Von den Streuobstwiesen des Wittlager Landes Saftkelterei Lammersiek feiert Firmenjubiläum und Tag der offenen Tür

Holt das Beste aus Äpfeln, Birnen und Co.: Claudia Himmelstoß in der Mosterei Lammersiek. Foto: Gertrud PremkeHolt das Beste aus Äpfeln, Birnen und Co.: Claudia Himmelstoß in der Mosterei Lammersiek. Foto: Gertrud Premke
Gertrud Premke

Bad Essen. Auf einhundert Jahre Firmengeschichte kann die Fruchtsaftmosterei Lammersiek in Bad Essen zurückblicken. Das wurde jetzt mit einer Jubiläumsveranstaltung und Tag der offenen Tür gebührend gefeiert.

„Das Beste, was wir von der Geschichte haben, ist der Enthusiasmus, den sie erregt“, besagt ein Satz von Johann Wolfgang Goethe. Dieses Zitat des großen Dichters findet sich nicht nur auf dem Werbeflyer der Firma Lammersiek, sondern es zieht sich gleichsam durch die ganze Geschichte des Unternehmens, eines Familienunternehmens, das bis heute mit Herz, Verstand und Enthusiasmus betrieben wird. 

Diesen Erfolg und die gesamte kontinuierlich positive Firmenentwicklung über mehrere Generationen hinweg konnte Wilhelm Lammersiek, Urgroßvater von Claudia Himmelstoß, der heutigen Geschäftsführerin der Mosterei, sicherlich nicht erahnen, als er im Jahre 1919 mit Äpfeln und Birnen einen Obsthandel eröffnete und ihn im Handelsregister eintragen ließ. 

Noch heute alles "Picobello"

Der nächste bedeutsame Schritt erfolgte 1936, als der Betrieb das Inventar vom Gartenverein übernahm und mit der Verarbeitung von Obst zu Säften begann. 1953 wurde Erna Hinrichsmeyer, geborene Lammersiek, zur Geschäftsführerin und begann drei Jahre später mit der zusätzlichen Herstellung von Fruchtweinen und Fruchtgelees. Die Produkterweiterung und der Erfolg nahmen ihren Lauf, insbesondere durch die Aufnahme des Orangenfruchtsaftgetränks "Picobello", das 1960 von Klaus Himmelstoß mitentwickelt wurde und sich heute noch im Angebot befindet. 

Selbst Saftflaschen unterliegen der Mode: Die beiden Exemplare, die Claudia Himmelstoß hier in Händen hält, stammen aus den 60er Jahren. Foto: Gertrud Premke

Vor ungefähr vierzig Jahren wurde vom Unternehmen früh der Trend zur Herstellung von Fruchtsaft aus Streuobstwiesen erkannt, dem der Einstieg in den Naturkosthandel folgte. In den Neunziger Jahren erfolgte der Umbau des Tank- und Flaschenlagers. 1997 trat Claudia Himmelstoß nach ihrem Studium zur Diplom- Getränketechnologin in das Unternehmen ein, zwei Jahre später erlangte die Firma die Biozertifizierung nach EU-Richtlinien für Rhabarber-Nektar in Lohnverarbeitung für Bioland- und Demeter-Betriebe aus der Region.  

Im Jahre 2012 erfolgte ein Umbau und die Modernisierung der Abfüllanlage, nachdem 2001 bereits eine neue kontinuierliche Bandpresse zum Einsatz gekommen war. Im vergangenen Jahr gab Seniorchefin Renate Himmelstoß, geborene Hinrichsmeyer, das Unternehmen an Tochter Claudia als Geschäftsführerin weiter.

Ohne Zuckerzusatz und Konservierungsstoffe

Noch heute läuft das Unternehmen unter der Firmenbezeichnung "Lammersiek + Co Fruchtsaftkelterei“ und produziert vornehmlich Säfte mit hundert Prozent Fruchtsaftgehalt ohne Zuckerzusatz und Konservierungsstoffe. 

Für die Erzeugung von besondere Bedeutung sind dabei die Streuobstwiesen im hiesigen Raum mit regionalen Obstsorten. "Besonders aromatisch ist das Streuobst, das wirklich erst dann zu Saft wird, wenn es den absoluten Reifegrad erreicht hat. Eine bessere Qualität gibt es nicht. In diesem Jahr ist die Ernte allerdings aufgrund von spätem Frost, sommerlicher Dürre und Befall durch den Apfelwickler recht spärlich. Nach einem super Apfeljahr mit angelieferten 380.000 Kilo Obst wird in diesem Jahr mit höchstens 40.000 Kilo gerechnet,“ so die Einschätzung der Firmenchefin. 

Heimische Obstsorten, wie sie Pomologe Wilfried Fischer hier zeigt, sind widerstandsfähig und aromatisch. Sie kennzeichnen den guten Geschmack von Lammersieks Säften. Foto: Gertrud Premke

Am Jubiläumstag zeigte Claudia Himmelstoß den Besuchern ihre gläserne Produktion und erklärte die einzelnen Schritte von der Frucht zum Saft. Die im Betrieb hergestellten Säfte  werden vorzugsweise in Flaschen abgefüllt, die Geschmackneutralität längere Haltbarkeit garantieren. Beim Tag der offenen Tür stellte außerdem Streuobstwiesenbesitzer und Pomologe Wilfried Fischer aus Bissendorf-Wulften verschiedene alte Apfelsorten vor. Die Initiative "Fridays for Future“, der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der Lions-Club Bad Essen, sowie der Verein Kinderwelten rundeten mit ihren Aktionen und Informationen das Veranstaltungsprogramm ab, bei dem natürlich auch Getränkestände zur Verkostung der köstlichen Säfte nicht fehlen durften.


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