Limberg und Welle konzertieren Klangerlebnis und neue Hörerfahrungen in Bad Essen

Mit der ungewöhnlichen Kombination von Orgel und Drums boten Hans-Martin Limberg (l.) und Jochen Welle in der St.-Nikolai-Kirche ihrem Publikum ein besonderes Konzert. Foto: Christa BechtelMit der ungewöhnlichen Kombination von Orgel und Drums boten Hans-Martin Limberg (l.) und Jochen Welle in der St.-Nikolai-Kirche ihrem Publikum ein besonderes Konzert. Foto: Christa Bechtel

Bad Essen. „Heute kommt unsere Orgel zu ganz besonderen Ehren. Umrahmt von einem Schlagzeug und einer E-Hammondorgel sollen die Pfeifen tanzen“, verkündete am Sonntagabend vielversprechend Ingrid Meyer während ihrer Begrüßung in der St.-Nikolai-Kirche Bad Essen. Unter dem Motto „Dancing Pipes“ gastierten dort Hans-Martin Limberg, Jazz-Churchorgan, und Jochen Welle, Drums. Vorbereitet und organisiert hatten Jostine Schönfelder und Ingrid Meyer das Konzert.

„Auf der Suche nach der eigenen Ur-Melodie, der Musik, die jeder Mensch in seinem Innern hört, entsteht meine Musik. Das Schöne am Leben ist, dass die wirklich wichtigen Dinge geschenkt sind, wie Musik, Liebe und das Leben selbst. Deshalb sollten wir diese Geschenke so oft wie möglich empfangen und genießen“, ist die Devise von Hans-Martin Limberg.

Der 1961 in Münster Geborene ist seit 1986 freischaffender Musiker. Seitdem hat er Filmmusiken für den WDR, aber auch zahlreiche Kompositionen für Chor, Orgel und Klavier sowie für Saxofon und Orgel geschrieben. Seit 1996 gibt er Orgelkonzerte mit Eigenkompositionen sowie Konzerte als Jazzpianist. Wie Limberg im Gespräch verriet, sieht er seine Werke in der Stilrichtung des Modern Jazz, die er mit Reggae- und Blues-Elementen verbindet.

Jochen Welle, 1956 ebenfalls in Münster geboren, ist seit 1980 professioneller Schlagzeuger im Jazz-, Big-Band-, Rock-, Blues- und Popbereich. Er nahm nicht nur zahlreiche Platten auf, sondern hatte unter anderem auch Auftritte im Rundfunk und Fernsehen. Etliche Tourneen führten ihn in Länder wie Russland, Spanien, Italien, Frankreich oder Argentinien. Als Schlagzeugdozent ist er seit 1982 an der Musikschule Dülmen sowie seit 1986 an der Musikschule Steinfurt tätig, wo er Begründer der dortigen Schlagzeugklassen ist.

„Wir haben heute ein besonderes Konzert vor uns. Besonders, da es sich bei diesem Programm nicht um Standard-Orgelkompositionen handelt. Ich bin mir sicher, Sie kennen kein Stück des heutigen Abends“, meinte Hans-Martin Limberg schmunzelnd. Seine Eigenkompositionen habe er zum Teil mit Jochen Welle kreiert, „sodass sehr viel Freiraum für Improvisation bleibt“. Von daher werde es für sie beide spannend, „was sich heute entwickelt“. Spannend werde es zudem, da sich zu den akustischen Orgelpfeifen eine elektrische Hammond B-3 in digitaler Form geselle.

Als das Duo mit „Everytime the same, but different“ das Programm eröffnete, entfaltete sich im Kirchenschiff sogleich ein Feuerwerk an Tönen, die zum Füßewippen anregten. Ebenfalls mit Klangvielfalt schloss sich „Cosmic waltz“ an. „Super omnia“ mutete wie der bekannte „Bolero“ von Ravel an, da sich die Rhythmik kontinuierlich steigerte, aber doch ein ganz eigenes, für Limberg typisches „Jazz-Flair“ verbreitete. Während seine linke Hand die Orgel spielte oder auch die Register zog, flog die rechte zeitweise über die Tastatur der Hammondorgel – eine beeindruckende Koordinationsleistung.

Locker, jazzig folgte der „Way to heaven“, melodiös „Prayer“, wobei Jochen Welle auf einfühlsame Weise die Facetten seines Schlagzeugs auskostete. Als die Münsteraner „Africana“ zu Gehör brachten, erschien vor dem inneren Auge die Schönheit und Weite dieses faszinierenden Landes, sodass spontane Begeisterungsrufe im Publikum erklangen. Verhaltend beginnend, steigerte sich „Spirit walk“ bis zur Ekstase, pulsierend folgte „Life is a dance“ und als Schlusslicht „Take me home“.

Die ungewöhnliche Kombination von Orgel und Drums bot ein Klangerlebnis voller Überraschungen und neuer Hörerfahrungen. Hans-Martin Limberg versteht es, musikalische Spannung aufzubauen, mit der er seine Hörer in den Sog der Musik zieht. Beide Spieler zeichneten sich außerdem durch eine hohe Spielkultur aus. Die Liebhaber dieser Musik bedankten sich mit lang anhaltendem Applaus – Limberg und Welle mit der Zugabe „Summertime“ aufgrund der fast sommerlichen Außentemperaturen.