Diakonische Werke bieten Beratung Immer mehr Wittlager können Energiekosten nicht bezahlen

Von Almut Hülsmeyer

Kerzenbeleuchtung aus purer Not: Wenn Menschen ihre Energiekosten nicht mehr bezahlen können, droht ihnen das Abstellen des Stroms. Foto: dpaKerzenbeleuchtung aus purer Not: Wenn Menschen ihre Energiekosten nicht mehr bezahlen können, droht ihnen das Abstellen des Stroms. Foto: dpa

Altkreis Wittlage. Viele Menschen kommen erst, wenn es schon fast zu spät ist. Weil sie ihre Rechnungen für Strom, Gas und Wasser nicht bezahlen konnten, haben sie einen Schuldenberg angehäuft, den sie aus eigner Kraft nicht mehr abtragen können. Ihnen droht die Sperrung des Stroms durch den Energieversorger.

„Es sind längst nicht mehr nur Hartz-IV-Empfänger, die von diesem Problem betroffen sind, sondern viele Menschen mit geringem Einkommen, wie Alleinerziehende, Familien mit Kindern und ältere Menschen. Die Energiekosten sind mittlerweile zur zweiten Miete geworden“, sagt Heiko Grube, Geschäftsführer des Diakonischen Werks in Melle. Seit 2007 bietet die Einrichtung den Einwohnern Melles und der Gemeinde Bad Essen eine Energieschuldnerberatung an. Finanziert wird das Projekt neben dem Diakonischen Werk von der Diakoniestiftung, der Gemeinde Bad Essen, der Stadt Melle und RWE. „Als wir vor sieben Jahren mit der Beratung begonnen haben, waren Energieschulden noch kein großes Thema. Seitdem ist der Beratungsbedarf deutlich gestiegen“, berichtet Grube.

Bis Ende Juli nahmen in diesem Jahr 347 Wittlager die Beratung des Diakonischen Werks in Anspruch. Bei ihnen waren Energieschulden von 60000 Euro entstanden. In diesen Fällen hilft das Diakonische Werk mit einer Reihe von Maßnahmen. So werden mögliche Ansprüche auf Sozialleistungen geprüft, mit Banken über Kredite verhandelt und geklärt, ob Familienmitglieder finanzielle Hilfe leisten können. Wenn auf diesem Weg die Schulden nicht beglichen werden können, hilft das Diakonische Werk mit einem kostenlosen Kredit aus.

Neben der konkreten finanziellen Hilfe bekommen die Schuldner aber auch eine ausführliche Beratung, um das Problem in Zukunft in den Griff zu bekommen. „Unser primärer Ansatz ist, dass die Betroffenen Energie sparen. Dass zum Beispiel bei Geräten der Stand-by-Modus ausgeschaltet wird, dass das Wasser beim Zähneputzen nicht einfach weiterläuft und beim Neukauf energieeffiziente Geräte angeschafft werden“, erklärt Grube. Außerdem bekommen die Schuldner ein Haushaltsbuch, um einen besseren Überblick über ihre Einnahmen und Ausgaben zu gewinnen. „Wer Energieschulden hat, hat in der Regel auch andere Schulden“, sagt Grube.

Das bestätigt auch Natalia Gerdes, Leiterin des Diakonischen Werks Bramsche. Die Einrichtung hat deshalb die Energieschuldenberatung in eine allgemeine Schuldner- und Insolvenzberatung eingebettet. Menschen aus den Gemeinden Bohmte und Ostercappeln, die ihre Strom-, Gas- und Wasserkosten nicht mehr bezahlen können, bekommen hier Hilfe. Neben einer Verbraucherberatung erhalten die Betroffenen auch einen Kredit, wenn sie ihre Schulden nicht mehr aus eigner Kraft begleichen können.

Der Beratungsbedarf ist beim Diakonischen Werk Bramsche in den letzten Jahren deutlich gestiegen. „Viele Menschen übernehmen sich und können sich ihr Geld nicht richtig einteilen. Gerade viele junge Menschen haben nicht gelernt, mit Geld umzugehen“, berichtet Gerdes. Wenn die Energiekosten wie in den vergangenen Jahren weiter steigen würden, sei zu befürchten, dass auch die Zahl der Energieschuldner zunehme, betont die Leiterin des Diakonischen Werks.

Damit Energieschulden gar nicht erst entstehen, bietet das Diakonische Werk in Melle ein Präventionsprojekt für Jugendliche an, die ihre erste Wohnung beziehen. Die jungen Menschen lernen, wie sie Energie sparen, Verträge schließen und Schuldenfallen vermeiden können, um nicht später auch die Hilfe des Diakonischen Werks in Anspruch nehmen zu müssen.


Wer sich zum Thema Energieschulden beraten lassen möchte, kann sich an Irina Gärtner beim Diakonischen Werk Melle unter der Telefonnummer 05422/940050 wenden. Alternativ bietet das Diakonische Werk in Bramsche unter 05461/1597 oder in Bohmte unter der Telefonnummer 05471/8022425 betroffenen Menschen Hilfe an.