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Er wollte Kapitän werden Wittlager Kopf: Caspar Sieveking ist Chefarzt der Wiehengebirgsklinik

Von Christa Bechtel

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<em>Caspar Sieveking </em>ist nicht nur Chefarzt der Paracelsus-Wiehengebirgsklinik in Hüsede, sondern hegt auch eine große Liebe zur Kunst. Foto: Christa BechtelCaspar Sieveking ist nicht nur Chefarzt der Paracelsus-Wiehengebirgsklinik in Hüsede, sondern hegt auch eine große Liebe zur Kunst. Foto: Christa Bechtel

Bad Essen. „Kapitän wollte ich werden. Ich hatte mir in meiner Schulzeit sogar schon überlegt wo anzuheuern und mir eine Route ausgedacht, mit der ich um die Welt fahren wollte. Aber das waren Kindheitsträume“, sagt Dr. Caspar Sieveking, Chefarzt der Paracelsus-Wiehengebirgsklinik.

Im Leben des 65-Jährigen steht heute auf der einen Seite die Klinik, auf der anderen seine Liebe für die Kunst. Als Vorsitzender des Kunst- und Museumskreises Bad Essen ist er vielen Menschen in der Region bekannt, obwohl Caspar Sieveking ein echter Hamburger Junge ist, der in einem humanistisch geprägten Elternhaus nach der Vorstellung der alten Griechen aufwuchs.

Als er neun Jahre alt war, wurde sein Vater zum Bundesrichter am Bundesverwaltungsgericht Berlin berufen, sodass der junge Caspar die Auswüchse des Kalten Krieges und den Mauerbau mitbekam. Seine Schulzeit absolvierte er am Humanistischen Gymnasium Berlin. Warum nach diesen Kindheitsträumen ausgerechnet Medizin? „In meiner Jugend suchte ich nach Orientierung und dachte: Das Schwierigste ist, mit sich selbst und mit anderen Menschen zurechtzukommen. Deshalb wollte ich Psychologie und Soziologie studieren.“ Glücklicherweise habe er einen Vetter gehabt, der Physik studierte und ihm sagte: „Das kannst du ja machen, aber mach mal vorweg ein paar Semester Medizin“, erzählt Sieveking, der gar nicht damit rechnete, dass er überhaupt seine Zulassung zum Medizin-Studium bekam, denn: „Ich hatte kein besonders gutes Abitur. Aber ich hatte Glück und bekam in West-Berlin einen Studienplatz. Am Anfang nicht unbedingt mit der Vorstellung, Arzt zu werden“, so der Wahl-Bad Essener, der die Hochzeit der 68er-Studentenbewegung in Berlin miterlebte, sich sogar in einer politischen Gruppierung engagierte, heute aber froh ist, konsequent sein Medizinstudium durchgezogen zu haben. Nach dem Physikum ging Caspar Sieveking ins Ruhrgebiet nach Bochum und Essen, wo er auch sein Examen ablegte. In Gelsenkirchen-Buer bekam der frischgebackene Internist seine erste Stelle. Dort war ein Oberarzt, der ein Faible für die Kardiologie hatte. „Es gab damals in Deutschland kaum Intensivstationen.

Und dieser Oberarzt schaffte es beim Klinikträger, die ersten Apparate anzuschaffen. Da habe ich das erste Mal Interesse an diesen naturwissenschaftlichen, biologischen Grundlagen gehabt. Dass Physik, Biologie und Medizin, dass das alles zusammenhängt. Das war für mich faszinierend, hat mir Spaß gemacht“, erinnert sich Sieveking, der dadurch bei der Inneren Medizin blieb.

Von Gelsenkirchen wechselte der gebürtige Hamburger wieder nach Bochum an die Uni-Klinik, wo er im Auftrag der NRW-Landesregierung eine wissenschaftliche Untersuchung im Hinblick auf „Luftreinhaltepläne“ und damit verbundene Atemwegserkrankungen übernahm. Auf diese Weise schrieb er seine Doktorarbeit. In Bochum legte er zudem die Facharztprüfung zur Inneren Medizin ab.

Über Kontakte erfuhr Dr. Caspar Sieveking, dass die Suchtkliniken im Bad Essener Raum händeringend Internisten suchten. „Für mich war damals entscheidend, ob ich mit dem Chef klarkomme“, so der Mediziner, der 1986 Dr. Jürgen Loos als Chef bekam, in der Berghofklinik als internistischer Oberarzt eingestellt wurde und mit seiner Ehefrau Martina und seinen beiden Kindern in den Altkreis Wittlage kam.

Als Loos 1994 ging, bewarb sich Sieveking für die Chefarzt-Stelle in Hüsede, doch: „Als Internist eine Suchtklinik zu leiten ist ungewöhnlich, das machen eigentlich Psychiater“, zeigt er auf. Während seiner Oberarztzeit in der Berghofklinik hatte er jedoch glücklicherweise eine Psychotherapie-Ausbildung abgeschlossen.

Medizin ein Kaufladen?

Aus seiner Sicht habe sich die Medizin nicht günstig entwickelt, nämlich zu einem Kaufladen, wo Angebote verkauft werden. Insofern sei die Krankenhausmedizin und die Medizin der niedergelassenen Kollegen zu einer kommerziellen Kaufladenmedizin geworden. „Und das ist nicht mein Ding“, unterstreicht Sieveking, der froh ist, in der Rehabilitation und in der Sucht tätig zu sein. „Wo die realen Verhältnisse der Gesellschaft auf einen einwirken. Dem möchte ich mich auch aussetzen“, betont der Internist, der sich nicht nur in der Klinik, sondern auch in der Gemeinde sowie in verschiedenen wissenschaftlichen Vereinen gerne engagiert. „Die Kunst ist für mich ein wichtiger Ausgleich“, gesteht der Suchtmediziner, der für bis zu 146 Patienten verantwortlich ist. Das ergänze sich auch, so Sieveking, der bei Ausstellungseröffnungen im Bad Essener Schafstall häufig seine Erfahrungen aus der Medizin und der Psychotherapie einbringt. „Um diesen subjektiven Blick auf die Kunst zu vermitteln.“

Außerdem hat Sieveking mit fast 60 Jahren angefangen, Gitarre zu spielen, zu singen, und er spielt Tennis. Ein weiteres Hobby von ihm ist die Zukunft unserer Gesellschaft mit brandheißen Themen, denn: „Wir hatten das damals noch nicht, die Angst um die Zukunft. Die jetzige Jugend hat das“, meint Dr. Caspar Sieveking, der sich in Bad Essen sehr zu Hause fühlt. „Da meine beiden Kinder, heute selbst Ärzte, hier aufgewachsen und zur Schule gegangen und meine Frau und ich seit über 26 Jahren hier beruflich etabliert sind.“


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