Neuer Schwung für Europa Partner aus Polen besuchen die Gemeinde Bad Essen

Von Cornelia Müller

Kreistagspräsident Bogdan Bialas und Cesary Skrzypczek überreichen Anna Kebschull Gastgeschenke aus Walcz. Foto: Cornelia MüllerKreistagspräsident Bogdan Bialas und Cesary Skrzypczek überreichen Anna Kebschull Gastgeschenke aus Walcz. Foto: Cornelia Müller

Wittlage. Besuch aus Polen in der Gemeinde Bad Essen: Vier Tage lang ist jetzt eine Delegation aus Walcz im Osnabrücker Land zu Gast gewesen, an ihrer Spitze Bürgermeister Maciej Zebrowski, der seit den Kommunalwahlen im vergangenen Jahr im Amt ist. Mit Landrätin Anna Kebschull gibt es auch auf Osnabrücker Seite ein neues Gesicht im Kreis der offiziellen Vertreter der beiden Landkreise und Gemeinden. Grund genug für ein Treffen an dem Ort, wo vor zwölf Jahren die Partnerschaft besiegelt wurde: in der Burg Wittlage, wo sich die Teilnehmer in das Goldene Buch von Bad Essen eintrugen.

Nicht nur an geschichtsträchtiger Stätte fand der Empfang für die Delegation statt, auch an einem ganz besonderen Datum, dem 30. Jahrestag des Mauerfalls. Alle Redner hoben die herausragende Bedeutung dieses Ereignisses hervor, „ohne das wir hier heute wahrscheinlich nicht zusammensitzen würden“, betonte Bürgermeister Timo Natemeyer. Der Mauerfall habe das Leben von Deutschen und Polen verändert – und wäre wohl ohne die Reformbewegung in Polen mit der Gewerkschaft Solidarnosc, aber auch ohne den polnischen Papst Johannes Paul II nicht möglich gewesen, so Natemeyer weiter.

Die Teilnehmer des Empfangs für die Gäste aus Polen vor dem Heuerhaus der Burg Wittlage. Foto: Cornelia Müller

Sein polnischer Amtskollege Maciej Zebrowski sagte, bei einem solchen Besuch gehe es auch darum, die eigene Identität zu finden. Er erinnerte an die Ursprünge der Partnerschaft, die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg, als viele ehemaliger Deutsch Kroner eine neue Heimat in Bad Essen fanden. Gleichzeitig seien damals viele Vertriebene aus der ukrainischen Stadt Korzec nach Walcz gekommen. „Alle Umsiedler mussten von Anfang an damit beginnen, ihre Identität in einem völlig neuen kulturellen Umfeld aufzubauen,“ sagte Zebrowski. Die Erinnerung daran wachzuhalten, sei besonders für die Jugend sehr wichtig.

Maciej Zebrowski (l.), Bürgermeister von Walcz, und Bogdan Bialas, Kreistagspräsident, tragen sich in das Goldene Buch von Bad Essen ein. Dahinter Landrätin Anna Kebschull und Bürgermeister Timo Natemeyer. Foto: Cornelia Müller

Kreistagspräsident Bogdan Bialas wünschte sich einen weiteren Ausbau der guten Beziehungen – auch im Bereich der Wirtschaft. Mit diesem Wunsch sprach er Landrätin Kebschull aus dem Herzen: „Ihr Besuch hier verleiht unserer polnisch-deutschen Freundschaft neuen Schwung“, sagte sie. „Neuen Schwung, den auch die Demokratie in Europa sehr gut gebrauchen kann. Und auch wenn die Politik in Bezug auf Europa im Augenblick etwas unruhig ist, bin ich fest davon überzeugt: Wenn wir einander helfen, können wir sehr viel zusammen schaffen.“ 

Handgefertigte Geschenke für die Gäste aus Walcz: Landrätin Anna Kebschull überreicht Bogdan Bialas (l.) und Bürgermeister Maciej Zebrowski „Varus“-Masken. Foto: Cornelia Müller

Alleingänge hätten den Menschen in Europa schon viel Leid beschert und lösten keine der großen Aufgaben, denen man sich stellen müsse. Digitalisierung, Migration und Klimaschutz „kennen keine Ländergrenzen.“ Deshalb müssten in Zukunft noch viel mehr Möglichkeiten der Begegnung zwischen den Menschen aus den Regionen Osnabrück und Walcz geschaffen werden, „damit Vorurteile keinen Platz mehr haben“.

Olivia Zakrzewski, Mitarbeiterin der Bad Essener Verwaltung, dolmetschte. Foto: Cornelia Müller

Weitere Programmpunkte der polnischen Gäste während ihres Besuches im Osnabrücker Land waren unter anderem Führungen in Bad Essen und Osnabrück und ein Besuch beim „Brocante“-Festival auf der Ippenburg.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN