Von Viola bis Melodica Klassiker der Filmmusik mit „The Chambers“ in Bad Essen

Von Karin Tröster

Virtuos auf allen Instrumenten: Die Musiker von The Chambers aus Köln gastierten in der Bad Essener Nikolaikirche. Foto: Karin TrösterVirtuos auf allen Instrumenten: Die Musiker von The Chambers aus Köln gastierten in der Bad Essener Nikolaikirche. Foto: Karin Tröster
Karin Tröster

Bad Essen. Bereits zum dritten Male gastierte am Samstag das Ensemble „The Chambers“ in der St.-Nikolai-Kirche in Bad Essen – dieses Mal mit Klassikern der Filmmusik und abermals vor einem begeisterten Publikum.

Die vom russischen Meisterviolinisten Artiom Kononov handverlesenen acht Musiker, die allesamt aus verschiedenen Ländern stammen und heute in Köln ansässig sind, treten seit dem Jahr 2013 als Kammermusikorchester gemeinsam auf. Dabei spielen sie Werke, die ursprünglich für ein großes Sinfonieorchester komponiert worden sind. Kononov versteht es auf einzigartige Weise, die Werke so zu arrangieren, dass die neun Musiker – vier Violinen, eine Bratsche, ein Cello, ein Kontrabass, ein Piano und eine Panflöte – dabei einen perfekt aufeinander abgestimmten Klang entstehen lassen. 

In seiner Begrüßung versprach Pastor Arnd Pagel nicht zu viel, als er sagte. „Es wird Ihre Herzen berühren!“. So konnten die Zuhörer einem zweistündigen Programm folgen, das einen Bogen schlug von den Komponisten des Barock bis hin zu den Beatles und Ennio Morricone.

Zu Beginn des Konzertes in Vivaldis „Winter“ aus den „Vier Jahreszeiten“ zeigten die Streicher ihr Können. Hier spielte Kononov virtuos die Solovioline. Bei „Oblivion“ von Astor Piazolla, dem Begründer des Tango nuevo, kam erstmals die Melodica zum Einsatz, der Kononov ungeahnt weiche Klänge entlockte.

Nach Händels Passacaglia, auswendig im Duett von Kononov auf der Violine und dem Franzosen Laurent Tardat auf der Bratsche dargebracht, folgte erstmals der Einsatz der Panflöte in Paganinis „Karneval in Venedig“. So hat wohl noch kein Konzertbesucher zuvor das bekannte Lied „Mein Hut, der hat drei Ecken“ zu hören bekommen. Die Panflöte sei, so Lutz Dollfuss, Manager des Ensembles, der informativ und humorvoll durch das Programm führte, sonst der Schrecken der deutschen Fußgängerzonen. Ion Malcoci aus Moldawien, im Programmheft als „Paganini der Panflöte“ angekündigt, hat diesen Titel jedoch wahrlich verdient. In den rumänischen Volkstänzen von Bela Bartok erzeugte das traditionsreiche Instrument zusammen mit den Streichern einen ganz besonderen, fast orientalisch anmutenden Klang. Selbst die schwierigsten rasanten Passagen wurden von ihm scheinbar mühelos gemeistert.

Kleines Ensemble mit gigantischem Klang

Nach einer kurzen Pause begann der zweite Teil des kurzweiligen Konzertes mit dem Violinkonzert A-moll von Johann Sebastian Bach wieder einmal im Barock. Darauf folgte mit dem Bolero von Maurice Ravel wohl der Höhepunkt des Abends. Artiom Kononov hat dieses Stück, von Ravel geschrieben für ein Sinfonieorchester, auf raffinierte Weise arrangiert für sein kleines Ensemble. Die Pianistin wechselte ans Schlagzeug und schlug zunächst nur mit zwei Fingern ganz zart den berühmten Rhythmus. Die Melodie übernahm zu Beginn die Panflöte, gefolgt von der Melodica. Wenn die Streicher die Melodie spielten, wurden sie von Kononov abwechselnd auf der Violine und auf der Melodica begleitet. Auch die Panflöte fungierte einmal als Melodie- dann wieder als Rhythmus-Instrument, sodass immer neue Klangfarben entstanden. Dabei steigerte sich die Intensität auf eine äußerst beeindruckende Weise. Wohl niemand im Publikum hätte es für möglich gehalten, mit neun Musikern den Klang so variieren und steigern zu können, wie es sonst nur ein großes Orchester vermag.

Ungewöhnlich im Kirchenraum: Die Panflöte kam bei der Intonierung von Ravels Bolero von The Chambers zum Einsatz. Foto: Karin Tröster

Ganz andere Töne folgten nun mit „Wenn ich einmal reich wär“ aus Anatevka und „Once upon a time in the West“ von Ennio Morricone. Morricone, der die Musik zu mehr als 500 Filmen komponierte, wurde besonders bekannt durch seine Filmmusiken zu Italowestern wie hier „Spiel mir das Lied vom Tod“. Während die Panflöte bei den Chambers häufig die Rolle der Querflöte ersetzt, ist sie hier von Morricone ursprünglich eingesetzt, um die Melodie zu übernehmen. Diese wurde von den Streichern sensibel untermalt. So entstand ein Klang, der die Bilder dieses bekannten Films gleich wieder präsent machte. Fans von Morricone kamen bei der Darbietung in Bad Essen sicher voll auf ihre Kosten.

„Here Comes The Sun“ von den Beatles wurde in der Kammerversion der Chambers ebenso beeindruckend vorgetragen wie die zum Abschluss des Konzertes dargebotene Ouvertüre aus der Operette „Die Fledermaus“ von Johann Strauss, im Original ein Werk für mindestens 60 Musiker.

Nach großem Applaus und Standing Ovations bedankte sich das Ensemble mit einer Zugabe, dem Stück „Eleanor Rigby“ von den Beatles, bei seinem Publikum.

Insgesamt hinterließen die neun Musiker aus Köln viele beeindruckte Zuhörer, die beim nächsten Auftritt der Chambers in Bad Essen sicherlich gerne wieder dabei sein werden. Denn dass es wieder einen Auftritt in der Nikolai-Kirche geben wird, daran ließ Lutz Dollfuss keinen Zweifel.

Wer nicht mehr so lange warten möchte, um die Chambers zu erleben, hat am Freitag, 31. Januar, in der Gustav Adolf-Kirche in Meppen dazu die Gelegenheit.


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