Zum internationalen Tag gegen Gewalt in Familien Angebot für Kinder aus dem Altkreis Wittlage: Hilfe bei Gewalterfahrungen

Sie wollen Kindern Aufwind geben (v.l.): Karin Helm aus Ostercappeln, Lee Carina Neuber, Jonas Micus und Rabea Drosten von den Ökomenischen Jugendhilfen und Ann Bruns aus Bad Essen. Foto: Thomas AchenbachSie wollen Kindern Aufwind geben (v.l.): Karin Helm aus Ostercappeln, Lee Carina Neuber, Jonas Micus und Rabea Drosten von den Ökomenischen Jugendhilfen und Ann Bruns aus Bad Essen. Foto: Thomas Achenbach

Bad Essen. Die Gleichstellungsbeauftragten aus dem Altkreis Wittlage wollen den am 25. 11. (Montag) stattfindenden Internationalen Tag gegen Gewalt gerne zum Anlass nehmen, um auf ein neues Angebot hinzuweisen, das sich an Kinder aus Bohmte, Bad Essen oder Ostercappeln richtet und das ihnen helfen will, wenn sie Zeugen oder Opfer von Gewalt geworden sind. Was sie diesen Kindern geben wollen, ist: Aufwind. So heißt das entsprechende Projekt.

Häusliche Gewalt hat viele Gesichter, doch streng genommen geht es dabei nur um Gewalt zwischen Erwachsenen. So jedenfalls ist die Definition: Denn was Kindern an Gewalt widerfährt, das wird juristisch gesehen immer als Misshandlung bezeichnet. Doch das sind Wortklaubereien: Einer 2003 durchgeführten Untersuchung des Bundesfamilienministeriums zufolge ist in Deutschland jede vierte Frau von Gewalt betroffen, über alle gesellschaftlichen Schichten hinweg. Und wo Kinder im Haus sind, da sind diese immer auch mitbetroffen, sei es als Zeugen oder als zusätzliche Opfer.

Was die Kinder bekommen sollen: Aufwind

Deswegen nehmen die Gleichstellungsbeauftragten Ann Bruns aus Bad Essen und Karin Helm aus Ostercappeln diesen eigentlich den Frauen gewidmeten Aktionstag zum Anlass, das Augenmerk auch auf die Kinder zu richten. Unter dem Titel "Aufwind" wollen nämlich die Ökomenischen Jugendhilfen aus Belm ein Angebot starten, das sich an Kinder im Alter von 8 bis 12 Jahren richtet. Geplant ist, an 15 Terminen für zwei Stunden lang eine Kindergruppe anzubieten, damit diese nach Gewalterfahrungen im häuslichen Umfeld Hilfe und Unterstützung erfahren können. Gleichsam spielerisch wie praktisch wollen die drei Gruppenleiter - Lee Carina Neuber, Rabea Drosten und Jonas Micus - die  Kindern dabei unterstützen, wie sie es im Pressegespräch mit unserer Redaktion schilderten.

Fahrdienste können eingerichtet werden

Anders als ursprünglich geplant kann das Angebot jedoch nicht in Bohmte stattfinden, sondern muss nach Belm in die Räume der Ökomenischen Jugendhilfen (Am Marktring 15) verlegt werden. Die Kinder sind also auf Fahrten angewiesen - wobei die drei Gruppenleiter betonen, dass es daran nicht scheitern solle und dass sie in manchen Fällen und auf Anfrage auch Fahrtdienste organisieren könnten. Klar ist jedoch: Ohne eine Mithilfe der Eltern wird es nicht gehen. Das ist aber bewusst so gesetzt: Die Gruppenleiter setzen bewusst auf kooperationsbereite Eltern, die sich aus ihren Konfliktsituationen und ihren inneren Zwängen befreien wollen. Dementsprechend sichern sie allen Interessierten die größtmögliche Anonymität zu. Eine der Grundregeln der Gruppe soll demzufolge lauten: "Alles, was hier im Raum geschieht, bleibt hier im Raum".

Die vielen Gesichter der Gewalt

Aber ist häusliche Gewalt im Altkreis Wittlage überhaupt ein Thema? Die Zahlen sprechen da eine eindeutige Sprache: Im Jahr 2018 wurden insgesamt 40 Fälle in der Region aktenkundig (18 in Bohmte, 10 in Bad Essen und 12 in Ostercappeln). Wobei das nur die statistisch erfassten Fälle sind - die Dunkelziffer, so betont es Karin Helm, ist oft um ein Vielfaches größer. Und zur Gewalt, so sagt es Helm, zähle immer auch mehr als Schläge und Verletzungen: Soziale Gewalt, sexualisierte und ökonomische Gewalt gehörten auch immer dazu.

Kontaktaufnahme per Whatsapp 

Wann die Gruppe startet und wann die Termine konkret stattfinden werden, ist abhängig von der Menge der Teilnehmer und ihrer Möglichkeiten. Klar ist bislang nur, dass die Termine jeweils an einem Dienstag stattfinden werden. Kontakte und Informationen unter 05406 8159444 oder per E-Mail an jonas.micus@diakonie-os.de. Die Kontaktaufnahme kann auch per gern und wenn gewünscht anonym per Whatsapp oder sms erfolgen unter 0176 12001545 oder 01523 8707014.


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