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Durch Bad Essen mit Gästeführerin Die schöne Deckenmalerei in St. Nikolai übertüncht

Von Christa Bechtel

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Bad Essen. Dass die Wassermühle das Wahrzeichen von Bad Essen ist, dass der dazugehörige Park früher zur Sommerresidenz der Familie Rickmers gehörte oder wie schön die St.-Nikolai-Kirche ist: All das erfahren Gäste, die an einer historischen Ortsführung in Bad Essen teilnehmen. Für unsere Leser haben wir uns solch einer Führung einmal angeschlossen; Veranstalter ist der Kur- und Verkehrsverein.

Treffpunkt ist stets am Brunnen mitten auf dem Kirchplatz. Hier wurde die Gruppe von Gästeführerin Martina Wolter, die in ihrer Tracht – weiße Bluse, langer roter Rock und Holzschuhe – eine besondere Augenweide darstellt, begrüßt. Ausschließlich auswärtige Gäste aus Essen, Hannover, Köln und Taunusstein vernahmen nun, dass zur Gemeinde Bad Essen 17 Ortschaften mit insgesamt 15700 Einwohnern gehören.

„Der Kirchplatz soll einer der schönsten Norddeutschlands sein“, sagte Martina Wolter, seit drei Jahren Gästeführerin. Um das Jahr 1100 hätten sich Handwerker und Gewerbetreibende, sogenannte „Kirchhöfer“ um den Platz angesiedelt, der die Form einer Kirchburg bildete. „Es war ein geheiligter Ort, der eigentlich nicht angegriffen werden durfte“, erklärte Martina Wolter. Der Kirchhof sei bis etwa 1802 auch Friedhof gewesen. „Bis zu 30000 Tote sollen hier noch liegen“, berichtete die Gästeführerin. So habe man bei der Renovierung der Häuser noch Knochen gefunden. 1973/74 sei der Kirchplatz erneuert worden.

Am Kirchplatz besuchte die Gruppe zuerst das Hünnefelder Totenhaus, das sich seit 1936 im Besitz der Gemeinde Bad Essen befindet und heute eine Gedenkstätte für die Gefallenen beider Weltkriege ist. Das „Kleine Haus“ (heute Kaffee- und Teehaus) wurde 1663 als Speicher gebaut und sei das erste dreistöckige Gebäude gewesen. Im rechten alten Teil bewunderten alle Fliesenbilder, die beispielsweise die frühe Ippenburg, ein Winkötterhaus oder im Obergeschoss heimische Tiere zeigen.

Nächste Station war die St.-Nikolai-Kirche, die 1436 durch ein Feuer zerstört wurde. Unter dem Patronat der Familien von dem Bussche Hünnefeld und Ippenburg sei sie Ende des 15. Jahrhunderts wieder aufgebaut worden, erläuterte Wolter. Bedauernd berichtete sie, dass im Zuge der Reformation die wunderschönen Deckenmalereien übertüncht worden seien. Bei der Renovierung 1964/65 seien sie wiederentdeckt, freigelegt und fixiert worden. Erst kürzlich hätte das fünfköpfige Team der Gästeführer herausgefunden, dass eine Nische im rechten Teil des Altars ein „Pestfenster“ gewesen sei, erzählte sie weiter.

Der „Karlsplatz“ an der Lindenstraße sei früher ein Versammlungsplatz gewesen. Hier wies Martina Wolter auf das Kriegerdenkmal mit napoleonischem Adler und das frühere Bremer Schullandheim hin. Gegenüber befindet sich die alte Apotheke (1726), das erste Gesellschafts- und Gästehaus, in dem auch das erste Klavier stand. Die alte Einrichtung sei komplett erhalten, gab Wolter den Tipp, diese in der Woche mal in Augenschein zu nehmen. Dass die Nikolaistraße auch die Gesundheitsmeile genannt wird, erfuhren die Zuhörer nebenbei, die die alten Fachwerkhäuser gebührend bewunderten.

Weiter führte der Weg zur Bergstraße, an der ein typisches Winkötterhaus, der Buchenhof, steht, sowie zum Meyerhof unterhalb des Hotels Deutsch Krone. Zu ihm gehören auch die Wassermühle sowie der Schafstall, die nächsten Stationen. Von Mai bis Oktober ist die Wassermühle jeden Sonntag von 14 bis 17 Uhr in Betrieb. In der heutigen Form besteht sie seit 1780, teilweise aus Bruchsteinmauerwerk erbaut; seit 1948 befindet sie sich im Eigentum der Gemeinde Bad Essen.

Am Kurpark stellte Martina Wolter ihren Zuhörern die Solearena vor, die im vergangenen Jahr zur Landesgartenschau Premiere hatte. „Sie entstand als Holzgerüst mit Schwarzdornbündeln. 10600 Bündel wurden hier verarbeitet, sie ist sechs Meter hoch, hat 50 Meter Außendurchmesser, 40 Meter Innendurchmesser, und in der Mitte befindet sich eine Schale, wo rundum die Sole vernebelt wird. Sie ist sehr gut für die Bronchien, bei Asthma oder Nebenhöhlenerkrankungen“, zählte die Gästeführerin auf, die bei Hauterkrankungen ein Solebad empfahl.

Aufgrund der Sole sei Bad Essen auch Kurort geworden; 1863 sei der erste Trink- und Badeanstaltverein gegründet worden. „Daraufhin stiegen die Besucherzahlen, weil die Sole einfach nur gut-tat“, meinte Wolter. So sei um 1900 die Übernachtungszahl von 1000 Gästen im Jahr erreicht worden. Aufgrund dieser Tatsache konnte man den Antrag auf den Kurort stellen. „Das war 1902 und seitdem sind wir ,Bad‘ Essen“, erläuterte sie.

Zum Abschluss stellte Martina Wolter in der Tourist Information noch das Bad Essener Urmeersalz vor. Und alle genossen einen Drink – mit eben diesem Salz.


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