Tagung der Privatkliniken Wie sieht die Gesundheitsversorgung in Wittlage künftig aus?

PM

Über aktuelle Entwicklungen informierten (von links) Tom Ackermann (Vorstandsvorsitzender der AOK NordWest), Andrea Braun von Reinersdorff, Thomas Bublitz (Bundesverband Deutscher Privatkliniken), Helge Engelke, Sandra Mehmecke (Präsidentin der Pflegekammer Niedersachsen), Hans-Heinrich Aldag und Boris Robbers (Ministerium für Soziales und  Gesundheit). Foto: Daniel MeierÜber aktuelle Entwicklungen informierten (von links) Tom Ackermann (Vorstandsvorsitzender der AOK NordWest), Andrea Braun von Reinersdorff, Thomas Bublitz (Bundesverband Deutscher Privatkliniken), Helge Engelke, Sandra Mehmecke (Präsidentin der Pflegekammer Niedersachsen), Hans-Heinrich Aldag und Boris Robbers (Ministerium für Soziales und Gesundheit). Foto: Daniel Meier

Bad Essen/Osnabrück. Die Entwicklung der stationären Gesundheitsversorgung stand im Blickpunkt einer Veranstaltung des Landesverbandes der Privatkliniken Niedersachsen in Osnabrück, bei der auch Kliniken aus Bad Essen vertreten waren.

Künftig kommt nach Auffassung von Prof. Dr. Andrea Braun von Reinersdorff, Vizepräsidentin der Hochschule Osnabrück, der noch intensiveren Zusammenarbeit in Netzwerken eine besondere Bedeutung zu. Krankenhäuser würden bald nicht mehr monolithischer Natur sein, sondern überwiegend in Netzwerken aufgehen. Es sei wichtig, Schwerpunkte zu bilden, kein Haus müsse alles anbieten. Private Kliniken würden dabei künftig eine immer wichtigere Rolle spielen. Sie seien innovativ und agil sowie gleichermaßen stringent und kostenbewusst.

Die künftig noch stärkere Verzahnung der Einrichtungen unterstrich auch Dr. Hans-Heinrich Aldag, Vorstandsvorsitzender des Verbandes der Privatkliniken Niedersachsen sowie der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft: Das Gesundheitswesen sei hier allerdings noch ganz am Anfang, wenn man bedenke, dass nicht einmal die elektronische Patientenakte überall eingeführt sei.

 Akut- und Rehakliniken

Privatkliniken seien in puncto Digitalisierung oft Vorreiter. Sie blickten positiv in die Zukunft. Der Anteil privater Häuser sei in den vergangenen Jahren gestiegen, das lasse sich auch am Mitgliederzuwachs des Verbandes der Privatkliniken Niedersachsen ablesen, der zurzeit 67 Mitgliedskliniken aufweise. Diese teilen sich etwa hälftig in Akut- und Rehakliniken. Insbesondere auch die Rehabilitationseinrichtungen bekämen aufgrund der demografischen Entwicklung künftig noch mehr Gewicht. Die Teilhabe älterer Menschen am gesellschaftlichen Leben sei hier ein Stichpunkt. Diese Aufgabe falle den Rehakliniken zu, die in Niedersachsen mit deutlich über 65 Prozent privat getragen würden.

Krankenhäuser „müssen aus der Misstrauensecke in die Leistungsträgerecke zurückgebracht werden, in der sie mal waren“, so Helge Engelke, Verbandsdirektor der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft: Man müsse sich vor Augen führen, dass in allen Krankenhäusern Menschen tätig seien, die den Beruf ergriffen hätten, um anderen zu helfen. Zurzeit werde oft vergessen, dass in den Kliniken gutes Personal benötigt werde, das dafür auch gutes Geld verdienen solle. Privatkliniken nehme Engelke als Motoren neuer Entwicklungen wahr. Viele andere Häuser machten es ihnen nach. Er sei fest davon überzeugt, dass in dieser Hinsicht auch die Personalentwicklung ein Thema der Privatkliniken sei, das sie über ihre enge Vernetzung vorantreiben und somit dem Fachkräftemangel effektiv begegnen könnten. 

Die Digitalisierung

Das gelte auch für die Digitalisierung. Die privaten Krankenhäuser hätten dazu bereits entsprechende Maßnahmen ergriffen und aus eigenen knappen Mitteln finanziert. Damit die Digitalisierung in den kommenden zehn Jahren übergreifend umgesetzt werden könne, seien aber zusätzliche Mittel notwendig. Dies sei eine der Kernforderungen der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft, sagte Engelke. Der Anteil der privaten Krankenhäuser habe sich in den vergangenen zehn Jahren von 29,5 Prozent in 2009 auf 36,6 Prozent in 2019 erhöht.

Das forderte auch Braun von Reinersdorff: Sie wünsche sich, dass die Krankenkassen mutig Innovationen mitgestalteten und einen Rahmen schafften, damit Innovationen möglich seien. Ebenso wichtig sei es, dass die im Gesundheitswesen Tätigen Zeit für Patienten und Empathie, Versorgungsqualität und Versorgungssicherheit  hätten.


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