Fahrt von Kunstschule und Kulturverein Kurios zum Bauhaus Dessau Architekturfreunde aus dem Wittlager Land auf den Spuren von Gropius und Co.

Zeitlos: Die Architektur des Bauhauses bezeugt nicht nur den Aufbruch in die Moderne, sie ist auch heute noch modern. Foto: Iris NepkeZeitlos: Die Architektur des Bauhauses bezeugt nicht nur den Aufbruch in die Moderne, sie ist auch heute noch modern. Foto: Iris Nepke

Altkreis Wittlage / Dessau. 100 Jahre Bauhaus werden in diesem Jahr mit zahlreichen Ausstellungen, Veröffentlichungen und Veranstaltungen gefeiert. Was liegt da für Freunde von Kunst und Architektur näher, als die Idee, sich direkt zum Ort des Geschehens zu begeben? Und so machten sich die Kunstschule Bad Essen und der Verein Kurios Ostercappeln zu einem Wochenende nach Dessau auf, um dort das neu eröffnete Bauhausmuseum zu besuchen.

Ganz passt der Titel "100 Jahre Bauhaus in Dessau" nicht, denn gegründet wurde die Werkschule vor 100 Jahren von Walter Gropius in Weimar. Erst sieben Jahre später wurde sie nach Dessau verlegt, wo der Einrichtung die finanzielle Unterstützung gewährt wurde, die Weimar, das bei den Wahlen 1924 einen Rechtsruck erlebte, der progressiven Schule nicht zugestehen wollte.

Viele Eindrücke nahmen die Reiseteilnehmer vom Bauhaus mit zurück ins Wittlager Land. Foto: Iris Nepke

In Dessau angekommen, hatte die Reisegruppe aus dem Wittlager Land zunächst Gelegenheit, an einer engagierten Führung im neuen Bauhaus-Museum teilzunehmen. Bei dem Gebäude handelt es sich um einen strengen gläsernen Kubus mitten im alten Teil der Stadt. Die große Halle im Erdgeschoss bietet – neben Kassenraum Café und Museumsshop – Raum für große Exponate und Veranstaltungen. Das Obergeschoss indes beherbergt die Ausstellung selbst. Es sind Originalarbeiten aus den Bauhaus-Werkstätten zu sehen, bestechend nicht nur durch ihre Gestaltungsqualität, sondern auch durch die Präzision der Ausführung. 

Das neu eröffnete Bauhaus-Museum zeigt Entwicklung und Arbeiten der renommierten Werkschule. Foto: Iris Nepke

Aus allen Bereichen, also aus bildender, angewandter und darstellender Kunst, sind Arbeiten ausgestellt: Grafiken, Fotografien, Webarbeiten, Theaterfiguren, etwa aus dem Triadischen Ballett, dem bekannten experimentellen Ballet des Bauhaus-Meisters Oskar Schlemmer, sowie Möbel und Lampen – als Originale oder als originalgetreue Nachbauten. Viele Bauhaus-Entwürfe sind längst bekannte Klassiker und so trifft man im Museum auf zahlreiche vertraute Gegenstände wie beispielsweise Marcel Breuers berühmten Wassily-Stuhl aus Stahlrohr oder die Bauhaus-Lampe von Wilhelm Wagenfeld.

Am Tisch des Meisters

Die zweite Anlaufstation für die Reisegruppe war das Bauhaus selbst, das Gropius innerhalb von nur acht Monaten realisierte. Dort hatten die Besucher Gelegenheit, das Büro des Meisters zu betreten und sich einmal an dessen Schreibtisch zu setzen. 

Das Werkstattgebäude selbst wird nicht mehr seiner Bestimmung entsprechend genutzt. Ein Studium in den Räumen des Dessauer Bauhauses ist nicht mehr möglich. Dagegen wird das Theater noch für Theateraufführungen, Konzerte und Lesungen genutzt, auch die ursprüngliche Kantine ist noch in Betrieb. 

Im zweiten Gebäudeteil, dem Prellerhaus, befinden sich ehemalige Studentenwohnungen, die teilweise auch als Ateliers genutzt wurden. Während der Führung konnte eines der Zimmer besichtigt werden, alle anderen sind das ganze Jahr über als Hotelzimmer ausgebucht. Dabei muss sich der Gast allerdings mit der einfachen Ausstattung ihrer Zeit bescheiden. 

Einmütiges Fazit der Besucher aus Bad Essen, Ostercappeln und Osnabrück: Das Ensemble der Bauhaus-Gebäude hat auch beinahe hundert Jahren nach seiner Entstehung nichts von seiner faszinierenden Ausstrahlung verloren. Überhaupt entstand bei den Besuchern der Eindruck: Das kann doch alles gar nicht so alt sein – was für die Zeitlosigkeit der Entwürfe spricht.

Weiße Kuben unter Kiefern

Noch einmal bekamen Architektur-Fans heftiges Herzklopfen, als bei der Stadtrundfahrt am zweiten Tag ein Stopp bei den Meisterhäusern eingelegt wurde. Hier wohnten seinerzeit die Lehrer des Bauhauses in Einzel- und Doppelhäusern, die nach dem Entwurf von Walter Gropius entstanden waren: Kandinsky, Klee, Feininger, Schlemmer, Muche und auch Gropius selbst. 

Dessen Haus wurde im Krieg zerstört, ist aber zum Bauhaus-Jubiläum originalgetreu wieder errichtet worden. Den besonderen Charme dieser kleinen Siedlung machen die alten Kiefern aus, die ihre Schatten auf die streng angeordneten weißen Kuben der Häuser werfen.

Mit den Meisterhäusern wurde eine Philosophie realisiert. Hier bezieht sich die Idee vom Bauhaus nicht allein auf die Fassade. Foto: Iris Nepke

Die Stadtrundfahrt führte an weiteren Spuren des Bauhauses vorbei, so an der Reihenhaussiedlung Törten mit 314 Einfamilienhäusern, den Laubenganghäusern und dem alten Arbeitsamt. Ein besonderes Kleinod konnte die Gruppe zum Schluss erleben: das Ausflugslokal Kornhaus am Elbufer. Es wurde von einem Assistenten des Meisters Gropius, Carl Fieger, 1930 erbaut und 2012 nach gründlicher Sanierung wieder eröffnet.

Das Kornhaus belegt, wie moderne Architektur die Landschaft bereichern kann. Foto: Iris Nepke

Das Wochenende in Dessau wurde von den Kunstfreunden aus Bad Essen, Ostercappeln und Osnabrück als beglückendes Erlebnis empfunden. Nicht zuletzt, weil die Stadt mit ihren Flüssen, Auen, den weitläufigen Parks und dem Straßengrün einen großzügigen und freundlichen Eindruck hinterlässt. Dort fühlt man sich wohl und kommt gern – vielleicht  auch für einen längeren Aufenthalt – wieder. 


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN