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Literakur zu Ehren von Robertr Burns Schottisches Fest in Bad Essen

Von Christa Bechtel

Literakur in Bad EssenLiterakur in Bad Essen

cb Bad Essen. Am zweiten Literakurabend verwandelte sich der Bad Essener Schafstall für etwa drei Stunden in eine schottische Hochebene: „Freiheit ist ein großes Fest“ lautete das Motto des literarisch-musikalischen Robert-Burns-Abends, für den die Veranstalter Heiko Postma, Burns-Biograf und Übersetzer sowie den Schotten Robert Paterson, Musik, gewinnen konnten.

Stilgerecht wurden dazu eine „Cock-a-leekie“ Suppe, eine schottische Hühnersuppe mit Hühnerfleisch, Backpflaumen und Lauch, die das Torhaus Café zur Verfügung gestellt hatte, sowie schottischer Whisky serviert. „Heute Abend haben wir zum gestrigen Mascha Kaléko-Abend ein Kontrastprogramm, denn Sie müssen sich gedanklich in eine Kneipe, Spelunke in Schottland versetzen“, forderte Wolfgang Bielefeld, Vorsitzender des Kur- und Verkehrsvereins Bad Essen, der in Kooperation mit dem Verband Deutscher Schriftsteller Niedersachsen-Bremen (Jutta Sauer) und der Gemeinde Bad Essen zu dieser Veranstaltung eingeladen hatte, die Besucher auf.

Und fürwahr als der junge Farmpächter und Poet Robert Burns im Herbst 1785 in „Poosie Nansie´s Taverne einkehrte, die bis heute im schottischen Lowland-Ort Mauchline existiert, traf er auf eine Runde verwegener Gestalten, die ihn inspirierte, seine Cantata „The Jolly Beggars“ (die munteren Bettler) über dieses Treffen zu schreiben, ein elementares Opus aus Arien und Recitativos, das in dem jubelnden Schlussgesang „Freiheit ist ein großes Fest“ gipfelt. Ein Satz, der programmatisch für das Leben und Schaffen Burns wurde.

Heiko Postma hat Kultcharakter für Rezitationsabende irischer und schottischer Schriftsteller, ist ein profunder Kenner der Literatur überhaupt. So erfuhr die Zuhörerschaft im Laufe des Abends viel über Robert Burns, von dem einige zuvor noch nie etwas gehört hatten. Dass dessen Leben von Frauengeschichten durchzogen war – er begann bereits im Alter von 15 Jahren die Frauen zu verführen, oder mit dem Burns Poem „Halloween“, wie dieses Fest eigentlich mal war mit Vorbedeutungen, Zukunftsbeschwörungen und Zauberformeln, über Schottland, wie die Menschen liebten, rauften, tranken. Postma lebt die Literatur, rezitierte die Originaltexte erst in Englisch mit schottischem Slang, dann in Deutsch – voller Inbrunst, Emphase und schauspielerischem Können. Robert Paterson, schottischer Barde, brachte mit seiner einschmeichelnden Stimme unter anderem freisinnige Liebeslieder zu Gehör, griff mal zur Gitarre, dann zur Bodhrán (irische Rahmentrommel) oder zur D-Flöte.

„Das ist mein drittes Burns-Programm“, erklärte Postma in der Pause. Die Lieder würden auf bekannte Melodien, auch vom Volk gesungen, basieren, oder Fragmente aus alten Volksliedmelodien beinhalten, die man Burns zukommen ließ, die er sammelte und zu denen er Lieder schrieb. „Zum Teil arrangiert von Beethoven oder Carl Maria von Weber“, erklärte Postma.

Zudem hätten auch Freunde für Burns komponiert oder schenkten ihm Lieder. Was zeichnete Burns aus? „Großartige sprachliche Qualität, eine Lyrik, die hochkarätig ist, die trotzdem von allen verstanden und geliebt wird. Und mit seinen Volksliedern war er bahnbrechend in Europa“, zählte Postma auf. Selbst Goethe habe Burns geschätzt, ihn immer wieder gelobt „und sah ihn sogar als einen seiner Vorbilder an“, veranschaulichte der freie Autor aus Hannover, der weiter schwärmte: „Das ist höchste Kunst, die gleichzeitig ganz schlicht ist!“ Ein etwas langatmiger Abend zwar, der aber exzellente Literatur aus einer längst vergangenen Zeit vermittelte und ohne Zugabe endete.


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