Homann sponsert kaum lokal Als der Fahrer des Chefs den Dorfrasen mähte

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Homann-Werbepartnerin Barbara Schöneberger isst mit dem Sieger eines bundesweiten Kartoffelsalat-Wettbewerbs eine Portion desselbigen. Foto: Elvira PartonHomann-Werbepartnerin Barbara Schöneberger isst mit dem Sieger eines bundesweiten Kartoffelsalat-Wettbewerbs eine Portion desselbigen. Foto: Elvira Parton

Lintorf/Dissen. Der Dissener Lebensmittelhersteller Homann bewirbt seine Ware mit der schillernden Barbara Schöneberger im ganzen Land. Fürs Sponsoring des lokalen Sports scheint da kein Geld übrig zu bleiben. Die Vereine lassen aber nicht locker.

Vorn Schlaglöcher, hinten Bodenwellen – die schweren Lastwagen haben der Heinrich-Hamker-Straße arg zugesetzt. Außer ihrem Namensschild erinnert kaum noch etwas daran, dass das nahe Unternehmen einmal „Heinrich Hamker Lebensmittelwerke“ hieß. Ketchup, Mayonnaise und Saucen werden am Rande des Örtchens Lintorf bei Bad Essen zwar immer noch gemacht. Aber Hamker ist nicht mehr. 2008 übernahm der Konkurrent Homann Feinkost aus Dissen das Kommando.

Veränderungen

Damit änderte sich schlagartig auch das Verhältnis des Unternehmens zum öffentlichen Leben im rund 2000 Einwohner zählenden Lintorf. Die Sponsorengelder für den VfL Lintorf versiegten. Das Hamker-Logo auf den Trikots verschwand, und die Hoffnung des Vereinsvorstands, dass Homann den frei gewordenen Platz auf der Spielerbrust mit seinem Logo bedecken würde, blieb unerfüllt.

„Wir fragen natürlich immer wieder an“, sagt Jens Balshüsemann, der Vorsitzende des VfL. Homann verweise dann auf sein breitenwirksames Marketing-Konzept, das kein lokales Sponsoring vorsehe. Balshüsemann, der bei der örtlichen Volksbank tätig ist, sagt das ohne Bitterkeit. „So etwas liegt im Ermessen des Unternehmens, das muss man respektieren.“ Aber schade sei es halt schon – genau wie diese Sache mit dem Dorfplatzrasen.

Wenn eine Stelle im Ort den lokalen Bürgersinn symbolisiert, dann der Dorfplatz: Rund 150 Lintorfer halfen, das 1,4 Hektar große Gelände herzurichten: Fußballfeld, Basketballkörbe, Klettergerüste, ein Wasserlehrpfad, eine Tribüne, die Dorfhütte und jede Menge Rasen. Den mähte stets der Chauffeur des Firmenchefs Klaus Hamker. Unermüdlich umkurvte der Mann mit einem kleinen Aufsitzmäher Sandkästen, Bäume und Büsche. Auch das ist vorbei.

Geld für Werbung

Gefragt nach den Gründen für den Rückzug aus dem Lintorfer Dorfleben antwortet eine Sprecherin des Homann-Mutterkonzerns, der Theo-Müller-Gruppe im fernen Freising, es sei den Verantwortlichen schon bewusst, dass viele Vorhaben Förderung verdienten. Aber: „Aufgrund der Vielzahl der Anfragen ist es uns dennoch nicht möglich, jedes gute und interessante Projekt finanziell zu unterstützen.“ Homanns Marketingbudget fließt vor allem in Werbekampagnen mit der fotogenen Entertainerin Barbara Schöneberger („Homannomann, ist der gut“). Dahinter stehe eine andere Motivation, so die Firmensprecherin, nämlich „den Bekanntheitsgrad unserer Produkte bundesweit noch weiter auszubauen“.

Ähnlich mögen die Antworten klingen, die die Ehrenamtlichen der TSG Dissen zu hören bekommen, des Sportvereins in Homanns Heimatort am Teutoburger Wald. Dort haben sie sogar eine Turnhalle nach Hugo Homann, dem Unternehmensgründer, benannt – damals, als der Kartoffelsalat-Hersteller noch nicht zum Lebensmittelreich des Heiner Kamps gehörte, der dieses später mit der bayerischen Müller-Gruppe fusionierte.

Allerdings ist Homann beim Knausern in prominenter Gesellschaft: Auch ortsansässige Größen wie Fuchs (Gewürze) und Gausepohl (Fleisch) haben nach Auskunft von Franz Pepinghege, dem Vorsitzenden der TSG Dissen, Bitten um Spenden abschlägig beschieden. Beim Fleischverarbeiter Schulte immerhin erhalte man Grillwürstchen für Vereinsfeste billiger. Ein bisschen geht eben doch.

Auch bei Homann haben die Vereinschefs noch nicht alle Hoffnung aufgegeben. Pepinghege will es anlässlich der baldigen Umwandlung eines Hartplatzes in einen Kunstrasenplatz wieder versuchen. Auch Balshüsemann plant schon den nächsten Anlauf. Denn: „Dumme Fragen gibt’s ja nicht.“


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