Bei Staatsempfängen Musik gemacht Landesposaunenwart Christian Fuchs kommt aus Wimmer

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Musik begleitet ihn sein ganzes Leben: Posaunenwart Christian Fuchs begeisterte sich schon im Kindesalter für Töne und Instrumente. Foto: Christa BechtelMusik begleitet ihn sein ganzes Leben: Posaunenwart Christian Fuchs begeisterte sich schon im Kindesalter für Töne und Instrumente. Foto: Christa Bechtel

Wimmer. „In meiner Familie ist es Tradition, dass meine Vorfahren auch im Posaunenchor im Christlichen Verein Junger Menschen (CVJM) in Nordrhein-Westfalen gespielt haben. Ich bin gebürtiger Sauerländer aus Lüdenscheid, habe da im Posaunenchor und parallel in der Musikschule im Alter von elf Jahren mit dem Trompetenunterricht angefangen“, erzählt Christian Fuchs.

Heute ist Fuchs Landesposaunenwart für den Kirchensprengel Osnabrück, den Kirchenkreis Stolzenau-Loccum, also für die Landkreise Osnabrück, Diepholz, Syke-Hoya sowie einem Teil von Hannover zuständig. Der Dienstsitz im Posaunenwerk ist das Michaeliskloster Hildesheim, das Evangelische Zentrum für Gottesdienst und Kirchenmusik.

„Recht früh entstand schon im Kindesalter der Wunsch, mehr mit Musik zu machen“, schildert Fuchs, der als Neunjähriger begann, Klavierunterricht zu nehmen. Begeistert lauschte er in Gottesdiensten oder während spezieller Konzerte zudem der Orgelmusik. Mit 14 Jahren hatte er solch einen tollen Trompeten-Lehrer, „dass ich mich bei ‚Jugend musiziert‘ qualifizieren konnte, Wettbewerbe gewann (er wurde Landessieger und Zweiter auf Bundesebene)“, stellt der gebürtige Lüdenscheider dar, für den recht bald der Reiz darin lag, Musik zu studieren.

Nach dem Abitur absolvierte er seine Wehrpflicht beim Stabsmusikkorps der Bundeswehr in Siegburg. „Das war zur Regierungszeit von Helmut Kohl und Richard von Weizsäcker, bei deren Staatsempfängen ich sehr viel Musik gemacht habe“, bemerkt Fuchs lächelnd. Anschließend startete er sein Musikstudium mit dem Hauptfach „Trompete“ an der Folkwang-Universität der Künste in Essen, das Fuchs mit der künstlerischen Reifeprüfung 1995 abschloss. Studiumbegleitend legte er seine Ausbildung zum C-Kirchenmusiker ab und übte nebenamtlich im Sauerland über zehn Jahre eine Stelle als Organist und Posaunenchorleiter aus. „Damit habe ich mir das Studium finanziert“, erzählt er.

Aus Liebe nach Wittlage

Nach einem Jahr ohne Anstellung begann Christian Fuchs 1996 in der Hannoverschen Landeskirche als Landesposaunenwart im Bezirk Hannover. „Deutschlandweit gibt es etwa 55 hauptamtliche Landesposaunenwarte“, verdeutlicht Fuchs, der 2006 in den Bezirk Osnabrück wechselte. Zunächst wohnte er in Melle-Neuenkirchen. „Die Liebe und die Familiensituation hat mich dann ins Wittlager Land nach Wimmer verschlagen“, gesteht er und lacht.

„Mein Beruf ist sehr vielseitig, was ich als großen Komfort ansehe“, unterstreicht der Landesposaunenwart. So sei er sowohl mit der Erwachsenenausbildung als auch mit der Ausbildung von Kindern und Jugendlichen betreut, berate Posaunenchöre und übe für die Kirchenmusik im Bereich der Bläser die Fachaufsicht aus. „Das heißt, ich bin Fachvorgesetzter für alle haupt- und nebenamtlichen Kirchenmusiker, die in ihrer Gemeinde einen Posaunenchor leiten“, zeigt er auf. Schwerpunkt sei, neue Kinder und Jugendliche für die Posaunenarbeit zu gewinnen, ihnen die Ausbildung zu ermöglichen. Fuchs: „Ein neuer Schwerpunkt ist auch, junge Erwachsene zu finden, die dieses Hobby pflegen möchten oder die eine Bindung an die Kirche suchen.“ Darin liege eine große Chance, „weil Erwachsene den Gemeinden erhalten bleiben, denn Kinder sind in der Regel nach Schule und Ausbildung weg“, meint der Wahl-Wimmeraner.

Neue Bläsergruppe

Seit einiger Zeit hat Christian Fuchs eine neue offene Bläsergruppe, den Sprengelposaunenchor, ins Leben gerufen. Mittlerweile ist die Gruppe auf über 110 Bläserinnen und Bläser angewachsen. Geprobt wird einmal monatlich in der Zeit von 19.30 bis 21 Uhr in den Gemeindehäusern der Kirchengemeinden in Bassum, Gretesch-Lüstringen sowie in Lintorf. Eingeladen sind alle Bläserinnen und Bläser, die über den Tellerrand des eigenen Posaunenchores hinausblicken, die neue Literatur oder nette Menschen kennenlernen möchten. Interessierte können sich an Fuchs wenden, Telefon 05472/8179581, Fax 05472/8179582, Mobil 0172-1576639 oder per Mail christian.fuchs@michaeliskloster.de.

Was für Christian Fuchs zurzeit ein besonderes Problem ist: „Ich empfinde einen chronischen Ausbildermangel.“ Deshalb würde derzeit viel Kraft und Zeit investiert, um neue Multiplikatoren auszubilden. Leute, die Zeit und Lust haben und bereit sind, sich verbindlich der Ausbildung von Posaunisten zu widmen, können sich mit ihm in Verbindung setzen. Auch im Hinblick auf den Landesjugendposaunenchor, den er seit einigen Jahren leitet, wird dringend Nachwuchs benötigt. „Da ermöglichen wir Jugendlichen, mal über den Tellerrand zu gucken, dass sie landesweit Menschen kennenlernen, die genauso sind wie sie, also Spaß am Musizieren haben und ein bisschen mehr wollen als zu Hause“, konstatiert Fuchs. Projektbezogen probe das Ensemble meistens im Michaeliskloster Hildesheim.

Sehr am Herzen liegt Christian Fuchs: „Dass die Posaunenarbeit als Teil der Kirchenmusik insgesamt in der Kirche noch stärker wahrgenommen wird – als verkündigendes Organ.“ Tatsache sei, dass in der Evangelischen Kirche keine anderen Gruppen so viele Menschen an die Kirche binden, wie die, die Musik machen, und das generationsübergreifend. Deshalb solle die Kirche seiner Meinung nach sehr viel tun und investieren, „dass das so bleibt und noch weitergeht. Die Hannoversche Landeskirche ist da sehr weit vorne. Aber man sollte sich mit dem Status quo nicht zufriedengeben“, wünscht sich Christian Fuchs abschließend.


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