Branche hart umkämpft Weihnachtsbäume: Im Wittlager Land gewachsen


Altkreis Wittlage.Was wäre ein Weihnachtsfest ohne einen Christbaum? Während in den USA oder England schon seit Jahren der Trend zum Plastikbaum geht, setzen die Deutschen nach wie vor auf Natürlichkeit. Der Duft, die Nadeln – es muss eben alles echt sein, damit es richtig Weihnachten wird. Für die Verkäufer beginnt nun die heiße Phase.

Ein Feld in Venne. Tausende Weihnachtsbäume sind dort in den Boden gepflanzt und warten nur darauf, bald verkauft zu werden. Es sind ganz unterschiedliche darunter: Große, kleine, wohl proportionierte, aber auch solche mit dickem Bauch. Die letzteren werden von Harald Driehaus in der Regel mit einem blauen Bändchen markiert. Rot, gelb und blau sind die Farben, an denen die Kunden die Güteklasse der Bäume erkennen können. Seit 1990 baut Driehaus Christbäume an, neun Jahre später hat er begonnen, sie in auch einem größeren Maßstab zu verkaufen. Viel hat sich seitdem in der Weihnachtsbaum-Branche getan. Vor allem die Präferenzen der Kunden haben sich stark verändert. „In den 80ern waren die Fichten noch der Renner, zehn Jahre später dann plötzlich die Blaufichten“, berichtet Driehaus.

Wachsen und Gedeihen

Seit der Jahrtausendwende geht der Trend nunmehr eindeutig zu der Nordmanntanne; rund 90 Prozent der Deutschen stellen sich zum Feste diesen Baum in ihre Wohnung.

Nordmanntannen seien lange Zeit einfach vergessen worden. Der derzeitige Boom ging dann schließlich aus Skandinavien aus, wo die Bäume sehr gut gedeihen. Da die Nadeln nicht stechen und sich der Baum relativ lange hält, erfreut sich die Nordmanntanne so großer Beliebtheit. Darauf hat sich auch Driehaus eingestellt, rund 80 Prozent der von ihm angebauten Bäume sind Nordmanntannen.

Mit den bisherigen Verkaufszahlen in diesem Jahr zeigt er sich sehr zufrieden. Für ihn beginnt das Geschäft mit den Weihnachtsbäumen nicht erst wenige Wochen vor Heiligabend, sondern bereits im August. Da nämlich wurde schon der Großhandel mit Bäumen versorgt. „Im Grunde genommen waren wir dann schon ausverkauft.“

In dieser Woche erwartet er den nächsten Ansturm auf die Weihnachtsbäume. Vor allem der Einzelhandel werde nun zugreifen. Immerhin müssten Gaststätten, öffentliche Plätze und Fußgängerzonen ja pünktlich zum Adventsbeginn mit den Bäumen dekoriert sein.

Nach einer kleinen Flaute bis zum dritten Advent werden dann bis zu Heiligabend vor allem Privatpersonen die Hauptabnehmer der Bäume sein. Manche Kunden würden das sogar auf den letzten Drücker machen. „Einmal kam jemand zu uns, der am 24. Dezember noch um 16 Uhr einen haben wollte. Natürlich konnten wir ihm den Wunsch erfüllen“.

Derzeit arbeiten vier Erntehelfer mit, mit den Verkäufern werden in der heißen Zeit kurz vor Weihnachten dagegen sogar bis zu 40 Personen im Einsatz sein. Im vergangenen Jahr konnten insgesamt 12000 Bäume verkauft werden. Dies soll nun getoppt werden. „Dieses Jahr gab es mehr Bestellungen vom Großhandel als 2012. Aber abgerechnet wird zum Schluss. Mal gucken, wie nun die Verkäufe für den Einzelhandel und die Privatleute laufen“, verzichtet Driehaus noch auf eine Prognose.

Die Preise für die Christbäume sind in den vergangenen Jahren allgemein angestiegen. Vor allem für Bäume mit einer Größe über zwei Metern. Während es um die Jahrtausendwende eine Überproduktion an Bäumen gegeben habe, welches die Preise fallen ließ, ist das Angebot seit wenigen Jahren geschrumpft. Die Nachfrage ist dennoch weiterhin groß geblieben. Zwischen zehn bis 20 Euro müssen die Kunden bei Driehaus für einen Baum bezahlen. „Teurer können wir es nicht machen. Sonst kauft niemand mehr einen Baum“, sagt er.

Hoher Arbeitsaufwand

Der Anbau von Tannenbäumen ist sehr arbeitsintensiv. Sie brauchen viel Zeit zum Wachsen und Gedeihen. In der Regel dauert es acht bis zehn Jahre, bis sie verkauft werden können. Dieser hohe Arbeitsaufwand und die starke Konkurrenz durch Großproduzenten haben dazu geführt, dass einige Erzeuger und Verkäufer zuletzt aus der Branche ausgestiegen sind. Dazu zählt auch die Bohmter Gärtnerei Fortmann. Seit 2008 verkauft der Laden keine Weihnachtsbäume mehr. Die Branche habe sich in den vergangenen Jahren stark verändert, berichtet Inhaber Ronald Fortmann. Der Verkauf der Bäume sei zu einem richtigen Event geworden.

Man müsse den Kunden etwas Besonderes bieten, Familien ansprechen und gleichzeitig auch noch für eine spezielle Atmosphäre sorgen. Gerade in den vergangenen Jahren hätten sich viele Landleute dazu entschieden, auch Weihnachtsbäume zu verkaufen. Die neuen Mitbewerber um die Gunst der Kunden sei aber nicht der einzige Grund gewesen, aus dem Weihnachtsgeschäft auszusteigen. „Vor fünf, sechs Jahren haben wir den Laden umgebaut. Neben Gewächshäusern ist auch ein Parkplatz entstanden. Wir haben einfach nicht mehr den Platz, Weihnachtsbäume auszustellen“, sagt Fortmann. An den Verkaufszahlen habe es dagegen nicht gelegen. „Die waren vollkommen in Ordnung“, berichtet er.

Auch Honermeyer in Bad Essen hat sich weitestgehend aus dem Verkauf von Christbäumen zurückgezogen. „Es läuft bei uns eher nur noch nebenbei. Wir bauen mittlerweile auch keine mehr an“, berichtet Thorsten Honermeyer. Grund sei vor allem die Konkurrenz. Dass das Geschäft den Verkauf der Bäume so drastisch reduziert hat und diesen nur noch nebenbei betreibt, bereitet ihm dennoch keine Bauchschmerzen. „Wir haben auch anderweitig sehr viel zu tun“, erzählt er.

Obwohl sich Driehaus einen Großteil des Jahres mit Christbäumen befassen muss, hat er dennoch immer wieder Lust auf Weihnachten. Doch welchen Baum stellt er und seine Familie sich zu Hause auf? „Wir nehmen immer das, was übrig ist. Meist eine Nordmanntanne“, betont er und lacht.


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