Besuch in Frankreich 50 Jahre Partnerschaft der Wittlager mit Bolbec

Von Britta Bauder, Jutta Lange-Lücht, Joachim Lücht

Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde: Jugendliche übernahmen diesen feierlichen Akt. Foto: Jean-Pierre LerouxUnterzeichnung der Partnerschaftsurkunde: Jugendliche übernahmen diesen feierlichen Akt. Foto: Jean-Pierre Leroux

Altkreis Wittlage. Nach dem offiziellen Besuch der Bürgermeister der Altkreisgemeinden sowie Vertretern der Gemeinden, des deutschen Partnerschaftskomitees und der befreundeten Familien in Bolbec zu Pfingsten diesen Jahres, fand nun eine zweite Fahrt in die Partnerstadt des Altkreises Wittlage statt. Teilnehmer waren diesmal vor allem Jugendliche, Schüler, Sportler und ihre Begleiter, die das Jubiläum in Bolbec in der Normandie feiern wollten. Die Verbindung existiert seit 50 Jahren.

52 Personen fuhren los, um alte, ihnen bekannte Gastfamilien wiederzusehen, aber auch neue Kontakte zu knüpfen. Außerdem nahmen noch zwei Bands der Musikinitiative Bad Essen teil, die separat mit Kleinbussen anreisten und im Haus der Jugend campierten.

Zudem fanden sportliche Wettkämpfe in den verschiedenen Disziplinen statt. Jeweils ein Jugendteam der Basketballerinnen aus Bad Essen und Handballerinnen aus Bohmte erlebte zusammen mit seinen französischen Pendants gemeinsame Trainingseinheiten und Freundschaftsspiele. 

Besuch der Keksfabrik in Honfleur gehörte zum Programm des Aufenthalts. Foto: Britta Bauder

Natürlich kam auch in diesem Jahr die Landeskunde nicht zu kurz. Auf dem Programm standen ein Besuch der Hafenstadt Honfleur sowie ein Besuch der Stadt Le Havre. Neben einem eigenständigen Erkunden der Städte, konnten in Honfleur eine Keksfabrik und das ethnographische Museum besichtigt werden. Das Programm in Le Havre war etwas anspruchsvoller, wurde doch hier den Besuchern das moderne Gesicht einer französischen Stadt gezeigt, die am Ende des Zweiten Weltkrieges fast völlig zerstört worden war: Plattenbauten des französischen Architekten Perret stehen hier unter Denkmalschutz - ähnlich der Frankfurter Allee in Berlin. 

Sportler aus Frankreich und Deutschland. Foto: Jean-Pierre Leroux

Für die teilnehmenden Schüler an dieser Exkursion war sicher auch ein Besuch in einer Berufsschule, dem Gymnasium „Germaine Coty“, sehr interessant. In der Schule lernen die Schüler in einzelnen Klassen zwei bis drei Jahre alles über die unterschiedlichen Berufe. Die Teilnehmer bekamen Einblicke in die Berufe Kosmetik, Hotelwesen, Logistik, Elektrik sowie Elektroniker. Zur Erklärung: das Vollzeitschulsystem ist in Frankreich immer noch beliebter als das bei uns übliche duale System mit der innerbetrieblichen Ausbildung. 

Bürgermeister Dominique Metot eröffnet die Zeremonie zur Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde. Foto: Jean-Pierre Leroux

Die Partnerschaftsurkunde

Höhepunkt der Besuchsfahrt nach Bolbec war  die Unterzeichnung einer Partnerschaftsurkunde als Erneuerung der Urkunde von 1969 -  diesmal von Jugendlichen. Jeweils drei französische Schüler und drei deutsche Schüler unterzeichneten im Beisein des Bolbecer Bürgermeisters Dominique Metot ein solches Dokument.

Die Auswahl der jeweils drei Unterzeichner war sorgfältig überlegt worden. Auf französischer Seite waren zwei am Austausch engagierte Schülerinnen gewählt worden. Der dritte war ein Jugendfeuerwehrmann, der untere anderem von einem großen internationalen Feuerwehrzeltlager berichtete, in dem er trotz geringer Sprachkenntnisse als „Chefdolmetscher“ fungierte und diese wichtige Erfahrung gerne weitergeben möchte. 

Die Teilnehmer aus dem Wittlager Land. Foto: Britta Bauder

Auf deutscher Seite fanden sich drei Geschwister aus einer den Austausch bereits seit Jahrzehnten begleitenden Familie, die zudem noch unterschiedliche Schulen des Altkreises repräsentierten. Wie sich herausstellte, nehmen diese engagierten jungen Menschen in dritter Generation am Austausch teil. Der Opa nahm als damaliger Schulleiter der Haupt- und Realschule am 20. Jubiläum teil, Mama und Papa am Sport- und am Schüleraustausch.

Ein guter Kompass

Der Text der Urkunde wurde von Franzosen und Deutschen gemeinsam erarbeitet und ist nun, wie Martine Gille, Vorsitzende des Comité d’Échanges Inter-Nation, betonte, "ein Kompromiss vieler guter Ideen. "

Jean-Pierre Blondel, Vizepräsident des C.E.I.N. und Initiator des ersten Jugendaustausches zwischen Mitglieder des Wittlager Jugendrotkreuzes und dem Haus der Jugend in Bolbec, wies in seiner Rede auf die Geschichte der französisch-deutschen Partnerschaft hin. "Stets  waren es junge Menschen, welche die Partnerschaft begonnen haben und vorantreiben." Blondel erinnerte sich an zwei kleine Mädchen von damals, Martine Gille und Jutta Lange-Lücht, die schon bei der ersten Begegnung dabei waren und seitdem aktiv Austausche organsierten. 

Zuvor hatte Martine Gille eine kurze Einführung über die Geschichte der Partnerschaft gegeben und Stéphanie Jeanne-Djekic als Vorsitzende des Partnerschaftsvereings Bolbec-Wittlage sich bei allen Akteuren sowie vor allem bei allen Gastfamilien bedankt. Gille erklärte, dass ihre, Stéphanies und Juttas Arbeit nur stattfinden konnte, weil sie durch ihre Mentoren unterstützt wurden. Jutta einst begeistert durch Hanns-Eberhard Dreinhöfer und Madame Mus -  Martine und Stéphanie durch ihren Deutschlehrer Charles Mauran und dem damaligen Vorsitzenden des C.E.I.N. Yvan Hertel. Britta Bauder, heutige Geschäftsführerin des Wittlager Comités, wurde in den "Zaubertrank des Austausches" durch ihren Vater Dieter Spanger geschubst.

Eine goldene Hochzeit

Und noch ein Jubiläum galt es zu feiern. Monsieur Jean Pierre Blondel und seine Frau Eliane feierten im September 2019 ihre goldene Hochzeit. Sie hatten sich bei der zweiten Austauschfahrt im Bus kennengelernt. Doch musste die Hochzeitsreise verschoben werden, stand doch die Partnerschaft zwischen Deutschland und Frankreich im Vordergrund.

Ein musikalischer Abend rundete das Programm ab. Foto: Jean-Pierre Leroux

Den Abschluss des Aufenthalts bildete das Konzert des deutsch-französischen Musikaustausches. Die französischen und deutschen Bands begeisterten alle Zuhörer, die immer wieder um vielzählige Zugaben baten. Der Abschied nächsten Morgen fiel vielen Teilnehmern und auch den Gastfamilien schwer; es flossen zahlreiche Tränen auf deutscher und französischer Seite.

Der Partnerschaftsverein

Eine Städtepartnerschaft und einen Austausch von Kulturen über fünf Jahrzehnte ehrenamtlich zu leben, zu erleben und zu beleben ist eine nicht selbstverständliche, arbeitsintensive, aber auch achtungsvolle Aufgabe. Vor allem unter Betrachtung der Voraussetzungen gerade zu Beginn der Partnerschaft, die vor allem auf französischer Seite noch von den Ressentiments der Nachkriegszeit geprägt war: "Alle Initiatoren und alle Familien, die ihr Haus den ausländischen Gästen öffneten, haben Großes und Großartiges geleistet, um Grenzen auf dem Boden und in den Köpfen der Menschen zu überwinden", betont der Partnerschaftsverein Bolbec-Wittlage.


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