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Junior übernimmt Schloss Ippenburg wird jünger

<em>Die Neuen am Steuer:</em> Viktor und Deborah beim Richtfest des Wohnhauses von Viktoria und Philip von dem Bussche – plus die Kinder Jonathan (Baby) ,Emma mit Cousine Hilli (hinten) sowie Lilly mit Cousine Yarden (vorne). Foto: Uwe LewandowskiDie Neuen am Steuer: Viktor und Deborah beim Richtfest des Wohnhauses von Viktoria und Philip von dem Bussche – plus die Kinder Jonathan (Baby) ,Emma mit Cousine Hilli (hinten) sowie Lilly mit Cousine Yarden (vorne). Foto: Uwe Lewandowski

Bad Essen. Die Jugend fährt mit dem Elektro-Caddy beim Richtfest vor. Außergewöhnliche räumliche Verhältnisse bedingen außergewöhnliche Fortbewegungsmittel. Schließlich handelt es sich im konkreten Fall um ein veritables Schlossgelände, das es mit Kind und Kegel zu durchqueren gilt. Die Baustelle wiederum liegt jenseits der Schlossmauer. Hier entsteht das Wohnhaus von Viktoria und Philip von dem Bussche. Im Frühjahr wollen beide dort einziehen. Dann wird ihr Sohn Viktor mit seiner jungen Familie Schloss Ippenburg bewohnen. Bereits am 1. Juli hat er den dortigen land- und forstwirtschaftlichen Betrieb übernommen.

Der Zimmerermeister braucht Zielwasser und nach jedem Vers ein Prosit. Ob denn das Werk seinen Zuspruch finde, wird der Bauherr gefragt. „Allerbestens“ gefalle ihm das „Altenteilerhaus“, lobt Philip von dem Bussche. Zumal, da es barrierefrei sei, ohne Keller und ohne Dachboden, sagt er lachend. „Denn Keller find’ ich gruselig, und auf dem Dachboden sind gerne Mäuse“, ergänzt seine Frau Viktoria, die die Gäste beim Richtfest voller Begeisterung durch den Rohbau führt.

Den Kopf voller Pläne – so kennt man sie ohnehin von ihren zahlreichen Projekten, Gartenfestivals und Büchern. Die mehr als 30 Jahre, die sie im neugotischen Schloss verbracht hat, mit Kellergewölben und womöglich auch mit Mäusen auf dem Dachboden, mögen ihre Vorfreude aufs neue Haus zusätzlich befördern. Die junge Generation indes, Viktor von dem Bussche mit seiner aus Tel Aviv stammenden Ehefrau Deborah und den Kindern Emma (vier Jahre), Lilly (zwei Jahre) und Jonathan (sieben Monate), freut sich auf das Leben im Schloss, der neue Gutsherr zudem auf seine neuen Aufgaben. Denn Ippenburg ist natürlich mehr als das historische Gebäude und die berühmten Gärten, die inzwischen schon in sämtlichen Lifestyle-, Wohn- und Gartenzeitschriften abgelichtet wurden.

Ippenburg ist nicht zuletzt ein landwirtschaftlicher Betrieb von beachtlicher Größe, der sich seit 1390 im Familienbesitz derer von dem Bussche befindet und von 1976 bis dato von Philip von dem Bussche geführt wurde. Der ehemalige Präsident der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) wird bis Ende 2014 seinen Vorstandsvorsitz beim weltweit operierenden Einbecker Saatguthersteller KWS beibehalten. Auch seine hälftige Betriebspartnerschaft an einem Ackerbaubetrieb in Sachsen wird er fortführen. Die 680 Hektar Eigentumsfläche von Gut Ippenburg verteilen sich auf 330 Hektar landwirtschaftliche Flächen, 330 Hektar Wald und 20 Hektar sonstige Flächen, alles verteilt in der Hunte-Niederung zwischen Bad Essen und Bohmte sowie im Wiehengebirge. Es werden Weizen und Roggen, Zuckerrüben, Raps und Mais angebaut. Die Erträge pro Hektar belaufen sich im Fünfjahresmittel auf 87 Dezitonnen Getreide; 13,3 Tonnen Zuckerertrag und 44 Dezitonnen Raps. Neben Ackerbau und Forstwirtschaft baute Philip von dem Bussche eine große Schweineproduktion auf: Zurzeit werden auf dem Gut 600 Sauen mit Ferkelaufzucht gehalten. Pro Sau werden jährlich etwa 30 Ferkel „abgesetzt“; die Tageszunahme in der Mast liegt bei 780 Gramm pro Tag. Der „Neue“, Viktor von dem Bussche, steht zur intensiven Tierhaltung und zur konventionellen Landwirtschaft. Auf „Bio“ umzustellen ist für ihn keine Option. Im Gegenteil: Der junge Gutsbesitzer will die Anlage demnächst auf 900 Sauen beziehungsweise 2200 Mastplätze ausbauen.

„Ich habe eine große Liebe zu Natur und Umwelt und bin dennoch ein konventioneller Landwirt“, sagt er. Auch die intensive Tierhaltung unterliege den Tierschutzgesetzen. Zudem: Wenn es den Schweinen schlecht gehe, wirke sich dies negativ auf die Fleischqualität aus. Und welche Pläne hat der Betriebswirt und gelernte Landwirt für das Schlossgebäude? „Erhalten, aber auch erneuern“, lautet seine Devise. Konkret heißt das, dass das Schloss wohl „in kleinen Dosen“ geöffnet werden könnte. Vorstellbar seien vier oder fünf festliche Anlässe im Jahr, wie Präsentationen großer Firmen in den Empfangsräumen oder der Remise. Konkrete Pläne gebe es aber längst noch nicht, so der 33-jährige Schlossherr. Was die Gärten und Gartenfestivals betrifft, wirkt er derzeit schon unterstützend mit; die Planung, das Konzeptionelle sowie die Auswahl der Aussteller bleiben jedoch weiterhin in den Händen von Viktoria von dem Bussche, die gleich mit dem ersten Festival „Gartenlust und Landvergnügen“ vor 14 Jahren einen Trend begründete und viele Nachahmer fand. Wie passend, dass der grüne Daumen wohl auch ein wenig in der Familie von Deborah von dem Bussche liegt, deren Bruder sich in seiner Heimat auf das Entwerfen von Dachgärten spezialisiert hat. Doch zunächst einmal wird sich die junge Familie im Schloss einrichten. Berlin, wo Viktor derzeit noch als Immobilienmakler tätig ist, werde wohl immer eine Reise wert sein, aber den bekannten Koffer in Berlin besitzt die junge Familie nicht mehr. „Ab und zu mal Stadtluft ist schön, aber mit den Kindern genießen wir das Leben auf dem Land.“


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