Empfang und Programm Freunde aus Bolbec im Wittlager Land

Von Willi Schmutte

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Altkreis Wittlage. Offizielles (und dazu gehört auch ein Festessen) darf bei den gegenseitigen Besuchen der Bolbecer und der Wittlager nie fehlen. Alle zwei Jahre wechselt der Gastgeber. Am vergangenen Wochenende – die Rückfahrt erfolgte am Montag – besuchten 132 Bolbecer die Freunde in Bad Essen, Bohmte und Ostercappeln.

Hochbetrieb herrschte beim Empfang in Högers Hotel in Bad Essen. Das Partnerschaftskomitee Bolbec-Wittlage hatte dazu eingeladen. Französische Gäste, Gasteltern aus dem Wittlager Land und Funktionsträger – sie alle wurden von Günter Harmeyer, dem Bad Essener Bürgermeister, auch im Namen der Komiteepräsidentin auf Wittlager Seite, Stephanie Jeanne-Djekic, herzlich begrüßt. Er nannte das Partnerschaftstreffen eine Möglichkeit, bestehende Bekanntschaften auszudehnen und neue Freundschaften entstehen zu lassen.

Sein Gruß galt zunächst der stellvertretenden Landrätin Susanne Breiwe, Bolbecs Bürgermeister Dominique Métot, Martine Gilles als Präsidentin des Comités auf französischer Seite und Karl-Heinz Bührmann als Vorgänger von Stephanie Jeanne-Djekic. Harmeyer bezeichnete die Partnerschaft, die es immer wieder zu beleben gelte, gerade im Zeitalter der Globalisierung als sehr wichtig. Er nannte drei Persönlichkeiten, die auf französischer Seite maßgeblichen Anteil an der guten Entwicklung der Partnerschaft hätten: Pierre Roussel, Michel Harvard und Gilbert Mus. Ihnen zum Gedenken erhoben sich alle von ihren Plätzen.

Harmeyer: „Die Idee der Verständigung, die 1969 und 1971 formell besiegelt wurde, kann erst wirklich stattfinden, wenn sie mit Leben erfüllt wird!“ Er nannte zwei Männer, die sich um diese Partnerschaft besonders verdient gemacht haben: Karl-Heinz Bührmann, schon seit 1966 dabei und viele Jahre Präsident, und Dieter Spanger, seit 40 Jahren dabei, davon viele Jahre als Geschäftsführer. Stephanie Jeanne Djekic als Präsidentin und Britta Bauder als Geschäftsführerin übernahmen vor einigen Wochen diese Ämter.

Dank sagte Harmeyer auch Heike Klatka, Sabrina Velken und Anne Schmidt für ihre Bemühungen in Sachen Vorbereitung dieses Treffens. Der Bürgermeister bezeichnete die Verbindung der Bürger und die daraus resultierende Verständigung in Europa als Grundlage des Miteinanders – nicht die Gleichmachung der Kulturen.

Stephanie Jeanne-Djekic dankte den Gemeinden, den Schulen und Vereinen und nicht zuletzt den vielen Gastfamilien. Sie würden so dazu beitragen, dass „wir in Europa in Frieden leben können“. Sie erinnerte an die Verdienste von Landrat Hans Maßmann und Hans-Eberhard Dreinhöfer, an Männer der ersten Stunde, an die ersten Begegnungen, an den Schüleraustausch 1981. Sie habe Deutsch als erste Fremdsprache gewählt – und dadurch zwei Wochen in Deutschland verbringen können. Sehr nachdenklich stimmte ihre Aussage, dass sie den Schüleraustausch für nicht selbstverständlich gehalten habe, die Eltern für schwer vorstellbar, und für die Großeltern war dieser gar nicht möglich… Als sie einen kurzen Auszug aus einem Gedicht eines jungen deutschen Soldaten zitierte, wurde es ganz still im Saal.

Dominique Métot, als Bolbecs Bürgermeister gerade im Frühjahr im Amt bestätigt, fand dankbare Worte für die Partnerschaft und für die, die sie mit Leben füllen. Sich mit Liebe und Aufrichtigkeit begegnen, das war seine Maxime. Er stellte fest, dass seit fünf Jahren eine Wittlager Delegation an den Feierlichkeiten der „Libération“, am Tag der Befreiung, in Bolbec teilnimmt. Gerahmte Fotos als Erinnerung an frühere Zeiten hatte er mitgebracht – für Günter Harmeyer, Dieter Spanger und Karl-Heinz Bührmann.

„Die Zeit vergeht, eine neue Mannschaft formiert sich“, so Martine Gilles, die Comité-Präsidentin aus Bolbec. Auch sie dankte Karl-Heinz Bührmann und Dieter Spanger für ihren Einsatz. Sie danke den Gastfamilien und lobte den Schüleraustausch. Das Jahr 2014 sah sie als Jahr der Erinnerung: 100 Jahre nach Ausbruch des 1. Weltkrieges 70 Jahre nach der Landung der Alliierten. Abschließend ihre Feststellung nach 69 Jahren im Frieden: „Diesen Frieden muss man genießen, wie einen Schatz hüten.“

Und auch Alain Gilles ergriff das Wort. Er ist zuständig für den Semi-Marathon, der seit fast 40 Jahren in Verbindung mit dem Tag der Befreiung in Bolbec stattfindet, wo auch seit vielen Jahren Sportler aus dem Wittlager Land teilnehmen. Er überreichte Pokale an die drei Bürgermeister.

Der Sonntagmittag stand im Zeichen der Geschichte. Museum und Park Kalkriese waren im Besuchsprogramm vorgesehen. Die Varusschlacht des Jahres 9 nach Christus sorgte dafür, dass der Norden Deutschlands nicht römisch wurde. Viele Exponate wurden bei der Führung gezeigt, allen voran die Maske, die als Markenzeichen und als wertvollster Fund gilt. Erinnert wurde an Major Tony Clunn, der 1987 den Anstoß zu den Ausgrabungen gab.

Begeisterte Sänger

Der Sonntagabend hielt ein besonderes Erlebnis bereit. Man traf sich in der Mehrzweckhalle in Schwagstorf zum Liederabend. Hartwig Ventker, begleitet von seiner Ehefrau Karin am Piano, gestaltete diesen. Mit seiner Gitarre zog er durch die Reihen und animierte alle zum Mitsingen. Überwiegend erklang dabei Französisch. Liedzettel leisteten wertvolle Unterstützung.

Ein Gast fasste das Geschehen trocken zusammen: „Die Fischerchöre von Schwagstorf“. „Frère Jacques“ und „Le Coq es mort“ erklangen als Kanon. Ebenfalls vielen bekannt: „Sur le pont d‘Avignon“, „Aux Champs-Élysées“ und schließlich „Die Gedanken sind frei“ und „Gute Nacht Freunde“. Deutlich wurde: Alle hatten ihren Spaß, machten begeistert mit und applaudierten ebenso begeistert.

Gegrilltes gab es für alle zur Stärkung, vorbereitet von der Ostercappelner Jugendfeuerwehr. Bürgermeister Rainer Ellermann dankte den Schulen für die Aufnahme von 40 jungen Leuten und den Gasteltern. Blumen gab es für die Komitee-Neulinge Britta Bauder und Stephanie Jeanne-Djekic. Abschließend nannte Ellermann als Termin für den Besuch in Bolbec die Zeit vom 22. bis 26. Oktober 2015.


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