Liselotte Wübbeler beim Bürgerfest in Berlin Bad Essenerin erhält Post aus dem Bundespräsidialamt

Von Karin Kemper


Bad Essen/Berlin. Briefpost zu bekommen ist selbst im Internetzeitalter prinzipiell nicht ungewöhnlich. Der Umschlag, den Liselotte Wübbeler aus Bad Essen erhielt, fällt aber allemal in die Rubrik „Ganz besonders“. Wem sonst schreibt schließlich das Bundespräsidialamt?

Die Bad Essenerin Lieselotte Wübbeler gehörte zum Kreis der Ehrenamtlichen, die zum Bürgerfest des Bundespräsidenten Joachim Gauck in den Garten des Schlosses Bellevue eingeladen wurden. Wie ihr Name auf die Gästeliste gelangt sein könnte, darüber hat sich Liselotte Wübbeler Gedanken gemacht. Die Nachfrage in Berlin, als sie sich erkundigte, wie das Fest abläuft, brachte einen Teilerfolg. Die freundliche Auskunft nach einem Blick in den Computer lautete: „Sie haben ja schon so viel gemacht. Ihr Name kommt von der Staatskanzlei Hannover.“

Das wiederum lässt die Vermutung aufkommen, dass eine Ehrung aus dem vergangenen Jahr ein Auslöser sein könnte. 2013 hatte Wübbeler den JohannesVoetlause-Preis erhalten. In der Urkunde heißt es: „Aufgrund des großen und vorbildlichen ehrenamtlichen Engagements für und im ländlichen Raum.“ Die Kurzzusammenfassung der Aktivitäten sieht so aus: Vorstandsarbeit im Landfrauenverein Wittlage, Gründung des Singkreises der Landfrauen und seit 36 Jahren dort Chorleiterin und seit über 20 Jahren Leiterin des Kirchen-Singkreises. Das notwenige Wissen hatte sich die Geehrte selbst beigebracht, aber mit 73 Jahren entschied sie sich vor sechs Jahren, eine Ausbildung zur Chorleiterin zu absolvieren – und bestand die Kirchenmusikalische D-Chorleiterprüfung mit „gut“. Weitere Stichworte sind die Arbeit in der LEB (Ländliche Erwachsenenbildung) und als Gästeführerin (mit Stern), sprich mit Ausbildung.

Um beim Bürgerfest in Berlin auf das Schlossgelände zu gelangen, war eine persönliche Einlasskarte erforderlich. „Die Kontrollen waren ganz schön scharf“, meint die Bad Essenerin in Erinnerung an Metalldetektoren und die Reihe von Kabinen, die die Gäste passieren mussten. Und beinahe hätte es Liselotte Wübbeler geschafft, dem Bundespräsidenten die Hand zu geben. „Bis auf ungefähr zwei Meter hatten wir uns vorgearbeitet, dann musste der Präsident weiter...“

Na ja. Einem Bundespräsidenten hat die gebürtige Oldenburgerin bereits die Hand geschüttelt. Das ist allerdings einige Zeit her. Genau genommen geschah das 1952, als der Oldenburger Jugendchor, dem die damals junge Frau angehörte, bei einem Empfang des Diplomatischen Korps in Bonn auftrat. Als die Sänger einen Imbiss einnahmen, kamen erst Bundeskanzler Adenauer und der Oldenburger Hermann Ehlers – und dann Bundespräsident Theodor Heuss...

Mit auf die Heimreise von Berlin nahm Liselotte Wübbeler neben unzähligen Eindrücken auch eine Broschüre mit einem Grußwort Gaucks. Darin heißt es: „Wir wollen uns heute voller Respekt vor Ihnen verbeugen und Ihnen von Herzen Danke sagen. Deutschland sähe anders aus ohne Ihren Einsatz in den vielen Vereinen und Verbänden, ohne Ihre Leidenschaft für Sport, Kirche, Kunst und Kultur...“

Zum Fest gehörte ein umfangreiches Programm mit Künstlern wie Mathias Richling, Niedeckens BAP oder der Big Band der Bundeswehr. Auf Park- und Gartenbühne war viel los. Einen Höhepunkt bildete gegen 22.30 Uhr das Feuerwerk. „Das war ganz toll“, sagt Wübbeler, die zusammen mit ihrer Freundin Heike Stapelmann an dem Bürgerfest teilgenommen hatte. Die Einladung galt nämlich für zwei Personen. Zwischen dem Ort der Begegnung, wo die Teilnehmer schnell miteinander ins Gespräch kamen, und dem Eingang befanden sich zudem zahlreiche Verpflegungsstände, an denen die Bundesländer Spezialitäten servierten, sowie Infostände.

Zwei weitere Dinge bleiben Lieselotte Wübbeler garantiert in Erinnerung: Einmal der kleine Junge, der während der Rede des Bundespräsidenten auf dessen Stuhl Platz nahm, und dann die Frauen, die mit hochhackigen Pumps auf dem Rasen unterwegs waren.