Keramik und Kunstschule Werkstoff „Ton“ ist das Metier der Bad Essenerin

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Eva-Maria Flucht ist leidenschaftliche Keramikerin und engagiert sich auch in der Kunstschule Bad Essen. Foto: Christa BechtelEva-Maria Flucht ist leidenschaftliche Keramikerin und engagiert sich auch in der Kunstschule Bad Essen. Foto: Christa Bechtel

Bad Essen. „Meine Mutter ist Malerin, mein Vater war Kunsterzieher und hat uns immer die Materialien mitgebracht. Seit meinem vierten Lebensjahr bin ich deshalb am Malen und am Modellieren“, erzählt Eva-Maria Flucht, wie sie entdeckte, dass der Werkstoff „Ton“ ihr Metier ist. Heute ist sie freiberufliche Keramikerin und engagiert sich mit viel Herzblut auch in der Kunstschule Bad Essen.

Eva-Maria Flucht erblickte in Ostercappeln das Licht der Welt und wuchs im Altkreis Wittlage auf. Nach ihrer Schulzeit ging sie für ein Jahr zur Sporthochschule Bad Harzburg, „um Sport- und Gymnastikpädagogin zu werden. Da habe ich mir das Bein und den Fuß gebrochen. Beides heilte nicht, sodass ich das Ganze abgebrochen habe“, verdeutlicht sie. Anschließend durchlief sie eine dreijährige Lehre zur Buchhändlerin. „Obwohl ich eigentlich immer Keramikerin werden wollte. Aber damals gab es keine Lehrstelle, weil viele dieses Handwerk erlernen wollten“, erklärt die passionierte Künstlerin, die nach ihrer Lehrzeit erst ein Praktikum in der Töpferei Specht in Osnabrück-Sutthausen absolvierte.

Nach einem Segeltörn um die Balearen und an der spanischen Festlandküste traf sie zufällig eine Freundin, die mittlerweile ihre Meisterprüfung zur Keramikerin abgelegt hatte. „Die fragte mich, ob ich ihr erster Lehrling werden wollte“, berichtet Eva-Maria Flucht schmunzelnd, die damals mit ihrer Freundin das erste offene Kunsthandwerkerhaus weltweit in Osnabrück in der Gildewart mit aufbaute.

Zum Kunsthandwerkerhaus gehörten eine Druck- und Holzwerkstatt, „und jeden Monat kam ein Gast-Handwerker zum Beispiel aus Kenia oder Finnland“, blickt die Bad Essenerin auf ihre Ausbildung zurück. Ihre Gesellenprüfung zur Keramikerin legte sie in Büsum ab. „Dann habe ich ‚Mensch + Tier“ studiert, bin im Zoo in Osnabrück immer Malen gegangen‘, schildert Flucht ihren weiteren Werdegang.

Warum wollte sie unbedingt Keramikerin werden? „Ich mag gerne Modellieren, und ich kann dreidimensional denken, das heißt, ich bekomme eigentlich jede Form oder Figur – auch in der Bewegung – hin, die ich mir vornehme“, antwortet die Künstlerin, die, um das Ganze zu vervollkommnen, beispielsweise Zeichen- und Akt-Kurse belegte. Nebenbei gab sie Kurse und übernahm bereits Auftragsarbeiten wie Krippen oder sakrale Motive. Hinzu kam die Gebrauchskeramik.

„Aber immer individuelle Stücke wie Vasen, einen Zimmerbrunnen, auch mal ein Service, jedoch ungern. Denn ich mag nicht Dinge, die sich ständig wiederholen. Das ist sehr aufwendig zu machen, und die Leute wissen das nicht zu schätzen“, hebt sie hervor.

Inzwischen konzentriert sich Eva-Maria Flucht auf den figürlichen Bereich. Figuren reduziert sie in der Ausführung; bei den filigranen Teilen muss jedoch die Statik stimmen. „Sie dürfen kein Übergewicht haben, die Beine dürfen nicht zu dünn sein, sonst würde alles zusammensacken. Deswegen fertigt man Figuren hohl“, blickt sie auf die Arbeitsschritte. Diesen Bereich hat sie so weit optimiert, „dass ich auch Porträts von Kindern, Tieren fertigen kann. Ich habe auch schon Ganzporträts gemacht, wie eine Familie mit drei Kindern.“ Diese stellt sie nicht nur in Ton her, sondern hält sie mit Farbe und Pinsel ebenfalls auf der Leinwand fest.

Glasur muss gelingen

Wenn sie Zeit hat zu experimentieren, „probiere ich gerne Glasuren aus. Es kann aber sein, dass ein ganzer Brand, nachdem man monatelang daran gearbeitet hat, ruiniert ist, wenn die Glasur nicht gelingt“, veranschaulicht sie, dass es eine lange Zeit bis zum Perfektionismus ist. „Dann weiß man, wie dick man sie auftragen muss, wie dicht die Teile an den Heizdrähten stehen dürfen und bei welcher Hitze sie am schönsten und am ausdrucksvollsten werden.“

Besonders ausdrucksstark fallen in ihrem Atelier in der Agnes-Miegel-Straße ihre Figuren auf, denen sie eine Bronze-Patina gegeben hat. „Die wird in den Ton ganz hoch eingebrannt“, erläutert die Keramikerin, die ebenfalls der Aufglasurmalerei oder der Majolika frönt. Majolika wird von Mallorca abgeleitet, „wo man auch viel diese bemalten Gefäße bekommt“, schwärmt Flucht, die ihre Arbeiten nicht über das Internet, sondern direkt vermarktet. „Durch Mund-zu-Mund-Propaganda und ich bin auch in der Gegend ein bisschen bekannt, weil ich früher viele Ausstellungen wie in Herne, im Sauerland, Bramsche, Lemförde und natürlich Bad Essen hatte. Und die Leute wissen: Wenn sie eine Sonderanfertigung haben möchten, können sie mich anrufen“, sagt sie spontan.

Eva-Maria Flucht gibt nicht nur AGs in der Oberschule Bad Essen, sondern engagiert sich seit Mitte der 90er-Jahre ebenfalls in der Kunstschule Bad Essen. Unter dem Motto „Gestalten mit Ton“ gibt sie Kurse im Werkraum der örtlichen Grundschule. Zu ihren Zielgruppen gehören Kinder im Alter von sechs bis acht Jahren, Acht- bis Vierzehnjährige sowie eine Gruppe „Jugendliche und Erwachsene“. „Es können aber auch Erwachsene mit (kleineren oder jugendlichen) Kindern kommen“, betont Flucht, die Jugendlichen und Erwachsenen dabei die Drehscheibe näherbringt. Die Teilnehmer können frei gestalten, werden nicht reglementiert. „Ich versuche, das, was sie sich vorgenommen haben, dass sie das auch realisieren können. Da kommen die tollsten Sachen heraus“, meint die Kursleiterin begeistert. Beispielsweise seien unter den kreativen Händen der Kinder ein König auf seinem Thron, sogar mit rotem Teppich, auf dem ein Hund lief, entstanden, oder ein Mädchen habe für das Gymnasium eine Mobbingszene gefertigt.

Für die Kunstschule Bad Essen wünscht sich Eva-Maria Flucht: „Dass sich viele Kinder und Erwachsene anmelden, ihr Interesse zeigen, damit sie weiterlaufen kann. Sonst wäre das ein echtes Defizit für einen Ort wie Bad Essen – ohne Kunstschule.“


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