Der „Freundeskreis Tabita" Markenzeichen christlicher Nächstenliebe im Wittlager Land

Von Eckhard Grönemeyer

Das ehrenamtliche Helferteam vom „Freundeskreis Tabita“ mit Manuela Singer (2. Von links), auf den Fotos die Helferinnen, die wechselnd den Mittagstisch kochen. Foto: Eckhard GrönemeyerDas ehrenamtliche Helferteam vom „Freundeskreis Tabita“ mit Manuela Singer (2. Von links), auf den Fotos die Helferinnen, die wechselnd den Mittagstisch kochen. Foto: Eckhard Grönemeyer

Wehrendorf. Der „Freundeskreis Tabita“ ist im Altkreis zu einem anerkannten Markenzeichen christlicher Nächstenliebe geworden. Schon seit 26 Jahren gibt es diesen als gemeinnützig anerkannten und im Vereinsregister eingetragenen Verein, der im Fachwerkhaus der Familie Klausmeyer an der Osnabrücker Straße in Wehrendorf ansässig ist

Bei „Tabita“ gibt es ohne Ansehen der Person vielfältige Dienstleistungen und Hilfen; jeweils freitags gibt es eine Mittagsmahlzeit und später die „Himmelsbörse“. Jede hilfsbedürftige Person bekommt hier für sich selbst und seine Familie gebrauchte Bekleidung, Spielsachen, Hausratsgegenstände und Fahrräder.

Manuela Singer aus Wittlage als Gründerin ist dankbar, dass sie bei ihrer aufopferungsvollen Arbeit auf ein Team von 50 bis 60 freiwilligen Helfern zurückgreifen kann. Die über die Jahre durchgeführten Hilfsprojekte im In- und Ausland sind so umfangreich, dass die detaillierte Beschreibung in ganzes Buch füllen würde. So wurden in Entwicklungs- und Schwellenländern auf mehreren Kontinenten einige Kinderheime mit angeschlossenen sozialen Dienstleistungen gegründet. Alle diese Heime und Einrichtungen werden mit Spenden und Sachleistungen unterstützt. Manuela Singer ist es persönlich ein Herzensanliegen, Menschen in Not, gleich welcher Hautfarbe oder Religion zu unterstützen und sie hat viele Mitstreiter im Dienst der guten Sache gefunden.

Die ehemalige Diele

Jeweils am Freitagnachmittag warten oft 30 bis 40 Personen, vielfach auch Flüchtlinge, auf Einlass. Die ehemalige Diele des Fachwerkhauses wirkt auf den ersten Blick wie ein soziales Kaufhaus, nur das die „Kunden“ hier für die Dinge, die sie nach eigener Auswahl in ihren Warenkorb packen, am Ende nichts zahlen müssen. Der Zugang zu diesen Leistungen ist nicht an eine Einkommensgrenze gekoppelt, nur der jeweilige Name wird an Hand eines Ausweises festgehalten und je Quartal gibt es eine Mengenbegrenzung. In den Räumlichkeiten ist es sehr beengt und in allen Räumen stapeln sich Kartons bis unter die Decke.

Wie im einem „sozialen Kaufhaus“, die Kunden dürfen selbst aussuchen mit einer Mengenobergrenze, auch Fahrräder und Spielsachen gehören zum Angebot. Foto: Eckhard Grönemeyer

Der „Freundeskreis Tabita“ freut sich über Geld- und Sachspenden. Hier ist gewährleistet, dass die gespendeten Mittel auch wirklich einen bedürftigen Empfänger erreichen. Gespendete Bekleidung sollte jedoch sauber und tragbar sein, wobei besonderen Wert auf Kinderkleidung und Spielsachen gelegt wird. Hier gibt es einen großen Bedarf. Gilda Wessel betreut die „Kinderabteilung“. Für die gespendeten Puppen hat der „Freundeskreis Tabita“ eine Anzahl von erwachsenen „Puppenmüttern“, die in ihrer Freizeit und auf ihre eigenen Kosten Puppenbekleidung stricken oder anfertigen, oftmals erhält die jeweilige Puppe ein Wechselkleid. Für kleine Mädchen, die ein solches Geschenk erhalten, sicher eine große Freude. 

Spielzeug für Jungen

Was unbedingt fehlt, ist Spielzeug für Jungen. Scheinbar sind die kleinen Jungen nicht bereit sich von ihren eigenen Spielzeugen zu trennen, selbst wenn sie schon altersmäßig sich für andere Spiele interessieren Frau Singer legt Wert auf die Feststellung, dass es keine Bedürfigkeitsprüfung gibt, um Leistungen beim „Freundeskreis Tabita“ zu empfangen. Der Freundeskreis versteht sich als eine Art „Lückenfüller“, etwa wenn die finanziellen Leistungen der Sozialkassen für Alkohol- oder Spielsucht ausgegeben werden und die Kinder in ihrer Hilflosigkeit die Leidtragenden sind. 

Die große Zahl der Flüchtlinge, die zu den regelmäßigen Kunden zählen, schicken womöglich Gelder aus der ihnen zustehenden Sozialhilfe zu ihren Angehörigen, die in Armut leben. Viele sind dann mit ihren Ansprüchen sehr bescheiden und nutzten die gebrauchten Hausratsgegenstände oder die gebrauchten Fahrräder, die in der eigenen Werkstatt voll funktionsfähig gemacht werden. Sollte jemand unberechtigt Leistungen vom „Freundeskreis Tabita“ empfangen, so will Frau Singer darüber nicht urteilen; dies müsse jedermann- oder frau mit seinem eigenen Gewissen ausmachen. 

Keine Konkurrenz

Eine Konkurrenzsituation zur „Wittlager Mahlzeit“ der hiesigen Kirchen und des DRK-Kreisverbandes und des DRK-Ortsvereins besteht nicht, ganz im Gegenteil, manchmal gibt es einen Austausch von Hilfsgütern und gegenseitiger Respekt vor der jeweils anderen Leistung ist garantiert.

Die Suppenküche besteht fast seit zehn Jahren als Angebot. Gekocht wird hier jedoch nicht zentral, sondern von ehrenamtlichen Köchinnen in ihrer eigenen Küche. Alles mit großem Aufwand verbunden, die einzige Anerkennung ist oft ein schlichtes aber ehrliches „Dankeschön“.

Puppen werden neu eingekleidet und dann an Mädchen im In- und Ausland zum Weihnachtsfest verschickt, hier mit Gilda Wessel (links) und Manuela Singer. Foto: Eckhard Grönemeyer

Gäste und Besucher sind stets willkommen, wenngleich die Räumlichkeiten schon sehr beengt wirken, weil jeder Raum ausgefüllt ist mit gespendeten Gegenständen. Fünf bis sechs Tonnen an Hilfsgütern werden monatlich für den Versand vorbereitet mit einer Partnerorganisation. In große Kartons müssen die Hilfsgüter sorgfältig verpackt und auf Packzetteln registriert werden für die Zollbehörden im Ausland. Ach das jeweilige Packgewicht muss deklariert werden. Dies ist auch harte körperliche Arbeit und  Manuela Singer ist dankbar, dass sie einige männliche Helfer in ihren Reihen hat, die einst selbst Warenspenden erhielten und die nun selbst zu ehrenamtlichen Helfern geworden sind. 

Christliche Wurzeln

Die gemeinnützige Initiative gründet sich auf christliche Wurzeln und eine Andacht oder ein Gebet gehört meist dazu, dies jedoch ohne die Menschen mit einem anderen Glauben auszuschließen oder sie zu missionieren. Ein ehrenvoller Dienst, der die Anerkennung der Gesellschaft verdient.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN