Neues Buch erschienen "Ne geoe Noahricht" mit Wittlager Plattdeutsch

Heinrich Rust von der Arbeitsgemeinschaft "Plattdütsk in den Kerken" präsentiert das neue Buch. Foto: Gertrud PremkeHeinrich Rust von der Arbeitsgemeinschaft "Plattdütsk in den Kerken" präsentiert das neue Buch. Foto: Gertrud Premke

Bad Essen. Siebenundsiebzig ist eine bedeutende Zahl in einem von der westfälischen Arbeitsgemeinschaft „Plattdütsk in de Kerken“ herausgegebenen neuen Buch.

Siebenundsiebzig gute Nachrichten, verfasst in Kurzgeschichten, präsentiert mit großformatigen ansprechenden Bildern, dazu 77 verschiedene plattdeutsche Dialekte aus Westfalen und ganz Norddeutschland sowie aus dem Wittlager Land (übersetzt in den jeweiligen regionalen Dialekt) beinhaltet das  Werk des Arbeitskreises.  

Für das Wittlager Land sind Beiträge der verstorbenen plattdeutschen Autorin Elly Wübbeler aus Lintorf sowie Marianne Vehring, Prädikantin aus Rabber, in der 163 Seiten starken Ausgabe zu finden. Das Gesamtwerk der zahlreichen mitwirkenden Autoren aus den verschiedenen plattdeutschen Sprachräumen wirkt wie ein zusammengebundener Strauß bunter Blumen.  

Dialekt und Herkunft

Der Kreis der Mitarbeitenden geht über Westfalen weit hinaus und wurde auch bewusst ökumenisch zusammengestellt. Schön ist, dass die Übersetzungen jeweils mit der Angabe versehen sind, aus welcher Region das verwendete Plattdeutsch stammt. So ist zu erkennen, aus welcher Gemeinde, Stadt oder aber auch Dorf der plattdeutsche Dialekt stammt und somit auch die Herkunft des Sprechenden erkannt werden kann.

Aber von wem und wo wird noch Plattdütsk, mithin Wittlager Platt, gesprochen? Bereits 1961 wurde in dem Buch „Der Landkreis Wittlage“ Folgendes geschrieben: „Die plattdeutsche Sprache, lange die fast ausschließliche Umgangssprache im Kreis, verliert immer mehr und immer rascher ihre Bedeutung. Die jetzt schulpflichtige Generation versteht zwar noch die Mundart der Ahnen, aber selbst Bauernkinder bedienen sich ihrer immer seltener.“

Sterbende Volkssprache?

 Dazu berichtet Dr. Gisbert Keseling aus Göttingen in Bezug auf Mundart, Sprachbewusstsein und Sprachpflege in dem Wittlager Standdardwerk: „Das Plattdeutsche ist noch heute im ganzen Kreis, der ja keine städtischen Gemeinden hat, durchaus lebendige Volkssprache, soweit es sich nicht um Zugewanderte oder Flüchtlinge handelt. Der im größten Teil Niedersachsens zu beobachtende Rückgang hat jedoch auch in Wittlage nicht haltgemacht.“

Es wird weiter erwähnt, dass Eltern wohl untereinander noch Plattdeutsch, mit den Kindern aber Hochdeutsch sprechen. Weiterhin wurde die Feststellung getroffen, dass gerade in kulturell weniger interessierten Schichten das Plattdeutsche fallen gelassen oder vernachlässigt wurde, während es von Lehrkräften oder aber auch in größeren landwirtschaftlichen Betrieben durch das Niedersächsische Landvolk und sonstige Vereinstätigkeit bewusst gepflegt werde. Diese bedauerliche Entwicklung wurde vor 60 Jahren festgestellt.

Regionale Identität

Heute ist Plattdeutsch fast in Vergessenheit geraten, sofern nicht Arbeitskreise, einzelne Schulen oder engagierte Einzelpersonen sich um seine Erhaltung bemühen. So ist es im Sinne der regionalen Identität wichtig und lobenswert, dass der Arbeitskreis „Plattdütsk in de Kerken“ sich der Aufgabe gewidmet hat und ein lesenswertes Werk mit Übersetzungen in der plattdeutschen Sprache verfasst hat.

Erhältlich ist das Buch „Ne geoe Noahricht“ (ISBN 9783-929602-81-4) zum Preis von 14,50 Euro in der Buchhandlung Wegmann am Kirchplatz in Bad Essen sowie im Geschäft Klausjürgens in Rabber und unter www.missionsverlag.de. 


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