Ein Mann erzählt von seinen Depressionen und Suizidgedanken Gefangen in Grübelschleifen - "Depressionist" kommt nach Bramsche und Bad Essen

Einsam, freudlos oder auch massiv antriebslos – so kann sich eine Depression anfühlen. Darüber reden kann helfen. Foto: dpa/Archiv/Picture AllianceEinsam, freudlos oder auch massiv antriebslos – so kann sich eine Depression anfühlen. Darüber reden kann helfen. Foto: dpa/Archiv/Picture Alliance

Bramsche/Bad Essen. Was seine Depressionen angeht, hat sich Markus Bock irgendwann zu einem ebenso radikalen wie hilfreichen Mittel entschlossen: Schonungslose Offenheit. Auch und gerade, wenn es die immer wiederkehrenden Gedanken an einen Suizid geht. Das mag erschreckend sein, ist aber gut so: In der Suizidprävention gibt es den Leitspruch: Darüber zu reden kann der erste Schritt dahin sein, es nicht zu tun.

Nun ist der selbsternannte „Depressionist“ gleich zwei Mal in unserer Region zu Gast und zwar am Samstag, 12. 10. in Bramsche im Bramscher Bahnhof (16 Uhr) und am Mittwoch, 16. 10., in Bad Essen im Paracelsus-Therapiezentrum, Empter Weg 5 (19 Uhr). Beide Male ist der Eintritt zu der Veranstaltung frei.  

Weil er sein Leben oft so empfunden hat (und weil es natürlich ein augenzwinkerndes Wortspiel darstellt), trägt der Internetblog des bekennenden Depressionserkrankten aus der Nähe von Hildesheim den Namen „verbockt.com“. Schon in der Kindheit als Sohn alkoholabhängiger Eltern fehlte es dem heutigen Mittdreißiger – inzwischen selbst Vater eines Sohnes – an Bestätigung und Zuwendung. Und noch heute ist das Dauerthema, wenn die Grübelschleifen wieder einsetzen: „Immer wieder Selbstkritik und das mangelnde Selbstwertgefühl“. Nach einem gescheiterten Suizidversuch – der daran scheiterte, dass jemand anrief -, wurde das besonders schlimm. Nach dem Motto: Noch nicht mal das bekommst Du richtig hin.

"Die Depression hat mich bestimmt"

All das schildert Markus Bock recht offenherzig und freigiebig in verschiedenen Beiträgen in seinem Podcast oder auf seinem Blog, aus dem er bei den Abenden auch etwas vorlesen wird. Die Überschrift zu diesen Veranstaltungen, mit denen Markus Bock unterwegs ist, lautet: „Verbockt! Der Depressionist... - Die Depression hat mich bestimmt. Jetzt bin ich dran. Vielleicht...“ In seinem Podcast schildert Markus Bock, wie das Gefühl, einfach nicht ausreichend zu sein, sich nicht etwa langsam einschleichte, sondern einfach da ist und ihm oftmals „wie eine Abrissbirne um die Ohren“ schlage.

Auch die oftmals empfohlenen Entspannungsübungen wären da keine gute Abhilfe: „Ich habe keine Lust mehr auf Übungen, ich will das nicht mehr fühlen müssen“, schildert er weiter. Auch auf seinem Twitteraccount, der wie sein Blog unter verbockt.com zu finden ist, geht der Blogger den Weg größtmöglicher Offenheit. Am Welttag für Suizidprävention, dem 10. September, schrieb er beispielsweise: „Oft daran denken? Nein. Es war täglich. Liebe hätte alles verändert. Aber nicht die Liebe einer Frau.“

Sport ist eine gute Hilfe

Nach Bramsche will Marks Bock übrigens aus Löhne kommend mit dem Fahrrad anreisen, wie er auf Twitter verkündete. Das passt zu einer neueren Entwicklungen in seinem Leben: Er hat den Verein „Sport gegen Depression“ gegründet. Denn Sport sei immer hilfreich. Und sei es nur, weil schmerzende Knie von Grübelschleifen ablenken können.

Hinweis der Redaktion: Wenn Ihre Gedanken darum kreisen, sich das Leben zu nehmen, können Sie mit anderen Menschen darüber sprechen. Die Telefonseelsorge ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar unter Telefon 0800-1110111 und 0800-1110222.


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