Arbeitskreis Ortsgeschichte Historische Zeitreise in die Ortschaft Rabber

PM

Der Arbeitskreis Ortsgeschichte traf sich im Traktorenmuseum am Bergsiek in Meesdorf. Foto: Arbeitskreis.Der Arbeitskreis Ortsgeschichte traf sich im Traktorenmuseum am Bergsiek in Meesdorf. Foto: Arbeitskreis.

Bad Essen. Die gut besuchte öffentliche Versammlung des Arbeitskreises „Ortsgeschichte in der Gemeinde Bad Essen“ befasste sich mit der Historie der Ortschaft Rabber. Friedrich Gerdom konnte den Anwesenden im Rahmen einer Powerpoint-Präsentation einen tiefen Einblick in die Geschichte dieses seit (wenigstens) 1033 existierenden Dorfes geben.

Die Entstehung des Ortsnamens „Rabber“ wird wohl nicht, wie viele der Anwesenden vermuteten, damit zusammen hängen, dass hier einstmals viele Raben nisteten, sondern die in den ältesten Urkunden verwendete Bezeichnung „Retbere“ dürfte auf das altsächsische Wort „Ret“ (= Bruch, Sumpf) zurückzuführen sein. Rabber war früher nämlich auf allen Seiten von Feuchtgebieten umgeben, worauf auch jetzt noch alte Flurnamen hinweisen. Wie bei vielen anderen Orten des Wittlager Landes auch sind dann im Laufe der Jahrhunderte Varianten dieses ursprünglichen Namens entstanden, bis dann im 15. Jahrhundert der Name „Rabber“ sich durchsetzte.

Alte Kirchenbücher

Auszüge aus alten Kirchbüchern des 18. Jahrhunderts riefen angesichts der Tatsache, dass frühere Pastoren sich anmaßten, höchst private Details des Privatlebens ihrer „Schäfchen“ in den Kirchenbüchern zu notieren, große Verwunderung hervor; nach heutigen Maßstäben schwerwiegende Verstöße gegen die Privatsphäre. So wurde dort festgehalten, dass die Trauung im Brautelternhaus (statt in der Kapelle, eine Kirche gab es noch nicht)) stattfinden musste, weil die Braut schon vorher abortiert (geboren) hatte. Auch seien die Eltern des Mannes bis zuletzt gegen diese Heirat gewesen. Durchweg wurden damals auch Mütter unehelich geborener Kinder in den Kirchenbüchern (und wohl nicht nur dort) als „Huren“ bezeichnet, so dass sie für ihr Leben gebrandmarkt waren.

Einwohnerzahlen

Lebten im Jahr 1512 nur 137 Schatzpflichtige (Inhaber einer Herdstelle) in Rabber, so waren es 1772 bereits 476 Einwohner, 1939 zählte der Ort 639 Einwohner; 1950 dann 1207 Einwohner und heute 962 Einwohner. Der starke Anstieg der Einwohnerzahlen nach Ende des 2. Weltkrieges hatte seinen Grund in dem sehr starken Zuzug von Flüchtlingen und Vertriebenen, die dann in der Folgezeit oftmals wieder ihren Wohnort wechselten.

Besonderes Interesse fanden die Ausführungen des Referenten zu den früheren und heutigen örtlichen Vereinen. Nur wenige Anwesende wussten, dass es in Rabber einstmals einen Radsport- und einen Tischtennisverein gab. Die Flüchtlinge hatten unter dem aus Ostpreußen stammenden Lehrer Fritz Romeike sogar einen eigenen „Flüchtlingschor“ gegründet, der später in den „Gemischten Chor“ aufging.

Die Familie Weinberg

"Der Viehhändler Weinberg war am östlichen Ortsausgang von Rabber wohnhaft und ist mit seiner Familie nach der Pogromnacht 1938 über Shanghai nach England und Amerika geflüchtet. Die noch heute vorhandenen Grabmale auf dem jüdischen Friedhof in Buer zeugen von der Größe dieser Familie", sagte. Friedrich Gerdom, der erläuterte, dass trotz dieser schlimmen Zeit Angehörige der Familie Weinberg noch über Jahrzehnte Kontakte zu Rabberanern pflegten. 

Besonders lebendig wurde die Veranstaltung, als Erinnerungen über das Dorfleben in den 50er und 60er Jahren ausgetauscht wurden. Düvelmeyers Hermann mit seiner Reparaturwerkstatt – für eigentlich alles - in einem kleinen Fachwerkgebäude war für alle ein Begriff, genau so wie die Schmiede Lohmeyer und die Gastwirtschaft Henke. Große Heiterkeit rief hervor, als der gute Platenkuchen von der Bäckerei Schmieding lobende Erwähnung fand und zudem die damalige Verkäuferin als besonders freundlich und charmant geschildert wurde. Stellte sich doch am Schluss der Veranstaltung heraus, dass just diese Verkäuferin anwesend war und die ganze Zeit dieses schöne Kompliment genossen hatte.

Alle waren sich einig, dass auch im nächsten Jahr diese „Reise durch die Dörfer des Gemeindegebietes“ fortgesetzt werden soll. Voraussichtlich wird die Geschichte von Lockhausen im Februar 2020 erörtert


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