Mehr Kinder mit Mobiltelefon Handy-Verbot an Grundschulen im Altkreis Wittlage

Auch an der Grundschule Bad Essen werden keine Handys bei den Schülern geduldet.Foto: Nadine Grunewald/ColourboxAuch an der Grundschule Bad Essen werden keine Handys bei den Schülern geduldet.Foto: Nadine Grunewald/Colourbox

Altkreis Wittlage. Handys und Smartphones sind aus der heutigen Zeit nicht mehr wegzudenken. Laut Bitkom besitzen 63 Millionen Deutsche ein Handy. Und das Alter, in dem ein Mensch erstmals ein Handy besitzt, wird immer niedriger. Auch zahlreiche Grundschüler haben ein Mobiltelefon. Die Grundschulen im Altkreis Wittlage aber verbieten die Nutzung während der Schulzeit.

Zehn Prozent der sechs- bis siebenjährigen Kinder in Deutschland haben ein eigenes Handy. Das hat der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest jetzt in einer Studienreihe ermittelt. Auch die Grundschullehrer und -leiter, die im Altkreis Wittlage tätig sind, haben einige ihrer Schützlinge bereits über ihre Mobiltelefone reden hören. An den Grundschulen in Bad Essen, Lintorf, Venne, Bohmte und Hunteburg gibt es deshalb eine klare Regel: Handys müssen zu Hause bleiben.

Verboten

„Bei uns ist es grundsätzlich verboten, elektronisches Spielzeug mitzubringen“, sagt Gabriele Spang. Da seien sie konservativer als weiterführende Schulen. Laut der Rektorin der Grundschule Bad Essen haben die meisten der Kinder, die ihre Schule besuchen, ein Handy. Wer doch mit einem erwischt wird, hat Pech gehabt: Das Handy wird eingesammelt, und die Eltern werden informiert. Die können das dann abholen. Das sei aber bislang noch nicht vorgekommen. Auch in der Elternschaft sei das kein Thema – „seltsamerweise“, wie Spang hinzufügt.

Ebenso wird das Thema in der Grundschule Lintorf gehandhabt. Kinder und Eltern wissen, dass Handys dort verboten sind. „Es besteht keine Notwendigkeit dafür“, erklärt Schulleiterin Hannelore Brokamp. „Wir sind eine Verlässliche Schule, die Kinder sind verlässlich hier. Sie gehen nicht früher.“

Die Eltern einiger Kinder, die die Grundschule Hunteburg besuchen, wollen, dass ihr Nachwuchs ein Mobiltelefon mitnimmt, da oft weite Wege zurückzulegen sind. „Mit Betreten des Schulgeländes müssen sie es körperfern tragen“, erklärt Schulleiterin Annegret Menke.

Kein Thema

Sowohl an der Erich Kästner-Schule in Bohmte als auch an der Venner Grundschule stelle sich diese Frage gar nicht erst. „Das ist bei uns kein Thema“, sagt Julia Brigulla. Deshalb gebe es laut der Rektorin auch keine feste Regelung hinsichtlich des Umgangs mit Mobiltelefonen. „Bei uns auf dem Dorf brauchen sie noch keins.“ Wenn es den Eltern wichtig sei, dürften die Kinder ein Handy mitnehmen. Das müsse dann aber aus sein.

An der Erich Kästner-Schule wurde mit den Eltern verabredet, dass die Grundschüler kein Handy mitnehmen. „Wenn Nöte sind, wird vom Sekretariat zu Hause angerufen“, erklärt Schulleiter Uwe Heuer. Seine Begründung teilen die Verantwortlichen der anderen Bildungseinrichtungen: Die Kinder sollen nicht abgelenkt werden und sich auf die Schule konzentrieren. „Sie sollen auch in der Pause nicht damit spielen, sondern altersgerechte Pausenspiele spiele“, sagt Heuer. Handys oder gar Smartphones könnten bei den Mitschülern darüber hinaus Neid auslösen – und möglicherweise zu Diebstahl verleiten.

Die Schulleiter sind sich einig: Ein Handy im Grundschulalter ist definitiv zu früh. „Man muss in dem Alter keins haben. Früher ging es auch ohne“, sagt Hannelore Brokamp. Allerdings weiß sie, dass Eltern heute ängstlicher seien als früher. Sie wollen, dass sie ihr Kind jederzeit erreichen können und anders herum. „Am Nachmittag könnte man vielleicht mal eines ohne Vertrag zum Telefonieren mitgeben zur Sicherheit“, sagt die Lintorfer Schulleiterin deshalb.

Trügerische Sicherheit

Für ihre Kollegin von der Bad Essener Grundschule ist das eher eine vorgegaukelte Sicherheit für die Eltern. Im Falle eines Notfalls bräuchten die Kinder sofort Hilfe – und seien in dem Moment bereits mit der Situation allein überfordert. „Das Handy gibt Kindern ein Stück Erwachsensein, weil alle eines haben.“ Häufig lebten ihnen die Eltern bereits vor, dass man ständig erreichbar sein müsse und jeden Moment eine Nachricht bekommen könnte.

Annegret Menke fände ein Kinderhandy in Ordnung – zur Beruhigung für die Eltern. Bei den heutigen Smartphones sei der Nutzfaktor jedoch nicht mehr auf Notfälle begrenzt. „Man kann viel anderes damit machen.“

So kann das Handy schnell zur Kostenfalle werden. „Für Kinder ist es ein Spielzeug, das vergleichsweise viel Geld kostet“, sagt Gabriele Spang. Das sei Eltern oft nicht klar.


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