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„Handel war immer mein Ding“ Familie Eisenblätter mit Gemüsestand auf Wochenmärkten im Landkreis unterwegs – auch in Bad Essen

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<em>Fertig angerichtet:</em> Anne und Uwe Eisenblätter haben die Ware ausgepackt. Jeden Donnerstag stehen sie auf dem Kirchplatz in Bad Essen. Foto: Désirée TherreFertig angerichtet: Anne und Uwe Eisenblätter haben die Ware ausgepackt. Jeden Donnerstag stehen sie auf dem Kirchplatz in Bad Essen. Foto: Désirée Therre

Bad Essen. Mit Onkel Willi fing alles an. 1949 gründete er das Geschäft für Obst und Gemüse in Wimmer. 1998 übernahm Uwe Eisenblätter mit seiner Frau Anne den Handel von seinen Eltern. Heute beschicken die Eisenblätters die Wochenmärkte in Bad Essen, Belm, Ibbenbüren und Osnabrück.

Jede Woche Donnerstag stehen die Eisenblätters mit ihren Kirschtomaten, Grünkohl, Apfelsinen und Zwiebeln auf dem Kirchplatz in Bad Essen.

Gegen 10 Uhr fahren sie mit dem Laster vor der Kirche vor, tragen die Kisten und Paletten aus dem Wagen und bauen den Stand auf. Seit vier Uhr ist Uwe Eisenblätter unterwegs, denn zuvor hat er mit seiner Tochter die Ware auf den Belmer Wochenmarkt gebracht und dort den Stand hergerichtet.

Bei der Auswahl der Produkte, die sie meist auf einem Großmarkt in Bielefeld einkaufen, achten die Eisenblätters auf Qualität. Und die habe ihren Preis. Aber das wüssten die Kunden zu schätzen, sind sie sich sicher. „Gott sei Dank sind Sie wieder da“, sagten die Kunden, wenn sie denn mal Urlaub machten. Oder: „Haben Sie noch von den Nüssen?“ „Wir wissen schon, was die Leute gerne möchten“, sagt Anne Eisenblätter. Auf dem Markt in Ibbenbüren „haben wir ein sehr gutes Kartoffelgeschäft“, sagt sie. „Weil das immer schon so war.“

In Osnabrück werde sehr viel Gemüse gekauft, in Bad Essen mehr Obst. Auf dem Samstagmarkt in Osnabrück kämen auch viele jüngere Kunden, Studenten, erzählt Anne Eisenblätter. In Bad Essen seien es eher ältere Stammkunden. „Wo es so glatt war, werden sie mit Begleitung hier hingebracht und kaufen dann ein“, sagt sie. „Die rufen uns auch an, dann bringen wir auch gerne etwas vorbei.“ Einmal habe sie sogar selbst gestrickte Socken geschenkt bekommen. Viele Kunden kämen auch, um einfach ein bisschen zu erzählen, „die halbe Lebensgeschichte – oder die ganze“, sagt Anne Eisenblätter. Ihr Mann sei immer bemüht, es den Kunden „recht zu machen“. „Dass dann auch mal ein Sack Kartoffeln dabei ist, der nicht so schön ist, ist auch mal klar“, sagt sie.

So gut wie ihre Kunden kennen die Eisenblätters auch ihr Gemüse. Die Zwiebel beispielsweise: fest, trocken, auf keinen Fall weich, ohne Keime und Stockflecken – so muss sie sein. „Mein Vater putzt jede einzelne Zwiebel“, sagt Uwe Eisenblätter.

Dazu kippt er sie auf ein Brett im Lager, schiebt sie hin und her und sortiert die schlechten aus. So hat es auch schon Onkel Willi gemacht. Die Zwiebel ist Aufgabe des Seniors in dem Familienunternehmen.

„Ich bin da von der Jugend an mit reingewachsen“, sagt Eisenblätter. Eigentlich ist er gelernter Kfz-Schlosser und arbeitete beim Rabe-Werk. Aber: „Der Handel war immer schon mein Ding“, sagt er. Immer wenn Anne Eisenblätter Zeit hatte, fuhr die gelernte Bürokauffrau bereits in den ersten Jahren mit ihrer Schwiegermutter auf den Domhof nach Osnabrück, um dort auszuhelfen.

Die Gespräche mit den Stammkunden, die Mittagspausen bei Wurstverkäufer Rolli an der Imbissbude auf dem Bad Essener Markt und das Gemeinschaftsgefühl unter den Marktstandbesitzern, „das Marktflair“, sagt Uwe Eisenblätter. Deswegen gefällt den Eisenblätters ihr Gemüsehandel.

Und dass „immer etwas passiert“, sagt Uwe Eisenblätter. Zweimal schon sei der Ölschlauch der Hebebühne geplatzt oder „dann hat man einen Platten“. Einmal habe auf ihrem Platz in Ibbenbüren ein Truck gestanden. „Der wusste nicht, dass Markt war“, sagt Anne Eisenblätter. Jeder Marktbeschicker habe immer den gleichen Platz. Wichtig sei, „zeitig da zu sein, um in die Lücke zu kommen“, erklärt sie. Das sei sowieso „ein Wunder“, wie es immer gelinge, die Wagen so zu rangieren, dass alles passe. „Über den Ablauf denkt nie jemand nach“, sagt Anne Eisenblätter.

Über die Jahre sei das Geschäft aber auch anstrengender geworden. „Es ist immer mehr Stress, die Ruhe von damals ist verloren gegangen“, sagt Uwe Eisenblätter. Wegen der grünen Plakette waren sie gezwungen, einen neuen Lastwagen zu kaufen. „Es wird einem immer schwieriger gemacht“, findet Uwe Eisenblätter.

Bei Kälte, Hitze, Sturm draußen stehen. Früh morgens „alles in Kisten verpacken, auf Rollis gestapelt, in den Lkw, ausgeladen, aufgebaut, abgebaut, in Wimmer wieder abgeladen“, zählt Anne Eisenblätter auf. Im Frühjahr, der Hauptverkaufszeit, gehe der Arbeitstag bis in die Abendstunden. „Der Freundeskreis schrumpft immer mehr“, sagt Anne Eisenblätter ein wenig bedrückt. „Ich weiß nicht, ob ich das einem Kind zumuten will“, sagt sie über ihre vier Kinder. Bislang arbeitet eine Tochter im Geschäft mit.


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