Weniger Kunden durch weniger Fachärzte Die Apothekendichte im Wittlager Land ist gering

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Die Apothekendichte ist im Altkreis Wittlage im Vergleich sehr gering. Archivfoto: dpaDie Apothekendichte ist im Altkreis Wittlage im Vergleich sehr gering. Archivfoto: dpa

Bad Essen. Man könnte meinen, in Bad Essen gebe es zu viele Apotheken. Wer die Lindenstraße entlangfährt, sieht dreimal das große, rote „Apotheker-A“ an Ladenlokalen.

Im benachbarten Kreis Minden-Lübbecke, so berichtete vor Kurzem die Neue Westfälische, habe sich die Zahl der Apotheken im Gegensatz zum allgemeinen Trend sogar erhöht.

Der niedersächsische Apothekerverband dagegen hatte im vergangenen Jahr Alarm geschlagen: Die Zahl der Apotheken zwischen Harz und Küste sei auf den niedrigsten Stand seit 20 Jahren gefallen. Vor allem in dünn besiedelten Gebieten seien Apotheken rar.

Der Geschäftsführer der Apothekerkammer Niedersachsen, Martin Thomsen, sah gar eine Abwärtsspirale. „Vor allem in den ländlichen Regionen werden Apotheken geschlossen, aber auch in Stadtrandlagen.“

Gründe seien der Bevölkerungs- und der Ärzteschwund. Im Wittlager Land gibt es neben den drei Apotheken in Bad Essen noch eine in Lintorf, jeweils zwei in Bohmte und Ostercappeln sowie eine Apotheke in Hunteburg und eine in Venne.

Wie also lässt sich der Altkreis Wittlage mit seinen drei Gemeinden Bad Essen, Bohmte und Ostercappeln und seiner ländlichen Struktur in diesen Trend einordnen?

Im Altkreis Wittlage gibt es insgesamt zehn Apotheken. Umgerechnet auf die knapp 40000 Einwohner sind das auf eine Apotheke rund 4000 Bürger.

Zum Vergleich: Im Kreis Minden-Lübbecke kommen auf eine Apotheke etwa 3800 Einwohner. In Osnabrück teilen sich statistisch gesehen nur rund 2700 Einwohner eine Apotheke.

In Bad Essen weist die Lindenstraße mit drei Apotheken rein geografisch die höchste Dichte auf.

Bis Mitte 2012 gab es im Kurort auch noch die Alte Apotheke an der Nikolaistraße. Die war nicht mehr profitabel, weil sie von zu wenigen Kunden frequentiert wurde.

Christoph Flerlage betreibt zusammen mit seiner Schwester die Lindenapotheke in Bad Essen sowie die Delphin- und die Pelikan-Apotheke in Bohmte. Warum es im Vergleich im Altkreis nur wenige Apotheken gebe? Flerlage sieht ein Problem in der Nachfolge für ältere Mitarbeiter: „Wir suchen seit über zwei Jahren einen Apotheker.“

Eine Apotheke in der Stadt sei außerdem attraktiver – in den Einkaufszonen gebe es viel mehr Laufkundschaft. Außerdem sei die Facharztdichte höher als im Altkreis. Auch die Arbeitszeiten seien attraktiver: „Während die Apotheker in den Städten alle 40 Tage vielleicht einmal mit dem Notdienst an der Reihe sind, sind die Apotheker hier alle 9 Tage dran“, so Flerlage.

Dazu kommt, dass durch längere, durchgängige Öffnungszeiten das Wochenpensum für den einzelnen Mitarbeiter in der Stadt schneller erreicht sei. In umliegenden Kreisen, etwa Richtung Diepholz, sei die Apothekendichte allerdings noch geringer, sodass Kunden aus den nördlich gelegenen Orten immer wieder den Notdienst der Bohmter Apotheken nutzten.

An der Lindenstraße hatte vor Kurzem die Rosen-Apotheke geschlossen, dafür hat vor drei Wochen die Bad-Apotheke eröffnet.

Ob es sich lohne, nur einen Steinwurf entfernt von zwei anderen Apotheken wieder eine weitere zu eröffnen? „Durchaus“, sagt die Filialleiterin der Bad-Apotheke, Renate Meier.

Denn: „Nicht die Nähe ist entscheidend, sondern das Einzugsgebiet.“ In Bad Essen sei die Einwohnerzahl ausreichend. „Wir hatten hier traditionell immer drei Apotheken“, sagt Renate Meier. Von Vorteil ist wohl auch die Lage der Apotheke – in nächster Nähe haben mehrere Ärzte ihre Praxen.

Auch Beate Banmann, Inhaberin der benachbarten Kur-Apotheke, sieht keinen Konflikt in der Konkurrenzsituation. „Wir sehen uns hier als Kollegen“, sagt sie über die Mitbewerber. Seit zwölf Jahren versorgt die Kur-Apotheke vor allem Stammkunden. „Klassische Kurgäste haben wir hier kaum noch“, sagt Banmann.


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