Pflücker seit August im Einsatz Milder Winter sorgt für frühe Apfelernte im Wittlager Land

Von Almut Hülsmeyer


Bad Essen. Dank eines milden Winters und eines warmen Frühjahrs hat in diesem Jahr die Apfelernte im Wittlager Land schon zwei Wochen früher begonnen als sonst. Auf dem Obsthof Albers in Eielstädt wurden bereits Ende August die ersten Äpfel der Sorten Delba, James Grieve und Alkmene gepflückt. Die frühen Sorten machen allerdings nur rund zehn Prozent der Ernte aus. „Ihr Anteil ist so klein, da sie nicht lange halten und nicht gut lagerfähig sind. Sie müssen direkt vermarktet werden“, erklärt Dirk Albers, der den Obsthof in dritter Generation betreibt.

In der Fruchtsaftkelterei Lammersiek in Bad Essen hat die Verarbeitung der diesjährigen Apfelernte in der zweiten Septemberwoche begonnen. „Die frühen Apfelsorten eignen sich nicht für die Saftgewinnung, da sie schnell mehlig werden. Aus ihnen kann man besser Apfelmus machen“, erklärt die Chefin der Mosterei, Claudia Himmelstoß. In dem Familienunternehmen können Besitzer von Streuobstwiesen ihre Äpfel abliefern, die dort bis in den November hinein zu Saft verarbeitet werden. Die Mengen, die die Erzeuger abliefern, reichen von 15 Kilogramm bis zu drei Tonnen. Auch die Sortenvielfalt ist groß. Viele alte Hochstammsorten sind dabei, wie etwa Westfälischer Gülderling, Gravensteiner und Rote Sternrenette.

Auf dem Obsthof Albers werden vor allem Cox Orange, Rubinette, Elster und Gala angebaut. Die mittelfrühen Sorten bringen den größten Ertrag. In guten Jahren wachsen auf einem Hektar bis zu 40 Tonnen Äpfel. Zu den späten Apfelsorten, die im Oktober reif sind, gehören Jonagold, Braeburn, Boskop und Glockenapfel. Diese Äpfel kann Dirk Albers lange einlagern und bis in den Juni hinein im eigenen Hofladen verkaufen. Zwischen August und Oktober erntet der Obstbauer zusammen mit seinen Mitarbeitern rund 12000 Apfelbäume ab, die auf den Wiesen rund um das Anwesen stehen. „Ich versuche immer bis Ende Oktober mit der Ernte fertig zu sein, da es dann schon den ersten Nachtfrost gibt“, sagt Albers.

Immer wieder probiert er auch neue Sorten aus, denn die Geschmäcker der Kunden ändern sich. „In den 60er und 70er Jahren war der Golden Delicious in Deutschland ein beliebter Apfel. Den braucht man heute gar nicht mehr zu pflanzen, weil der sich nicht mehr vermarkten lässt“, erzählt Albers. Nur in Südeuropa werde diese grünlich-gelbe Sorte noch gekauft, in Nord- und Mitteleuropa bevorzugten die Kunden eher rotfruchtige Äpfel. So hat Albers auf seinen Wiesen seit zwei Jahren auch die tiefroten Sorten Wellant und Topaz stehen. „Der Topaz hat einen guten Namen, besonders auch im biologischen Anbau, da er nur mit wenig Pflanzenschutzmittel behandelt werden muss und schorfresistent ist “, erklärt der Obstbauer. Allerdings lässt sich die Sorte nicht so gut lagern, da die Äpfel schnell einen wachsartigen Film bekommen.

Seine diesjährige Ernte schätzt Albers als mittelmäßig bis gut ein: „Die Fruchtgröße ist nicht schlecht und die Menge stimmt auch“, sagt der Apfelexperte. Um die Äpfel als Handelsklasse I verkaufen zu können, müssen sie neben einer entsprechenden Größe auch eine einwandfreie Optik aufweisen. „Die Äpfel dürfen keine Schalenfehler wie etwa Druckstellen oder Pilzbefall haben. Die Kunden kaufen nur makellose Früchte“, erklärt Albers. Seine Ernte vermarktet er über seinen Hofladen, den Wochenmarkt in Osnabrück und Einzelhändler in der Region. Kleinere Äpfel werden von einem Zulieferer abgenommen, der damit Schulen in Nordrhein-Westfalen versorgt. In guten Jahren verkauft er auch Äpfel ins Alte Land, die von dort aus an Einzelhändler geliefert werden. Außerdem wird ein Teil zu Saft gepresst.

Beim Streuobst ist im Wittlager Land dieses Jahr keine große Ausbeute zu erwarten. „Die Ernte ist allgemein mau. Durch den vielen Regen ist das Obst auch zum Teil am Baum gefault“, sagt Claudia Himmelstoß. Der Fruchtzuckergehalt sei in diesem Jahr allerdings höher als im letzten Jahr, sagt die Mostereibesitzerin, eine gute Voraussetzung für einen geschmackvollen Apfelsaft.