zuletzt aktualisiert vor

Border Collie in der Grundschule Lehrer auf vier Pfoten in Bad Essen

Von Christa Bechtel


Bad Essen. Er hat vier Pfoten, ein weiches Fell, freundliche, blitzende Augen, und obwohl er kein Schüler ist, nimmt er trotzdem jeden Montag am Unterricht der 4b in der Grundschule Bad Essen teil: Lenni, der eineinhalb Jahre alte Border Collie, der Klassenlehrerin Karina Rolf gehört.

Damit Karina Rolf überhaupt den Hund mit in die Schule bringen konnte, wurden er und sie in der Hundeschule Pro Dog aktiv in Melle-Oldendorf, die mit ehrenamtlichen Mitarbeitern arbeitet, ausgebildet.

Dank verschiedener Prüfungen und eines Zertifikats ist Lenni jetzt ein richtig ausgebildeter Schulhund. „Diese werden heute schon an mehr als 90 Schulen, überwiegend aber an Fördereinrichtungen, eingesetzt“, weiß Karina Rolf. Mittendrin ist sie zurzeit mit ihm im Therapiehunde-Training.

„Lenni wurde uns von Frau Rolf in der Schulelternratssitzung eingehend vorgestellt, damit wir auch einiges an Hintergrundwissen bekamen“, erklärt Claudia Nordsieck, stellvertretende Schulelternratsvorsitzende. Anfangs habe es noch Bedenken gegeben, vor allem wie ängstliche Kinder oder solche mit einer Hundeallergie reagieren würden. Aber: „Kinder, die Probleme haben, vielleicht Konzentrationsstörungen, die ängstlich sind oder mit Mitschülern Probleme haben – das kann Lenni kompensieren“, meint die engagierte Elternvertreterin der Klasse 4b.

Letztendlich hätten die Eltern das Ganze als eine tolle Idee empfunden „und sich ziemlich schnell dafür entschieden“, freute sich Claudia Nordsieck, die von Eltern und Schülern nur positive Rückmeldungen bekommt. Viertklässlerin Linda hat sogar vor wenigen Tagen selbst einen Hund bekommen ...

Seit Januar geht Lenni also jeden Montag mit „Frauchen“ Karina Rolf in die Grundschule. „Das waren anfangs für ihn viele neue Geräusche, Eindrücke“, blickt die Lehrerin auf seine Eingewöhnungsphase zurück.

Derzeit ist der Vierbeiner nur montags vor Ort, doch „das ist noch ausbaufähig, sodass er vielleicht in Zukunft zwei- bis dreimal die Woche mitkommt“, verdeutlicht Rolf, die das noch recht junge Tier nicht überfordern möchte. „Das wissen die Kinder: Wenn sie zu laut sind, dann bringe ich Lenni weg“, weist Karina Rolf darauf hin, dass die Viertklässler montags immer besonders leise sind und auf den Hund Rücksicht nehmen. Auch insofern, als „dass kein Essen aus den Schulranzen herausguckt, denn das wäre zu verführerisch“, sagt die Lehrerin schmunzelnd. Die Schülerinnen und Schüler dürften auch nicht einfach zu dem Border Collie hinstürmen, sondern „das ist geregelt, wer ihn wann streichelt“.

Besonderen Spaß haben Lenni und die Schüler, wenn Karina Rolf „Leckerlis“ für ihn bei den Mädchen und Jungen versteckt, die er dann finden muss. „Wenn Frau Rolf sagt ‚hol mal‘, dann holt er das Teil und bringt es zurück“, schwärmt Linus. Sascha findet es richtig gut, wenn er Lenni streicheln darf, und Noah schreibt sogar bessere Noten, seitdem der Hund dabei ist.

„In den letzten Minuten machen wir Spiele, mit denen wir Leckerlis für Lenni verdienen können“. Das findet Alexander klasse. „Das Lernen macht viel mehr Spaß, und ich schreibe seitdem in Sachkunde bessere Noten“, stellt Peter positiv heraus. Marie meint: „Wir nehmen viel mehr Rücksicht aufeinander, und die Lautstärke hat sich verändert.“

Kein Wunder bei so zahlreichen bejahenden Veränderungen, dass die anderen Klassen auch bereits fragen: Wann kommt Lenni mal zu uns? „Angedacht ist, dass der tricolorfarbene Border Collie zukünftig dreimal die Woche in verschiedene Klassen mitgeht“, zeigt sich Karina Rolf über die tolle Resonanz begeistert.