Ein Tierliebhaber aus Bad Essen und sein "Baby" Der Heithöfener, der einen verstoßenen Kanarienvogel mit der Hand aufzog

Von Gertrud Premke

Peter Engelbrecht aus Heithöfen hat eine tiefe Leidenschaft für Ziervögel und Fische. Foto: Gertrud PremkePeter Engelbrecht aus Heithöfen hat eine tiefe Leidenschaft für Ziervögel und Fische. Foto: Gertrud Premke

Bad Essen. Unter dem Dach seines Hauses gibt es zwar auch ein Tonstudio, aber zum Musikmachen hat Peter Engelbrecht aus Heithöfen derzeit nicht genug Zeit – seit seine Leidenschaft für die Tieraufzucht erwacht ist, haben sich die Prioritäten verschoben. Vor allem, seit er einen verstoßenen Kanarienvogel per Handaufzucht vor dem sicheren Tod rettete.

Entspannung und Muße, das gibt die Welt der Vögel und Fische Peter Engelbrecht aus Heithöfen nach seinen arbeitssamen Berufstagen als Mechanikermeister in der Verpackungsbranche. Seit 43 Jahren ist der Heithöfener in Lübbecke beschäftigt  und in diesem Job muss immer auch kräftig mitangepackt werden. Umso mehr freut sich der Heithöfener über seine Hobbies. Insbesondere ist es Baby, ein kleiner weißer sechsjähriger Kanarienvogel, der nicht nur den Lebensraum, Küche und Wohnzimmer, von Peter Engelbrecht und Partnerin Manuela mit in Beschlag hat, sondern vor allem ihre Herzen erobert hat. 

Baby tippelt auf dem Küchentisch hin und her, nähert sich wie vertraut dem Besucher und hebt sein Köpfchen schief an. Und die kleinen Knopfaugen scheinen erwartungsvoll zu fragen: "Ja, gibt es denn hier gar nichts?“ Baby hüpft weiter an den Tischrand und von dort auf die ausgestreckte Hand seines tierlieben Vogelfreundes.

Ein Vogel auf dem Arm, ein Vogel auf dem T-Shirt. Foto: Gertrud Premke

Dabei hatte der Sechsjährige einen schweren Start ins Leben: Von seinen Eltern - versehentlich Bruder und Schwester - verstoßen, waren aus diesem Wurf schon drei Vögel gestorben. Als Peter Engelbrecht dann mitbekam, dass der kleine Kanarienvogel von seinen Eltern abgelehnt wurde und nichts mehr zu essen bekam, nahm er sich des Kleinen an. Mit Mini-Futterkörnern, per Pinzette verabreicht, peppelte er den Vogel auf. Immer mit der Gefahr im Nacken, dass das Tier nicht überleben könnte.

Vogel braucht auch Schutz

Doch es gelang. Und heute ist Baby ein voll integriertes Familienmitglied. „Man muss schon aufpassen, wenn er hin- und herfliegt und sich irgendwo versteckt, dass er aus Unachtsamkeit nicht verletzt wird", sagt Peter Engelbrecht. Augenblicklich ist Baby in der Mauser und deswegen nicht so fotogen. "Aber er macht trotzdem seine lustige Flugakrobatik und ist ständig am Zwitschern,“ sagte Engelbrecht. Junge Kanarien-Hähne singen für gewöhnlich nur im Herbst. Da Baby aber ständig im Hause gehalten wird, und nicht in einer Außenvoliere, nimmt er die Jahreszeiten nicht so wahr und musiziert immer.    

Hennen und Hähne warten auf Vermehrung

Der kleine weiße Kanare ist aber nicht der einzige gefiederte Freund, an dem sich der Heithöfener erfreut. Im angebauten Wirtschaftsraum sind zwei Volieren mit jeweils acht Hennen und acht Hähne - überwiegend der Rasse Deutsche Gelbhauben. „Die sind zum Vermehren da, noch getrennt, aber die Zucht ist vorbereitet,“ sagt Peter Engelbrecht. 

Foto: Gertrud Premke

Schön sind sie allemal, das ist sogar offiziell bestätigt, denn gerade kommt der Züchter von einem Wettbewerb in Minden mit zwei Medaillen als OW -Sieger zurück: Mit Gold für seine Kanaren Deutsche Hauben und mit Silber für Gelbintensiv (Bezeichnung der Zuchtlinie). Mit seinem Nachbarn Martin, ebenfalls Züchter, hatte Peter an dem Wettbewerb teilgenommen, obwohl er erst seit zwei Jahre Züchter ist, also gerade die Lernphase beendet hat. Das heißt: Er darf jetzt Vögel beringen, damit man belegen kann, aus welchen Jahr und woher die Nachzucht stammt.

So fing es an: Zufallsfund beim Stadtbummel

Angefangen hat alles ganz im Kleinen im Jahr 2006. "Seit 2005 lebe ich mit meiner Partnerin in Heithöfen in einem Haus mit großem Garten", erzählt Peter Engelbrecht. Als er dann beim Bummeln durch die Lübbecker Innenstadt an einem Zoogeschäft vorbeikam, das gerade einen Ausverkauf vornahm, kam ihm ein Geistesblitz: "Mir schoss so durch den Kopf: du hast ein großes Haus und Garten, da könnten sich Vögel wohlfühlen". Gedacht, gekauft: Spontan erstand Engelbrecht zwei Kanaren, sozusagen als Mitbringsel.

Erst "Two Busy", jetzt too busy

Seine Manuela war anfangs überrascht und hatte dann die Idee, eine helle Außenvoliere zu bauen. So fing alles an. Es wurden mehr und mehr Kanaren, mehr Volieren und ein paar Nistkästen. „Inzwischen stehen Vogelzucht und Vogelschutz im Mittelpunkt meiner Freizeitbeschäftigung", sagt Peter Engelbrecht. Anfangs war er noch Mitglied einer Band namens „2 Busy“ (ausgesprochen „Two busy“) im Westfälischen. Aber inzwischen stehen die gefiederten Exoten auf Platz Eins. Doch ist diese Freizeitaktivität durchaus arbeitsintensiv. 

Foto: Gertrud Premke

Peter Engelbrecht füttert auch im Sommer die Wildvögel in seinem Garten und im Winter gibt es dann zusätzlich Fettfutter, weil ihm die immer weiter aussterbenden Insekten Sorgen machen. Die Vogelwelt gibt es Peter Engelbrecht mit großer Dankbarkeit zurück. „Im Frühling das Gezwitscher der Jungvögel zu hören oder am Winterende das trällernde Anwerben der Männchen um die Weibchen aus der nahen Hecke als erste Frühlingsboten, da vergisst man den zeitintensiven Aufwand, wie die zahlreichen Nistkästen reinigen, der in jedem Jahr immer wieder ansteht", schwärmt er. 

Farbenfrohe Buntbarsche im Aquarium

Und wenn der passionierte Vogelzüchter mal was anderes braucht, geht es zum Angeln an den heimischen Mittellandkanal, denn Engelbrecht besitzt nicht nur über Jahrzehnte einen Angelschein, sondern ist auch Vorstandsmitglied im Verein. Auch zuhause hat er Fische: Diese farbenfrohen großen Diskus-Buntbarsche un geräumigen Aquarium zu beobachten, bietet Entspannung und Ruhe nach einem arbeitsreichen Verpackungs- und Vogelzüchter-Tag.


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