Viel Musik und ein Blitzeinschlag Ein echtes Brockhauser Urgestein

Von Christa Bechtel

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Der Kontakt für Hartwig Ventker zur Außenwelt: Internet, Radio und gleich drei Telefone. Foto: Christa BechtelDer Kontakt für Hartwig Ventker zur Außenwelt: Internet, Radio und gleich drei Telefone. Foto: Christa Bechtel

Brockhausen. „Wir mussten in der Grundschule in Brockhausen Musik machen, und zwar lernten wir alle erstaunlicherweise Mandoline. Das war eine große Ausnahme, denn normalerweise steigt man mit Blockflöte ein. Aber Anfang der 1960er-Jahre gab es hier ein Mandolinen-Orchester“, blickt Hartwig Ventker auf seine Kindheit zurück.

Nach der Grundschulzeit habe er mit Musik gar nicht mehr viel am Hut gehabt. Als er jedoch 15-jährig ein Plakat entdeckte, das auf klassischen Gitarrenunterricht in Bad Essen in der Volkshochschule hinwies, „hat mich das sofort fasziniert, sodass ich mich mit ein paar Kumpels aus dem Dorf anmeldete“, erzählt der Brockhauser, der sogleich mit dem Instrument gut klarkam. „Ich habe das erste Mal in meinem Leben klassische Gitarrenmusik gehört. Da ist bei mir der Blitz eingeschlagen! Das hat mich nicht mehr losgelassen“, sagt er schmunzelnd.

Die Liebe zur Musik war bei Hartwig Ventker dann so groß, dass er nach dem Abitur drei Semester Musikwissenschaft in Münster studierte, um das Rüstzeug für eine Aufnahmeprüfung am Konservatorium in Osnabrück zu bekommen. Ursprünglich wollte er zwar Fremdsprachenlehrer werden, weil ihm Sprachen sehr viel bedeuten. Doch nach der besagten Aufnahmeprüfung studierte er acht Semester zum Instrumentallehrer. „Musik bzw. dieser Blitzeinschlag mit der Gitarre haben mein Leben geprägt“, unterstreicht der Pädagoge, der seine Liebe zu Sprachen nie aufgegeben hat. Ventker: „Ich habe schon in Englisch, Spanisch und Französisch Schüler im Ausland unterrichtet.“

Keine Sekunde gezögert

Etwa ein halbes Jahr nach seinem Studium bekam Ventker ein Angebot von der Hochschule Osnabrück, dort als Lehrer „einzusteigen“. „Da habe ich keine Sekunde gezögert; das war, beruflich gesehen, wie ein Lottogewinn“, meint der Vater von zwei erwachsenen Söhnen. Bis heute ist er an der Universität Osnabrück tätig. Parallel begann der engagierte Musiklehrer ab 1981 an der Kreismusikschule zu unterrichten. „Die habe ich aber nach 30-jähriger Tätigkeit wieder verlassen, weil die inhaltliche Ausrichtung mir nicht mehr zusagte. So machte ich mich im September 2011 mit der ,Gitarrenschule Ventker‘ in meinem Geburts- und Elternhaus in Brockhausen selbstständig.“ Ein ganz wichtiges Credo seiner Arbeit ist: „Erziehung durch Musik und Erziehung zur Musik. In meiner Schule finden keine Kurse statt, sondern man bekommt einen Ausbildungsplatz. Am Ende der Ausbildung möchte ich einen Schüler haben, der vernünftig, gut und kompetent mit seinem Instrument umgeht und darüber hinaus sich auch zu einem Konzertbesucher entwickelt, der aktiv die Konzertszene verfolgt“, stellt Ventker dar, was ihm wichtig ist.

Dadurch, dass er in der Hochschule eine großzügige Ferienregelung hat, kann der Pädagoge nebenbei noch etliches ehrenamtlich übernehmen. „Ich war immer schon leidenschaftlicher Konzertbesucher“, betont Ventker, der aufgrund dieser Hingabe zur Musik Ende der 1990er-Jahre von seiner Ehefrau Karin die Organisation der Arenshorster Konzertreihe für den Kulturring Bohmte übernahm.

„Es gab immer schon die Arenshorster Konzerte, die stets ein Lehrer von der Kreismusikschule mit unterstützte. Dadurch bin ich in eine Szene von Künstlern, Musikern gerutscht, habe Verbindung zum Deutschen Musikrat aufgenommen, Konzerte junger Künstler vermittelt. Das hat so einen Spaß gemacht“, schwärmt Hartwig Ventker, der für Arenshorst das Niveau so hoch wie möglich ansetzt. Inzwischen managt er ebenfalls die Konzerte im Schafstall Bad Essen, zu denen der Kunst- und Museumskreis einlädt. „Und wir haben eine hauseigene Konzertreihe (auf der Diele)“, erzählt er enthusiastisch und ergänzt: „Für mich ist einfach die Verbindung zwischen Radio und Internet, wo ich beispielsweise Wettbewerbe verfolge, ideal. Da lerne ich die Musiker kennen.“ Mittlerweile würden die Künstler bei ihm anrufen, „um in Arenshorst oder im Schafstall spielen zu dürfen“, sagt Ventker, der deshalb eine Konzert-Vermittlungsagentur gegründet hat. „Das mache ich im Raum Bad Iburg bis Diepholz“, erklärt der Musiker, der auch für den KulturBunt Lemförde bereits mehrere Konzerte bestückt hat. Die allergrößte Freude für ihn ist jedoch: „Wenn man in einem Konzert aktive und ehemalige Schüler trifft. Dann weiß man, dass der pädagogische Auftrag funktioniert hat“, meint er begeistert.

Seit etwa einem halben Jahr ist Hartwig Ventker auch Mitglied im Vorstand des Kunst- und Museumskreises Bad Essen, organisiert dort nicht nur die Konzerte, sondern darf, als neues Betätigungsfeld, ebenfalls Ausstellungen mit vorbereiten. Im September gestaltet er die erste mit dem Maler Ulrich Müller, der auch Professor für Gitarre an der Fachhochschule Osnabrück ist. „Insofern habe ich eine Bewusstseinserweiterung erfahren: Wenn ich früher in einer fremden Stadt war, habe ich mich informiert, was dort für Konzerte laufen. Heute möchte ich neben den Konzerten erfahren, was es für Kunstausstellungen gibt.“

Sänger im Chor

Darüber hinaus singt Hartwig Ventker im Chor „Gospel and more“ in Barkhausen-Rabber mit, den seine Ehefrau Karin leitet. „Und ich bin ein leidenschaftlicher Fan von feucht-fröhlicher Geselligkeit“, gibt er zu. Deshalb gehöre er auch zu den Brockhauser „Carport Singers“, die sich bis zu dreimal pro Jahr treffen, auch bereits einige Auftritte bestritten haben. Weiter habe ihn nie seine ausgeprägte Neigung zu Fremdsprachen losgelassen. „Ich habe jahrelang intensiv Spanisch und Französisch gelernt, was dazu geführt hat, dass ich eine mehrwöchige Reise durch Argentinien gemacht habe und mit im Partnerschaftsverein Bolbec-Wittlage arbeite.“ Ferner engagiert sich Ventker im Initiativkreis Brockhauser Kotten. „Ich wünsche mir, dass er erhalten bleibt. Ich wünsche mir aber auch, dass die Zuhörerzahlen bei den Konzerten hoch bleiben und dass es uns immer wieder gelingt, neue kammermusikalische Besetzungen zu präsentieren. Und dass ich noch Zeit für eigene Auftritte finde.“


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