissen. Eine Sanierung wäre zu teuer. Foto: Ilka GülkerDas alte Pfarrhaus in Pr. Oldendorf an der B 65 wird wohl abgerissen. Eine Sanierung wäre zu teuer. Foto: Ilka Gülker

Pr. Oldendorf. Spätestens seit der öffentlichen Gemeindeversammlung vor einigen Tagen ist bekannt, dass ein Abriss des alten Pfarrhauses im Stadtkern von Pr. Oldendorf unumgänglich ist.

Diese Nachricht schmerzt nicht nur viele Pr. Oldendorfer, für die das efeuberankte Gebäude seit Generationen fester Bestandteil des Stadtbildes ist. Pfarrerin Antje Kastens und Pfarrer Christoph Kriebel bemühten sich lange Zeit gemeinsam mit weiteren Involvierten darum, eine Lösung zu finden, die eine Erhaltung des Pfarrhauses ermöglicht hätte. Aus finanziellen Gründen sehen sich die Verantwortlichen nun gezwungen, von diesen Plänen Abstand zu nehmen.

Aus der Bevölkerung werden Vorwürfe laut, das Gebäude habe keine ausreichende Zuwendung erfahren, sodass ein Zerfall billigend in Kauf genommen worden sei. Tatsächlich aber habe die Kirchengemeinde jährlich Beträge im vierstelligen Bereich investiert, um das Gebäude zu erhalten, betont Antje Kastens.

Dass das Pfarrhaus nicht länger tragbar ist, liegt zum einen an den Kosten in Höhe von 600000 Euro, die eine Sanierung voraussichtlich verschlingen würde, sowie zum anderen an der Tatsache, dass es nach mehrmaligen Umbaumaßnahmen in der Vergangenheit von mehreren unabhängigen Stellen für nicht denkmalwürdig befunden wurde. Die Landeskirche gibt außerdem klare Strukturmaßnahmen vor, die unter anderem eine Abstoßung nicht optimal nutzbarer Gebäude vorsehen.

Ein Liebhaberobjekt

Darüber hinaus eignet sich die Aufteilung der Räumlichkeiten nicht für die hoch frequentierte Nutzung, der das Haus an bestimmten Tagen standhalten muss. Auch nach erheblichen finanziellen Investitionen und großem Arbeitsaufwand wäre es für die vorgesehenen Zwecke nicht weiter nutzbar. „Es wäre ein Liebhaberobjekt“, muss man sich seitens der Kirchengemeinde eingestehen. „Auch wir haben angemessen um das Objekt getrauert“, versichert Antje Kastens.

Ebenfalls in Betracht gezogen wurde die Möglichkeit, das Gebäude abzureißen und an gleicher Stelle einen barrierefreien Neubau zu errichten, der alle Anforderungen an Brandschutz, Sicherheit und Funktionalität erfüllt. Die Kosten für dieses Projekt hätten sich in gleichem Rahmen bewegt und wären im Vergleich zu anderen Gemeinden überproportioniert gewesen, sodass Kirchenkreis und Landeskirche eine Finanzierung ablehnten. Stattdessen wurden Pläne bezüglich einer Erweiterung des bereits bestehenden Gemeindehauses durch einen Anbau an der Ostgiebelseite von allen Seiten begrüßt und als maßvoll betrachtet. Die entstehenden Kosten werden sich laut dem Bauausschuss des Kirchenamtes auf rund 250000 Euro belaufen. Die Rückmeldungen diesbezüglich fielen insgesamt positiv aus.

Das Erstellen der Baupläne wurde in die Hände der Architektin Christel Woltmann gegeben, deren Vater im Jahr 1994 das Gemeindehaus in seiner aktuellen Form plante. Auf diese Weise wurde der Ideenschutz berücksichtigt und ein Interessenkonflikt umgangen. Mit der vorherigen Begutachtung des alten Pfarrhauses war ganz bewusst ein anderes unabhängiges Architekturbüro beauftragt worden. Die aktuellen Umbaupläne sehen eine Vergrößerung des Gemeindehauses um 8,5 Meter an der Pestalozzistraße und 14,1 Meter entlang der Giebelseite vor. Der von der Lübbecker-Land-Tafel genutzte Teil erhält einen separaten Eingang von der Pestalozzistraße aus und soll schleusenförmig angelegt werden, sodass ein reibungsloser Ablauf ermöglicht wird. Die Anlieferung der Lebensmittel soll künftig über eine Rampe erfolgen.

Umzug in den Keller

Die Kleiderkammer zieht in umgestaltete Räumlichkeiten im Keller, im Erdgeschoss entsteht ein Begegnungscafé, und das Obergeschoss, das künftig über einen Lift erreicht werden kann, soll künftig als Jugendzentrum genutzt werden. Mit Abschluss der geplanten Umbaumaßnahmen Ende 2016 ist das gesamte Gemeindehaus barrierefrei und erfüllt auch die aktuellsten Brandschutzvorschriften. Mit der Umsetzung der vorgestellten Pläne soll ein Haus der Begegnung geschaffen werden, in dem der seit 2007 stetig wachsende Bereich sozialer Arbeit der Kirchengemeinde weiterhin und in verbesserter Form stattfinden kann, so das Konzept.