Literatur- und Musiktage Ein Abend mit Bertold Brecht in Bad Essen

Von Christa Bechtel

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Sebastian Albert und Alix Dudel begeisterten das Publikum bei dem Brecht-Abend. Foto: Christa BechtelSebastian Albert und Alix Dudel begeisterten das Publikum bei dem Brecht-Abend. Foto: Christa Bechtel

Bad Essen. Alix Dudel, Gesang und Wort, und Sebastian Albert an der Gitarre gastierten im Bad Essener Schafstall an der Bergstraße. In ausdrucksstarken Klang- und Wortbildern gelang den beiden Künstlern ein wortgewaltiges Porträt des Dichters und Visionärs Bertolt Brecht. Ihr Auftritt bildete den zweiten Teil der 1. Literatur- und Musiktage in Bad Essen.

Zum Auftakt der Veranstaltung bedankte sich Wolfgang Bielefeld, der Vorsitzende des Kur- und Verkehrsvereins Bad Essen, bei Beatrice le Coutre-Bick, Leiterin des Literaturbüros Westniedersachsen, sowie Annette Ludzay, Geschäftsführerin des Kur- und Verkehrsvereins, die sich in diesem Jahr beide für das Programm verantwortlich zeichneten. „Nach dem sehr musikbetonten Programm gestern freue ich mich, dass wir heute den Abend Bertolt Brecht widmen“, betonte Beatrice le Coutre-Bick.

Alix Dudel, die Diseuse mit dem unverwechselbaren Timbre, die sich auch international als Sängerin und Schauspielerin einen Namen gemacht hat, war extra aus Berlin angereist. An ihrer Seite war Sebastian Albert, der mit seinem Gitarrenspiel den wolkenweichen Boden bot, in die die Melancholie der zumeist gesungenen Worte sinken konnte.

Brecht-Songs mit klassischer Gitarrenbegleitung – kann das überhaupt funktionieren? Und ob! Jedenfalls, wenn man einen so technisch versierten und fantasievollen Gitarristen hat wie Sebastian Albert. Er hat die von Hanns Eisler, Paul Dessau und Kurt Weill im Original für das Klavier konzipierten Begleitsätze fast notengetreu auf die Gitarre übertragen.

Erweitert wurde das Repertoire durch eigene Arrangements sowie durch anspruchsvolle Konzertetüden des Brasilianers Heitor Villa-Lobos. Ob „Erinnerung an die Marie A“, „Der Schuh des Empedokles“, Brechts Versuch, den spektakulären Tod des Philosophen zum Exemplum gegen Aberglauben und Mystifikation umzudeuten: Musik, Worte und Gesang rundeten sich ab, bildeten eine atmosphärische Dichte und Einheit. Somit bekamen die Besucher einen umfassenden Überblick über das riesige Œuvre von Bertolt Brecht.

„Setzen Sie sich!“ Mit dieser Aufforderung an das Publikum begann der zweite Teil des Abends. Bei dieser Art von Ansprache an die „Flachköpfe“ handelt es sich um jene von Brecht so herrlich witzig und komisch konstruierten Publikumsbeschimpfungen. Es machte einfach großen Spaß, den beiden Künstlern sowohl zuzuhören als auch zuzusehen.

Denn, um Brecht-Songs zu interpretieren, benötigt man alles andere als eine klassische Gesangsausbildung. Alix Dudels tiefe, etwas rauchige Stimme liegt irgendwo zwischen Gesang und Sprache. Sie bildet eine weite Palette der Gestaltungskunst. Mal ist sie heiter, mal aggressiv, mal heult sie wie im Gassenhauer „Surabaya-Johnny“, mal führt sie introvertierte Selbstgespräche und ist dann wieder mahnend und belehrend.

Bertolt Brecht will nicht gefallen. Er will keinen vordergründigen Applaus, er muss niemandem gerecht werden. Er will einfach nur nachdenklich machen.

Zwei Zugaben gab es schließlich für das begeisterte Publikum: ein gemeinsam gesungenes Trinklied sowie die Ballade von der Unzulänglichkeit des menschlichen Strebens.


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