Initiative Wittlager Kreisbahn Personenzüge zwischen Bohmte und Bad Holzhausen?

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as/fp Bad Essen. Dass die Schiene im Wittlager Land beim Gütertransport schon seit Jahren wieder eine Zukunft hat, das ist bekannt. Geht es nach dem Willen engagierter Bürger aus der heimischen Region, dann sollen auf dem vorhandenen südlichen Abschnitt der alten Wittlager Kreisbahn (WKB) zwischen Bohmte und Bad Holzhausen bald auch wieder Personenzüge fahren.

Mehr als 70 Bahnstrecken hatte das Land Niedersachsen wegen einer möglichen Wiederbelebung untersucht. Darunter war auch der Abschnitt Bohmte–Schwegermoor (Damme) der früheren Wittlager Kreisbahn. Der aber ist marode, die Gleise sind ab Schwegermoor abgebaut. Kein Wunder, dass dieser nördliche Streckenabschnitt schon nach der ersten Untersuchungsrunde außen vor war.

Der Südabschnitt der Bahnstrecke wird noch heute von der Verkehrsgesellschaft Landkreis Osnabrück (VLO) betrieben. Dieser Abschnitt schaffte es immerhin in die zweite Bewertungsrunde, aber da war dann ebenfalls Endstation.

Die vorerst negativen Prognosen des Landes Niedersachsen für eine Wiederbelebung des Personenverkehrs zwischen Bohmte und Bad Holzhausen will eine Gruppe engagierter Bürger aus dem Wittlager Land nicht teilen.

Im Gegenteil: Die Gruppe „Initiative Wittlager Kreisbahn“, die jetzt in der Gemeinde Bad Essen tagte, hat ein klares Ziel. In Zukunft soll es Personenzüge zwischen Bohmte und Bad Holzhausen geben – im Stundentakt.

„Das ist durchaus realistisch und machbar, wenn es gewollt ist“, werden der Bad Essener Pastor Klaus Haasis, der Münsteraner Fachmann Ralf Uekermann, Stefan Goda und Christian Hüsing im Gespräch deutlich. Rund 20 Kilometer sei die Strecke lang „und wir reden über sieben bis acht Zwischenhalte“. Sehr effizient sei es machbar, da das Fahrzeug fast keinen Stillstand habe.

Es gebe einen hohen Nutzen, erklären die Bahn-Befürworter. Optimale Anschlüsse gebe es von Bad Holzhausen aus nach Lübbecke und Rahden sowie nach Bünde und Bielefeld. In Bohmte geht die engagierte Gruppe von einem schnellen Übergang „in weniger als zehn Minuten“ zum Regionalexpress nach Osnabrück aus. „Damit hätte man 80 Prozent der Anschluss-Wünsche an beiden Bahnhöfen abgedeckt.“ Denkbar sei der Ein-Stunden-Takt an allen Tagen von 6 bis 22 Uhr. Das könne aber auch gestaffelt sein.

Osnabrück wäre aus Sicht der Bahn-Befürworter binnen 45 Minuten von Pr. Oldendorf aus erreichbar, von Bad Essen wären es 30 Minuten.

Schneller, komfortabler und zuverlässiger als der Bus sei der Zug. Zudem sei ein Personenverkehr auf den Kreisbahn-Gleisen grenzüberschreitend. Der VLO-Bus von Bohmte nach Pr. Oldendorf fahre nur bis Samstagnachmittag, meint Klaus Haasis. „Danach muss man zu Fuß gehen.“

Einem Parallel-Verkehr von Bus und Bahn erteilt die Initiative eine Absage, sie hält Busse in Teilbereichen aber für sinnvoll. Eine Wiederbelebung der Bahnstrecke Bad Holzhausen–Bohmte solle eingebettet sein in ein integriertes Bus-Zug-Konzept.

In beiden Landkreisen gebe es schließlich Bereiche, die nur per Bus erreichbar seien. „Der Bus fährt da, wo kein Zug fährt“, verweist die Initiative auf eine Zubringer-Funktion des Busses zum Zug. Für erforderlich hält sie auch einen Verbundtarif. Den gibt’s in Ostwestfalen-Lippe und ab Lemförde auch mit dem Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen. Haasis: „Nur der Landkreis Osnabrück ist ein weißer Fleck.“ Der Stunden-Takt werde nicht auf Knopfdruck kommen. Stufenweise möchte die Initiative daher vorgehen und will nun bei Politikern, Institutionen und Firmen für das Vorhaben werben. Ein Anfang auf den VLO-Gleisen könnte ein vertakteter Freizeitverkehr an den Wochenenden sein. Den vorhandenen Güterverkehr bewertet die Initiative als „wichtiges Standbein zur Finanzierung der Infrastruktur“, und auch die Museumsbahn sei ein wesentlicher Bestandteil.

Die Bahn sei und bleibe ein „Standortfaktor erster Güte“. Das gelte für den Wohnstandort, für Arbeitsplätze und deren Erreichbarkeit wie auch für den Tourismus. Klaus Haasis; „Die Straßen sind verstopft, der Lkw-Verkehr wird allen Prognosen nach noch um ein Drittel zunehmen. Es wird höchste Zeit, sich wieder auf die Bahn zu besinnen. Und wir haben hier in Wittlage und Pr. Oldendorf die Voraussetzungen. Man muss allerdings auch umdenken wollen.“


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