Internetseiten der Kandidaten Wittlager Visionen, wenig Konkretes



Bad Essen/Ostercappeln. Wahlkämpfe werden zunehmend im Internet geführt. In den Teams rund um die Kandidaten finden sich mittlerweile immer häufiger Mitarbeiter, die sich um Online-Präsenz kümmern. Ob in Ostercappeln und Bad Essen ein Web-Auftritt wahlentscheidend sein wird, sei dahingestellt – in jedem Fall sind alle vier Kandidaten im Netz aktiv. Wir haben ihre Internetseiten verglichen.

Rainer Ellermann (CDU/Ostercappeln): Auf seiner in seriösem Blau-Grau gehaltenen Internetseite hat Rainer Ellermann Fotos von sich und von blühenden Kirschbäumen gestellt. Ein Plus der Seite: Wer sich umfassend über den langjährigen Bürgermeister informieren will, hat dazu auf der detaillierten Homepage jede Möglichkeit.

Wer etwa wissen will, was der Kandidat sich auf die Wahlkampffahnen geschrieben hat, kann den Punkt „Neue Ziele verwirklichen“ anklicken. Neues findet sich da allerdings weniger: Ellermann schreibt etwa, er wolle „weiterhin“ den Tourismus fördern. Außerdem wolle er, dass Ostercappeln attraktiv für Familien „bleibt“. Auch unter „Zukunft Ostercappeln“ und „Ideen und Visionen“ finden sich eher Rückblicke als Zukunftsvisionen.

Wer den Button „Das bin ich“ anklickt, findet ein Foto von Familie Ellermann vor dem heimischen Weihnachtsbaum. Und auch persönlich ist der Kandidat ansprechbar. Interessierte Wähler können entweder zu einem der eingetragenen Wahlkampftermine gehen oder Ellermann anrufen. Der Kandidat hat sogar seine Handynummer angegeben. Auch auf Facebook ist der Ostercappelner aktiv. Hier erfährt der Internetnutzer beispielsweise, dass Ellermann die Tribute von Panem mag und Bayern-Fan ist.

Johannes Klecker (SPD/Ostercappeln): SPD-Gegenkandidat Johannes Klecker, von den Parteien Bündnis 90/Die Grünen, Die Linke und FDP unterstützt wird, ist im Internet dagegen offensichtlich nicht so zu Hause wie der computeraffine Ellermann. Ein Blick auf die Statistik zeigt: Wer Ellermann und Ostercappeln bei Google eingibt, erhält knapp 18000 Treffer. Bei Klecker sind es nur gute 4000. Eine eigene Website besitzt Klecker nicht; auf Facebook hat er aber ein Profil.

Hier erfährt der Besucher, dass Johannes Klecker nicht nur in Parteifragen nicht mit seinem Konkurrenten übereinstimmt – er ist auch Dortmund-Fan. Und dass „Selfies“, also Schnappschüsse von einem selbst, nicht nur die Sache jüngerer Generationen sind, demonstriert der 57-Jährige, indem er ein Bild von sich beim Friseur postet.

Außerdem gefallen dem Angestellten des Eisenbahn-Bundesamtes nach eigenen Angaben Peter Maffay und Helene Fischer. In den vergangenen Tagen bewegte sich dann einiges auf der Seite: Klecker postete mehrere Fotos, etwa beim Blumen-Verschenken oder als Mann am Grill beim Fußballspiel SG Ostercappeln/Schwagstorf gegen Alfhausen.

Frank Hünefeld (CDU/Bad Essen): Der Bad Essener CDU-Kandidat Frank Hünefeld hat seine persönliche Homepage offensichtlich eher auf Tabletnutzer ausgelegt. Der PC-Nutzer ohne Touch-Screen muss dagegen mit dem Scroll-Rädchen seiner Maus von oben nach unten fahren über bildschirmfüllende, professionelle Fotos, eingebettete YouTube-Videos und Slogans.

Dabei erfährt er vom Kandidaten: „Verlässlichkeit und Kontinuität sind mir wichtig.“ Neben einem Lebenslauf finden sich auch Informationen über Hünefelds Familie. Über Alexander Hünefeld, dessen Porträt-Foto mit „Sohn“ untertitelt ist, ist etwa zu lesen, dass der Erstklässler gerne töpfert. Sein älterer Bruder sei begeisterter „Hobby-Landwirt“.

Abgesehen vom persönlichen Werdegang ist über die politische Ausrichtung des Kandidaten allerdings nicht allzu viel zu finden. Unter dem Punkt „Ich stehe für“ erfährt der Wähler Ähnliches wie bei Ellermann: Hünefeld will eine familienfreundliche Gemeinde, die attraktiv für Touristen ist und Schulden abbaut.

Timo Natemeyer (SPD/Bad Essen): Wer Timo Natemeyer googelt, findet eine ganze Menge, relativ schnell auch die Bewerbung Natemeyers als Landtagsabgeordneter auf der Seite der Dissener SPD. Aktuelleres bietet die Website www.natemeyer.de.

In seriösem Blau präsentiert sich hier das SPD-Mitglied, das als unabhängiger Kandidat, aber unterstützt von der SPD und den Grünen, antritt. Ganz oben auf der Seite begrüßt den Besucher ein Selfie, das Natemeyer auf einer Besuchertribüne des Bundestages zeigt. Darunter erklärt der Kandidat, dass er als Leiter des Osnabrücker Wahlkreisbüros von Rainer Spiering regelmäßig in Berlin ist.

Vom Text her umfangreicher ist der Punkt „Ziele“. Inhaltlich lässt sich über den Umfang streiten. Auch Natemeyer lobt lieber das lokale Vereinswesen und bereits laufende Projekte, als sich über konkrete Vorstellungen für die Zukunft inklusive Umsetzung auszulassen. Wichtig seien ihm beispielsweise Bildung, ein guter öffentlicher Personnennahverkehr und der Zusammenhalt in der Bevölkerung, schreibt Natemeyer.

Wie er all das als Bürgermeister befördern möchte, bleibt offen. Auf Facebook ist der Kandidat dafür offensichtlich bestens vernetzt: Zu einem Artikel über seine Kandidatur haben 106 Personen den „Gefällt mir“-Button angeklickt.


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