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Manfred Mann’s Earthband begeisterte Zweite Rocknacht in Bad Essen: „Das ist ausbaufähig“

Von Wolfgang Huge

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Bad Essen. Es sollte eine tolle Party werden, anknüpfend an die erste Rocknacht in Bad Essen im vergangenen Jahr. Alles, was die Veranstalter beeinflussen konnten, war bedacht worden. Nur das Wetter konnte nicht bestellt werden, und das hätte schon Schwierigkeiten machen können. Tat es aber nicht.

Und so kamen am Samstag neben dem Rockmusik-Klassiker „Manfred Mann’s Earthband“ die Cover-Spezialisten von „Sweety Glitter & the Sweethearts“ in den Kurort, um eine rauschende Oldie-Party zu feiern. Zur Unterstützung der beiden Bands, die bereits auf wesentlich größeren Veranstaltungen zusammen in Erscheinung getreten waren, hatte Rüdiger Scholz von Goldrush zudem „The Magic of Santana“ verpflichten können, die den bunten Konzertabend um 18.30 Uhr auch eröffneten.

Die regnerischen Tage im Vorfeld der Rocknacht ließen kaum die Grundstimmung aufkommen, die dazu angetan ist, eine spontane Entscheidung zum Besuch eines Open-Air-Konzertabends zu treffen. Und so waren es auch hauptsächlich Besucher, die ihre Karten bereits im Vorverkauf erworben hatten, die sich abends auf dem Kirchplatz einfanden. Da das Wetter aber tagsüber konstant trocken blieb, entschieden sich doch noch einige dazu, dem Spektakel beizuwohnen. Darunter übrigens auch eine Gruppe von Wanderern, die sich bereits zur Abschlusskundgebung des Deutschen Wandertages in Bad Essen aufhielt.

An der Abendkasse jedenfalls blieb es relativ ruhig, und dennoch kamen noch bis gegen 21 Uhr immer wieder Anfragen nach Eintrittskarten. Zweieinhalb Stunden zuvor hatten „The Magic of Santana“ aus Hamburg mit viel Spielwitz und gutem Mix aus dem breit gefächerten Werk von Carlos Santana losgelegt und ein Set präsentiert, das viele bekannte Nummern wie „Black Magic Woman“, „Europa“, „Oye Como Va“ sowie „Guajira“ und das neuere „Corazon Espinado“ beinhaltete. Für den unverkennbare Gitarrenton von Carlos Santana sorgte Gitarrist Gerd Schlüter, der sich bereits in jungen Jahren intensiv mit der Musik und dem Menschen Carlos Santana beschäftigt hat und den Meister und seine Band schließlich in den USA auch persönlich kennenlernte. Zum Abschluss ihres Auftritts wählten die acht Musiker aus Hamburg das Stück „Samba Pa Ti“.

Anschließend machten sie die Bühne frei für die Glamour-Rocker von „Sweety Glitter & the Sweethearts“, die es in ihrer fast 25-jährigen Bandgeschichte auf weit über 1000 Auftritte gebracht haben. Nun standen nicht mehr lateinamerikanische Rhythmen wie Samba und Salsa, Son oder Merengue, gemixt mit Jazz und Funk im Mittelpunkt des Geschehens, sondern ein Mix eingängiger Rocktitel der 1970er-Jahre. Dabei schien es den Braunschweiger Jungs, deren Aussehen an Gary Glitter mit buntem Outfit und den für die britischen Glam-Rocker typischen hochhackigen Schuhen erinnerte, völlig gleichgültig zu sein, ob die von ihnen gespielten Titel auch dem Genre des Glitter-Rocks entsprachen. Im Programm standen unter anderem „Girls, Girls, Girls“ von Sailor, „Fox on the run“ vom später noch auftretenden Manfred Mann, „Locomotive Breath“ von Jethro Tull oder „Don’t bring me down“ von Electric Light Orchestra, „Easy Living“ von Uriah Heep sowie „Down, down, deeper down“ von Status Quo. Mit „Lady in Black“ und „Ballroom Blitz“ verabschiedeten sich die fünf Musiker unter großem Beifall von ihrem Publikum. Darunter war auch ein kleiner Fankreis aus Bramsche, wo die Band vor einem Jahr aufgetreten war. „Die Jungs sind doch echt Spitze und machen einen guten Job“, meinte einer der Gruppe.

Hauptact des Abends war ohne Frage Manfred Mann, Jahrgang 1940, und damit ein wirklicher „Oldie“. Allerdings: Von seinen großen Hits der 1960er-Jahre spielte er nichts, weder „Pretty Flaminge noch „Doo Wah Diddy diddy“ oder „Mighty Quinn“. Er konzentrierte sich auf das Werk seiner „Earthband“ und verstand es, einen Mix aus alten, bekannten Titeln und neuen Versionen alt bekannter Stücke zu kombinieren.

Die aktuelle Formation von „Manfred Mann’s Earthband“ des südafrikanischen Keyboard-Altmeisters besteht aus Robert Hart (Gesang), Mick Rogers (Gitarre, Gesang), Steve Kinch (Bass) und Jimmy Copley (Schlagzeug). Die fünf präsentierten eine Mixtur aus Earthband-Klassikern sowie Interpretationen weiterer Songs. Ihr Auftritt gestaltete sich überraschend, was möglicherweise am neuen Sänger Robert Hart und dem Gitarristen Mick Rogers lag. Die beiden brachten Impulse in den Sound, die über die Earthband-Klassiker wie „Davie’s on the road again“ oder „Blinded by the night“ hinausgehen.

Vor nunmehr rund 1000 Fans demonstrierten Manfred Mann und sein überragender Gitarrist Mick Rogers ihre Extraklasse. Bereits nach zwei Stücken herrschte auf dem Bad Essener Kirchplatz eine Stimmung wie zu besten Rockpalast-Zeiten. Selbst der kurz vor dem Auftritt einsetzende Regen konnte dem keinen Abbruch tun.

Mit dem Opener „What we can do“, dem Neil Young Klassiker „Don’t let it bring you down“ und dem Earthband-Hit „For you“ startete die Band in ihre Show, um über einen Mix aus den beiden Stücken „The house of the rising sun“ und „Dancing in the Dark“ zu einer ebenso interessanten Medley aus dem Intro à la Jimi Hendrix‘ „Foxy Lady“ und einigen Rock’n’Roll-Titeln zu gelangen, bei dem Gitarrist Mick Rogers seinen Auftritt hatte. Denn er spielte fast im Alleingang – nur von Schlagzeuger Jimmy Copley unterstützt – die Rock’n’Roll-Nummer „Good rocking“, ein Stück, das dann in den Big Joe Turner-Titel „Shake Rattle And Roll“ überging. Es folgten dann die bekannten Titel der Earthband, eingeleitet von „Father of day, father of night“. Trotz des inzwischen stärkeren Regens blieben die meisten Zuschauer bis zum Ende der Show. Die alten Hits hatten nichts von ihrem Gänsehautfaktor verloren, sondern ihre Faszination über die Jahre hinweg konserviert.

Nicht nur interessante Musiker, auch interessante Fans hatten den Weg nach Bad Essen gefunden. Dazu zählte Gerhard Keims aus Berge, der Sweety Glitter schon einmal als Vorgruppe zu einem Chuck-Berry-Konzert in Dortmund im Jahr 2008 gesehen hatte und Gelegenheit fand, mit den Musikern der Band ein paar Worte zu wechseln.

„Gott sei Dank hat das Wetter bis zum Konzert von Manfred Mann einigermaßen mitgespielt“, sagte Karina Payne vom Veranstalter Goldrush Production, die sich angesichts der Umstände mit dem Besuch zufrieden zeigte. „Es waren doch mehr Zuschauer, als wir befürchtet hatten. Und was den Spielort betrifft, so haben wir hier in Bad Essen nur positive Erfahrungen gemacht. Tolle Location, tolle Unterstützung von der Gemeinde, den Anliegern – ich denke, das ist ausbaufähig für die Zukunft.“


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